In Memoriam

Kleiner Oscar, heute bist Du über die Regenbogenbrücke gegangen, wo Du auf Deine Familie warten wirst. Du kannst endlich wieder sehen und hören und ganz sicher ist dort drüben ein herrlicher Strand für Dich, an dem Du toben kannst. Ich werde Dich vermissen. Deine Begrüßungen an der Tür, Dein Wache halten vor dem Bett, wenn wir zusammen auf Euer Haus aufgepasst haben. Deine Verlegenheit, wenn Dich eine Katze erschreckt hat. Deine Sprints, wenn es endlich wieder zurück nach Hause ging. Dein freundliches, freches, unverwechselbares Wesen. Tschüss, kleiner Oscar.

To Oscar, in loving memory...

Trauer

Trauer hört nicht einfach auf. Sie wird nicht weniger, sie verblasst nicht, wird nicht “irgendwann wieder gut”.
Sie verändert sich mit dem Lauf der Zeit, nimmt andere Formen an. Mal empfindest Du sie schwächer, dann wieder, als wäre das, was Dich traurig macht, gerade erst passiert. Vor allem aber verändert Trauer Dich selbst. Wir haben viele verschiedene Gründe für Trauer und gehen alle unterschiedlich damit um. Viele Menschen, mit denen ich über ihre Traurigkeit gesprochen habe, beschreiben aber das gleiche. Trauer ist nicht einfach Schmerz über einen Verlust oder das Klagen darüber. Trauer ist Angst. Vor der Einsamkeit. Vor der Lücke, die jemand hinterlässt. Eine Lücke wieder mit schönem Neuem, mit Sinn zu füllen, das fällt schwer. Trauer ist auch Angst vor dem Vergessen. Aber man vergißt nicht.
Manchmal träume ich, dass ich Zeit mit meiner Mutter verbringe. Wir gehen einkaufen, sitzen zusammen in meiner neuen Wohnung, reden und haben eine Menge Spaß. So war es immer. Wir werden nie wieder reden können. Sie wird nicht auf meiner Hochzeit sein, nie mit mir Kleider für ein Baby aussuchen und ich werde niemals sehen, dass ihre Haare im Alter weiß werden. Aber in meiner Erinnerung ist noch alles da: Ich kann sie riechen, hören, ihre Stimme wiedererkennen, fühlen, wie ihre Hände sich anfühlten. Weil das, was eine Begegnung für Dich ausgemacht hat, unvergänglich ist: Liebe, Wärme und Dankbarkeit. Wenn ich nach so einem Traum wach werde bin ich traurig, als seien seitdem keine 12 Jahre vergangen. Aber in die Trauer mischt sich Dankbarkeit, dass sie in meiner Erinnerung und in meinem Herzen weiterlebt und so ein Teil von mir bleiben wird, bis ich ihr eines Tages folgen kann.

Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit
eines geliebten Menschen ersetzen kann;
und man soll das auch gar nicht versuchen,
man muss es einfach aushalten und durchhalten;
das klingt zunächst sehr hart,
aber es ist doch zugleich ein großer Trost,
denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt,
bleibt man durch sie miteinander verbunden.

(Dietrich Bonhoeffer)