auflösungserscheinungen

Wenn was passiert, passiert alles auf einmal.
Wochenlang dümpelte der Umzug so vor sich hin. Kisten packen, nach Köln verschiffen. Ein bißchen ummelden, ein paar Kündigungen hier und da. Und dann: Anruf, dass die Wohnung früher übergeben wird, dafür muss ich nicht streichen. Alarm! Alles abgebaut, mit dem Schatz (DANKE nochmal!!) das ganze Pfingstwochenende geschleppt, gehämmert, gefahren, abgebaut und aufgebaut. Den Speicherraum entrümpelt, um ihn tags drauf wieder mit meinen Sachen voll zu stellen. Dann Wohnung geputzt und fünf Minuten drauf übergeben. Nur drei Tage Zeit, um Hamburg Tschüß zu sagen. Nochmal überall dort gewesen, wo ich so gerne war: Im Park, im Café, an der Binnenalster, an den Fleeten. Wasser, Sonne und zwischendurch immer wieder einander ganz fest gehalten, so lange wir noch konnten. Dann am Wochenende ging es nach Köln. Schon komisch, wieder mit Kisten und Koffern im Elternhaus in der Tür zu stehen. Es war ein heftiges Wochenende, Lachen und Weinen und Harmonie und Sorge, alles gemischt. Kein Wunder, dass es uns am Sonntag bis vier Uhr nachmittags im Bett hielt. Dann Verabschiedung. Schon nach einer halben Stunde Fernbeziehung weiß ich, das ist nicht gut für mich. Bin traurig.
Heute lange ausgeschlafen in der Hoffnung, dann Kraft zu haben für den ganzen nötigen Kram: Ummelden, Telefonate mit Arbeitsamt und Krankenkasse, Bewerbungen schreiben und und und. Dann beim Frühstück einen Anruf bekommen: Eine Freundin, die für mich fast schon meine kleine Schwester ist, war beim Augenarzt zur normalen Untersuchung. Wir wollten uns abends treffen. Stattdessen: Not-Operation, Netzhautablösung, Prognose keine Ahnung, sechs Wochen wird mindestens nicht sehen können.
Kein Gedanke mehr an den ganzen Kleinkram. Da hört die Welt doch auf sich zu drehen.

Die wichtigen Menschen bei sich haben und gesund bleiben. Mehr brauchen wir nicht.

love of my life

Beim Queen-Konzert mit Paul Rodgers vor ein paar Jahren im Müngersdorfer Stadion gehört. In diesem Moment haben wir alle im Publikum geschwiegen und geheult – sogar die Jungs. Ein wirklich beeindruckender Konzertmoment. Ich glaube, Freddie war an diesem Abend bei uns. Nicht nur auf der Leinwand. Großes Gänsehautgefühl. Danke, Freddie!

tage wie dieser

Es gibt Tage, an denen ich voller Elan (wenn auch mit Hilfe des Weckers) auch an einem Sonntag aus dem Bett komme, um Dinge zu erledigen. An manchen beschließe ich nach 15 Minuten, besser zurück ins Bett zu gehen. Am heutigen Sonntag wollte ich entrümpeln, die ersten Sachen zusammenpacken für den Umzug, ein paar Bewerbungen abschicken und so weiter. Zuerst aber ganz gemütlich “Gossip Girl” gucken, mit der Bettdecke auf dem Sofa und – frischem Kaffee. Ein bisschen Seele steicheln, denn die ersten beiden Gedanken des Tages waren traurig: Es ist der 9. Mai 2010, Muttertag. Keine Mama mehr da, der ich wie früher Blümchen im Garten pflücken könnte, Frühstück ans Bett bringen und gemeinsam einen schönen Tag verbringen…Der zweite Gedanke: Ich habe meinen Freund gestern zum Flughafen begleitet. Er schläft vermutlich gerade am Strand, irgendwo am indischen Ozean, gaaaanz weit weg von mir 🙁
In der Küche dann, schlaftrunken, den Kaffeefilter auf die Kanne gesetzt, kochendes Wasser reingegossen… Ich sah es wackeln, aber irgendwie bin ich nicht wie andere Kinder: Statt instinktiv die Hand wegzuziehen, langte ich mal so richtig zu. Das Ergebnis ist eine feuerrote rechte Hand, die brennt wie Sau und bei jeder Berührung weh tut. Auaaaaa!… und keiner da zum Pusten.
Da ich dann noch die Serie verpasst habe (weil der Fernsehsender die Zeiten auf Internetseite und Videotext falsch angegeben hatte) und nun weder gut tippen noch packen kann, gehe ich am Besten wieder ins Bett.
Schatz, du kannst mich dann in 12 Tagen wachküssen kommen!

trust

“Das Vertrauen ist eine zarte Pflanze: Ist es zerstört, so kommt es sobald nicht wieder.” sagte einst Otto von Bismarck. Was für politische Beziehungen gedacht war, gilt auch und insbesondere für persönliche Beziehungen. Mit der Liebe ist doch auch irgendwie wie in der Politik: Es wird verhandelt und diskutiert, sich bekriegt und Frieden geschlossen und Kompromisse gefunden, um beiden Parteien Raum zu geben. Was aber, wenn diese Pflanze des Vertrauens eingeknickt ist? Kann man sie dauerhaft düngen? Kann sie Früchte tragen oder wird sie immer wieder unter der Last zusammenbrechen?

Gestern fuhr ich einmal wieder mit der Mitfahrzentrale von Köln nach Hamburg. Fahrer Florian und ich kannten uns zwar nicht, unterhielten uns aber vier Stunden lang sehr angeregt über Beziehungen, Treue und Männerabende. Florian berichtete mir von seiner achtjährigen Beziehung und anfänglichen Fehltritten im Suff. Seine Freundin hat ihm verziehen, auch wenn ihr Vertrauen deutlich gelitten hat. Florian hat Verständnis dafür und nimmt heute viel Rücksicht: Er trinkt weniger als früher, weil er fürchtet, die Kontrolle zu verlieren, er fährt nicht auf Sauftouren, weil er weiß, dass es seine Freundin verletzt. Er meldet sich bei ihr, wenn er nach dem Feiern zuhause ist. “Meine Freundin interessiert sich gar nicht für andere Männer. Wenn wir Männer aber abends los gehen, könnten wir uns mit mindestens 50% der Mädels da was vorstellen”. Tut er aber nicht mehr, sagt er. Interessant ist es dennoch. Weil die meisten Menschen genau das leugnen würden.
Dummheiten können passieren. Aber nicht jeder geht damit um wie Florian und seine Freundin.
Ich war selbst mit jemandem zusammen, der mich richtig verarscht hat. Da gab es genügend Beweise, eine ganze Fußballmannschaft zu überführen – er gibt es bis heute nicht zu. Die Kondome haben die Jungs ihm geklaut. Die Postkarte an ihn mit eindeutiger Message kam von einer Urlaubsbekanntschaft seines besten Freundes – die KANNTE er nicht mal richtig. Verletzend und prägend. Leider. Heute hat ihm das Schicksal die Rechnung dafür präsentiert: Seine neue Freundin bricht schon in Tränen aus und inszeniert ein peinliches Theaterdrama, wenn andere Frauen auch nur anwesend sind.

Kontrollfreaks, Dramaqueens, SMS-Leser, Menschen, die ihrem Partner den Kaffee mit “alten Freunden” madig machen – all das beruht doch auf der gleichen Ursache: Dem zerstörten Vertrauen.
Dennoch gibt es Viele, die ernsthaft ihrem Partner/ ihrer Partnerin erzählen, niemals einen anderen auch nur anzusehen. “Totaler Quatsch”, wie Florian mir bestätigt. Ist doch auch unglaubwürdig. Kein Mensch geht durch die Welt, denkt niemals an jemand anderen. Jeder schaut sich gerne hübsche Menschen an. Warum bemüht man sich also nicht, die Beziehung auf eine Basis zu stellen, auf Grund derer man Vertrauen wieder lernen kann?
Als gebranntes Kind vermutest du hinter jeder SMS ein Geheimnis. Hinter jeder neuen Facebook-Freundin, Mädels auf den Fotos deines Freundes befürchtest du etwas. Warum machen Menschen manchmal Dinge, von denen sie doch wissen, dass sie einem selbst auch gar nicht gefallen würden? Und warum ist es so schwer die Wahrheit zu sagen, stattdessen erzählt man Märchen, die keiner glauben kann. Warum zollen Menschen einander manchmal so wenig Respekt und Verständnis? Wenn man sich entschieden hat, warum entscheidet man sich dann plötzlich für jemand/etwas anderes, ohne Rücksicht auf Verluste. Ist der Mensch ein Egotier oder einfach ein ewiger Affe? Die meisten kennen das misstrauische, nagende Gefühl und niemand will belogen werden. Warum wird man dann agressiv, wenn der Partner einem in die Augen sieht und fragt, was er glauben kann? Er oder sie möchte doch nur eins: Vertrauen können. Und gemeinsam die Früchte dieser zarten Pflanze ernten.