Schubweise

Ich glaube, es geht wieder los. Aus augenscheinlich heiterem Himmel, an dem sich keine Wolken finden lassen, geht es plötzlich wieder los.
Ich schlafe kaum noch. Ich arbeite zuviel und es fällt mir immer schwerer, alles bereitet mir Kopfschmerzen. Lustlos. Weinerlich. Ich komme nach Hause und hocke ratlos auf dem Sofa herum, weiß nicht, ob ich essen, schlafen oder einfach heulen soll. Entscheidungsmüde.
Es ist nichts passiert. Vielleicht ist es genau das. Mein Kopf misstraut der Idylle, dieser Ruhe. Wo Ruhe ist, muss auch der Sturm für danach kommen. Schmetterlinge machen mich ohnehin nervös.
Wer ist schon dauerhaft verliebt und glücklich – ich doch nicht!
Wo bist Du, meine dunkle Schwester? Ach, da sitzt Du, am Fenster und wartest auf den Herbst, weil Du weißt, dann kann ich mich nicht mehr rausreden. Redest schon wieder alles schlecht. Was ich mir geschworen habe, am Anderen einfach zu akzeptieren, weil es mich gar nicht stört und ich einfach nur glücklich sein kann mit diesem Menschn – auf einmal sind die Zweifel da und Fragen: Und was, wenn das Glück nicht bleibt?
Ja was denn? Was!? Dann ist es nicht zu ändern, dann ist es so, aber jetzt doch nicht. Jetzt ist doch alles toll, also lass mich gefälligst in Frieden damit!
Lass mich doch das Glücklichsein einfach mal ausloten, ganz aufnehmen und genießen!
Genießen? DU?
ich höre Dein gehässiges Lachen. Es treibt mir die Tränen in die Augen. Du siehst mich, wie ich jeden Morgen vor dem Spiegel mit mir kämpfe. Du kennst meine Abgründe einfach zu genau. Keine Täuschung möglich.
Ich werde Dich wohl niemals los, auch nicht gemeinsam. Du wirst immer wieder da sein. Warten, bis ich alleine bin und einmal ein nachdenklicher Moment da ist, das Innehalten auf der Liebesachterbahn, ganz oben. Dann fängst Du an zu flüstern. Zweifel, das kannst Du gut. Schmetterlinge haben Angst vor Dir. Bevor sie frieren, verlassen sie lieber meinen Bauch und fliegen nach Süden…

Glücklich sein ist so schwer, wenn man es sich selbst einfach nicht gönnen kann. Aber ich will es so gerne. Ich drehe die Heizung an und hole mir Tee ins Bett, weil keiner da ist zum Wärmen. Heute werden die Schmetterlinge noch nicht frieren!
Noch ist der Winter nicht ganz da.

Heute ist ein guter Tag

…das dachte sich wohl auch der Frühaufsteher, der heute morgen um halb sechs vor meinem Schlafzimmerfenster seinen LKW parkte, den Motoe eine halbe Stunde laufen ließ und in aller Seelenruhe Palette für Palette von der Laderampe auf die Straße fallen ließ. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Nervlich schon wieder völlig am Ende tigerte ich ein wenig in der Wohnung auf und ab. Mein Kopf war zum Glück schon wacher als der Rest und kaute einige Gedanken vom Abend wieder durch, über denen ich eingeschlafen war. Mir kamen ein paar gute Einfälle und wie das so ist mit spontanen kreativen Schüben, müssen diese am Besten gleich festgehalten werden. So habe ich heute morgen in einer halben Stunde ganz gute Ideen für ein wichtiges berufliches Projekt gefunden – zumindest im Halbschlaf kamen sie mir gut vor.
Mal ganz früh im Büro zu sein, hat auch seine Vorteile: Im Bus sieht man nicht die muffigen Gesischter der Studenten, sondern die der Anzug-und-Kostümfraktion, man kann in Ruhe seine persönliche Kaffeetasse aussuchen in der Kaffeeküche, kaum einer stört mit lästigen Zwischenfragen, man kann mal wieder etwas bloggen und sich tolle Listen mit Vorsätzen schreiben. So wie diese hier:
– ab sofort öfter früher aufstehen
– (vielleicht sogar mal wieder morgens joggen)
– ab sofort einmal die Woche nen Safttag machen
– irgendwann mal wieder die 5 vorne auf der Anzeige der Waage sehen

Letzteres gehe ich jetzt an. Ja, ich weiß, hab ich schon oft gesagt. Schokolade und fettiges Essen sind nunmal leider Seelentröster für mich. Wenn die Arbeit nervt, ich müde oder traurig bin oder alles zusammen. Essen ist toll. Auf der anderen Seite macht es keinen Spaß, sich selbst auf Fotos zu sehen und festzustellen, dass man immer mehr in Richtung Renée Zellwegger in Bridget Jones tendiert. Morgens wach werden und sich als erstes fragen, wo denn der Bauch herkommt, macht auch keinen Spaß.
Ich hab alles was ich will, ich bin glücklich, habe meinen Mr. Darcy gefunden und die Arbeit wird von Schokolade kein Stück weniger, stressärmer oder leichter.
Heute findet die erste Wohnungsbesichtigung statt und das ist doch ein guter Tag, um mal nen früher frei zu machen und hoffentlich ein Stück weiter zu kommen mit allem.
Heute ist doch ein guter Tag. Tschakka! 🙂