ich nemm d’r Dom met

Abschied von Zuhause ist nicht einfach. Beim ersten Umzug nach Hamburg vor anderthalb Jahren gabs an Weiberfastnacht zu später Stunde noch so einige Tränchen. Das Lied dazu, “Do bes Kölle”, habe ich mir in der ersten Zeit “weit” weg von Zuhause bestimmt hundert Male angehört.
Und nun, nach dem wieder-Umzug und zwei Monaten Eingewöhnung ist es wieder soweit: Koffer packen und ein zweites Mal in den hohen Norden ziehen. Papa wird bestimmt an der Tür stehen, Tränchen verdrücken, weil das Kind ins Land der Fischbrötchen geht. Und sicher bekomme ich dann bei Besuchen wieder Carepakete, weil es im Land der Fischköppe bestimmt keine Supermärkte gibt. 😉
Hach ja, ein bisschen traurig ist es schon, euch alle wieder hier zurück zu lassen. Aber ich habe euch alle im Herzen, vielleicht einmal zu Besuch (!) und jetzt auch immer dabei:

“Ich nemm d’r Dom met” – als kleinen Anhänger aus dem tollen Schmucklädchen meiner lieben Tante.

Danke! 🙂
Ich hab euch alle lieb.

nachtschicht

Mit Katzen ist es wie mit kleinen Kindern: Wenn sie einmal krank sind, dann ist mit Sicherheit a) Nacht oder b) Wochenende. Kater Einstein bevorzugt es, den Dosenöffner nachts durch abnormes Verhalten zu wecken. Heute Nacht zunächst durch proaktives Schmusen – was zunächst nicht ungewöhnlich ist. Ertastet man dann als aufmerksames Frauchen jedoch einen leblos runterhängenden Katzenschwanz, hört im Halbschlaf die Fellnase schnappatmen und schmatzen, so ist man sofort hellwach.
Irgendwas stimmt nicht. Katerchen wirkt nervös, lässt den Schwanz hängen und macht große Kulleraugen. Dann sucht er ein Versteck im Haus und platziert sich unter der Sofadecke. Wäre er eine Katze würde ich vermuten: Gleich gibts Nachwuchs. So vermute ich Bauchweh und verdrücke ein paar Tränchen vor Sorge ums Katzi. Ich hole ein Schälchen Wasser, Einstein trinkt aus meiner Hand das ganze Ding leer – als ob nicht in jedem Zimmer unseres Hauses Wasserschälchen stünden weil das gute Tier auch sonst trinkt wie ein Pferd.
Einstein lässt sich Bauch und Öhrchen kraulen, verzichtet dabei aber auf das Schnurren, kein gutes Zeichen 🙁
Eine Stunde, zwei Stunden rührt sich Kater nicht vom Fleck, Schwanz eingezogen, Pfoten bewegen sich nicht. Kein Schnurren, kein Putzen. Nur gucken und hin und wieder trinken.
Irgendwann, mehr um mich wach zu halten, gehe ich in die Küche und stelle ein wenig Katzenfutter hin. Für den Fall, dass er doch am Morgen fressen mag.
Und dann steht das Vieh doch einfach auf, reckt sich einmal, hopst vom Sofa und stolziert zum Fressnapf, dabei wedelt sein Katzenschwanz frech in der Luft hin und her…
Männer!

zeit heilt alle wunder

…und wie das stimmt. “Und wenn es dich nicht loslässt, zähl bis drei, es geht vorbei.” Die Zeit heilt alle Wunder. Das Wunder des Verliebtseins, die Vergangenheit, die rückblickend immer so rosarot und wunderbar erscheint. “Wann wirst du endlich lernen, dir den Kopf nicht zu verdrehen?”
Das einzige Wunder ist doch, dass das Leben immer weiter geht. Dass aus Wundern Narben werden – und wir Menschen manchmal kein Stück schlauer. Aber alle Möglichkeiten bleiben offen. Leben heißt lernen und weitergehen – denn neue Wunder warten.

La vida mallorquina

Nun ist er auch schon wieder vorbei, unser diesjähriger Urlaub. Richtig geplant war er nicht, richtig erholt haben wir uns auch nicht. Aber eine wunderschöne Hochzeit von Freunden gefeiert, kaum geschlafen, gut gegessen und viel von der herrlichen Insel Mallorca kennengelernt – und wiedergesehen. Danke noch einmal an das Hochzeitspaar und Familie, die uns so gastfreundlich aufgenommen und umsorgt haben! Schade, dass die schönsten Tage immer am schnellsten vorbei gehen müssen. Immerhin: Ein bisschen was haben wir alle im Gepäck: Das Paar einen Gutschein für eine weitere Reise mit uns Chaoten, die auch die Festtagsgarderobe nicht von nächtlichen Poolschlachten abhalten konnte. Die Gäste, die länger geblieben sind, ein paar neue Ideen und Pläne für die Zukunft (ob auf der Insel oder anderswo, mögen sie euch Allen gelingen!). Und für mich ein paar neue Klamotten von einem superlustigen Mädels-Stadtbummel durch Cala Ratjada, bittere, wenn auch wichtige Erkenntnisse und eine Menge netter Menschen, deren Freundlichkeit so ganz im Gegensatz zum “poshy” Ambiente unserer Begegnungen stand und an die ich mich gerne erinnern werde.
Zum Beispiel hier in Santanyí, wo eine Deutsche mit wunderbarem Geschäft uns bargeldlosen Traumstrandbesuchern einfach einen Cava spendierte und uns zu Träumereien vom Leben auf Mallorca verleitete – muchas gracias! Oder hier im Restaurant Tahini im Nobelhafenstädtchen Portals Nous, wo das Sushi so lecker war (und das Personal so nett) dass sogar ich es großartig fand.
Eine Koffer voller Erinnerungen – vielfältiger Art und bunt gemischt wie die Farben meines Urlaubssouvenirs, das nehme ich mit nach Hause.
Und nach ein paar Tagen Ausschlafen geht es dann weiter…ein neuer Abschnitt wartet. Mal sehen, wie lange die guten Gedanken und die Motivation mich tragen werden.

Mein fast perfektes Leben (Jonathan Tropper)

Mein fast perfektes Leben - Jonathan Tropper


Im Mittelpunkt der Geschichte steht Doug, ein 29-jähriger Witwer, der am Unfalltod seiner Frau Hailey fast zugrunde geht. Zynisch und trauernd verweigert er sich dem Leben und den Menschen, die ihn brauchen: Seinem pubertierenden Stiefsohn, der durch Schlägereien und Drogenkonsum auffällig wird, seiner Zwillingsschwester, die ungewollt schwanger ist, sowie seinen Eltern. Nur ganz langsam begreift er, dass sich dem Leben und der Liebe wieder öffnen nicht bedeuten muss, seine geliebte Hailey zu vergessen.
Ich habe es jetzt Hälfte durch…
Auf dem Klappentext ist ein Zitat von Jürgen von der Lippe zu lesen: “Ich habe herzzerreißend geweint, ich habe geschrieen vor Lachen, und zwar immer abwechselnd.” Genau so ist es auch mit diesem Buch: Selten habe ich Trauer so treffend in Worte gefasst gelesen. Sie passiert für Doug, stellvertretend für uns alle, so mitten in einem Leben, das sich erdreistet, einfach weiterzugehen. Doug, der sich mit zuviel Alkohol zu betäuben versucht, wird fast verrückt daran, dass die Welt sich einfach weiter dreht – ohne Hailey. Wirklich stark ist auch die Beziehung von Dougs Eltern skizziert. Der Vater, von Krankheit gezeichnet, teils wie ein unzurechnungsfähiges Kind, rennt in der Unterhose durch den Garten, macht seiner Frau zu schaffen. Dann wieder, ein kurzer hellwacher Moment, in dem ihm Tränen in die Augen steigen: “Ich bin noch da” flüstert er, als seine jüngste Tochter nicht von ihm zum Traualtar geführt werden möchte. Traurigkeit anhand der Szenen, die wir mit ansehen als Leser, weil sie so echt sind, dass sie in jeder Familie vielleicht verkommen können. Ebenso echt wie die tiefe Zuneigung, die aus den Worten von Dougs Mutter spricht: “Ich werde mich an ihn kuscheln und so lange wach bleiben wie ich nur kann, weil ich keine Minute davon versäumen möchte. Ich werde mir wünschen, es könnte für immer so bleiben, aber irgendwann werde ich doch einschlafen, während er immer noch erzählt. Wenn ich dann morgens früh aufwache, wird er gerade in die Blumenbeete pinkeln oder wieder halb nackt Ball spielen oder auf dem Wohnzimmerboden einen Turm aus den Kristallgläsern meiner Großmutter bauen oder Gott weiß was anstellen. Und mir wird nichts anderes übrig bleiben, als mich unter meiner Decke zu verstecken und zu weinen und mich zu fragen, wann ich meinen Mann wiedersehen werde – und ob überhaupt.”
Ich bin gespannt wie es weiter geht mit Doug und seiner Trauer – aber ohne Schokolade und vielen Taschentüchern werde ich es besser nicht weiterlesen.