Musik ist auch nur Text

Ich hab‘ es ja nicht so mit Musik, das heißt, ich bin einfach nicht musikalisch und auch kein großer Musikkenner. Musik ist mir manchmal wichtig, als Heilmittel für meine Stimmungen, aber ertrage ich sie aber auch manchmal einfach gar nicht. Ein gutes Lied ist für mich fast immer gleichbedeutend mit „guter Liedtext“. Ich bin eben ein Textmädchen 🙂

Heute habe ich ein Album von Thomas D. durch Zufall entdeckt – denn ich verfolge auch nicht, welche Alben erscheinen oder von wann diese sind. So entdecke ich oft viele Jahre später Songs, die echte Perlen sind. „Kennzeichen D.“ ist wohl 2008 erschienen – und hier finden sich gleich ein paar Austern.
Schon beim ersten Hören angesprochen hat mich „Vergebung – hier ist sie“, das mal wieder zeigt, das Thomas D. es einfach drauf hat, tolle Texte zu schreiben.

Was willst Du von mir? Vergebung? Hier ist sie.
Was machst Du nun? Einfach weiter wie bisher?
Sieh‘ Dich mal um, da ist nicht’s mehr
und Du willst Vergebung? (hier ist sie)

Du bist weit gekommen bis hier her
deine Zeit ist gekommen, nun sieh her
es hat alles begonnen mit nicht mehr
als dem Samenkorn deines Schöpfers

Den Grundstein gelegt, eine Welt zu benennen
gab ich dir Bewusstsein um dich zu erkennen
gab dir Kraft zu erschaffen und ’n Garten Eden
um Erfahrung zu machen und um mich zu erleben

Mich, den du in jedem Winkel finden kannst
ich biet dir Hilfe an, wo und wann du nach ihr verlangst
bin ein Wunder und werd immer mitten unter euch weilen
euer Hoffen erhören und eure Wunden heilen

Sieh diese Narben, sieh diese Tränen
sie diese Arme, die sich nicht wehren
sieh diese Augen die Hoffnung teilen
siehe diese Hände, die offen bleiben

Hör diese Worte in deinen Ohren
für dich gestorben, für dich geboren
für dich gelitten, für dich am Leben
um dich zu bitten dir zu vergeben
Vergebung, hier ist sie

Nun sieh dir selbst zu, wie du handelst
sieh einer Welt zu, die sich verwandelt
vielleicht erkennst vor allen andern
so manchen Engel und Dämonen mit dir wandern

So weit sind Vater und Sohn nicht auseinander
vereint im heiligen Geist
mit allen andern am Anfang der Zeit
doch ein Teil dieser Einheit, die wir hatten
bist du nicht, denn dein Licht wirft Schatten

Zwar seid ihr mehr als ein Schimmer der bleibt
Dunkelheit mal wieder um sich greift
doch solang ihr nach Vergeltung und Gerechtigkeit schreit
vergesst nicht wie zerbrechlich ihr seid

Die Gutes tun bitten mich sie zu verschonen
die nur so tun bitten mich sie zu belohnen
und am Ende steht die Krone der Schöpfung
und öffnet die letzte Tür, und kehrt zurück zu mir

Sieh diese Narben, sieh diese Tränen
sie diese Arme, die sich nicht wehren
sieh diese Augen die Hoffnung teilen
siehe diese Hände, die offen bleiben

Hör diese Worte in deinen Ohren
für dich gestorben, für dich geboren
für dich gelitten, für dich am Leben
um dich zu bitten dir zu vergeben

Sieh diese Narben, sieh diese Tränen
sie diese Arme, die sich nicht wehren
sieh diese Augen die Hoffnung teilen
siehe diese Hände, die offen bleiben
Hör diese Worte in deinen Ohren
für dich gestorben, für dich geboren
für dich gelitten, für dich am Leben
um dich zu bitten dir zu vergeben

Dein Wille geschehe, hör gut zu
denn Erfahrungen färben die Seele
du kriegst was du gibst, doch was du tust
hier gibt dir niemand Befehle

Zwischen Himmel und Erde, wen suchst Du?
Um deine Taten zu vertreten
und dann am Ende des Lebens, wen rufst Du?
Dir zu vergeben und für dich zu beten.

Sieh diese Narben, sieh diese Tränen
sie diese Arme, die sich nicht wehren
sieh diese Augen die Hoffnung teilen
siehe diese Hände, die offen bleiben

Hör diese Worte in deinen Ohren
für dich gestorben, für dich geboren

für dich gelitten, für dich am Leben
um dich zu bitten dir zu vergeben

Disclaimer

Hallo lieber Leser,

bist Du jemand aus meinem Freundeskreis?
Jemand, dem ich den Link selbst gegeben habe, damit Du einen Artikel lesen kannst?
Bist Du jemand aus meiner Familie?
Oder Eine(r) von meinen twitter-Freunden, mit denen ich den Link geteilt habe?
Falls Du all diese Fragen verneinen musst, möchte ich Dir Folgendes sagen:

Dies ist ein privater Blog. Alles, was ich hier schreibe, ist mein Gedankenwust, teils Fiktion, teilweise nicht einmal von mir (wobei ich mich bemühe, dann Quellen anzugeben…) und teilweise auch persönlicher Kram, den ich hier niederschreibe, wie ich es seit Jahren tue, weil das Schreiben für mich eine Therapie ist.

Wenn Dir das, was ich hier so poste, gefällt, bist Du herzlich eingeladen, weiter zu lesen und gerne auch mal einen Kommentar da zu lassen.
Wenn es Dir nicht gefällt, so darfst Du gerne diesen Blog jetzt verlassen, Cache und Cookies löschen und nie wieder kommen 🙂

In jedem Fall möchte ich Dich darum bitten, dass Du meine Privatsphäre achtest und Dich respektvoll gegenüber meiner Fiktion, meinen Fotos, meinen Meinungen verhältst.
Wenn Du ein liegengelassenes Tagebuch findest in der Bahn, dann lässt Du es ja hoffentlich auch dem Eigentümer zukommen und reißt es nicht auseinander und hängst die einzelnen Seiten an einer Litfasssäule auf, oder?

Danke für Dein Verständnis und nun viel Spaß beim Weiterstöbern in meiner Welt.

Herzensbücher

Im Urlaub habe ich mehr Geld für Bücher ausgegeben als für Essen. Viereinhalb habe ich davon gelesen und seitdem bin ich endlich wieder in einer „Lesefieber-Phase“, wie ich sie lange nicht hatte – und es tut mir gut. Die Auswahl meiner Bücher verleitet meine Mitmenschen allerdings zu Aussagen wie „Lies doch mal was fröhliches.“ oder „Kein Wunder, dass Du Dir immer traurige Gedanken machst, Du darfst Dir Deine Bücher nicht so zu Herzen nehmen!“
Wie bitte? Bücher nicht zu Herzen nehmen?! Meine Lieben, genau dazu sind sie doch da!

Wenn ich genau überlege, sind meine Lieblingsbücher tatsächlich immer solche, in denen nicht alles schön und eierkuchenfriedvoll ist. In meinen letzten beiden Büchern ging es um krebskranke Jugendliche („Das Schicksal ist ein mieser Verräter„) und um den Wunsch eines Tetraplegikers nach Sterbehilfe („Ein ganzes halbes Jahr“).
Aber hey, ich habe auch ein richtiges Urlaubsbuch gelesen, so eins mit Blumen und Kitsch und Liebe („Das Orchideenhaus“), welches gar nicht einmal so mies war. Nur eben seicht. Das genügt dann auch wieder für eine Weile und es zieht mich in den Buchladen oder neuerdings in den Kindle-Buchshop, um nach neuer, „schwerer Kost“ zu stöbern (Warum muss ich jetzt bloß an die Milchschnitte-Werbung zweier Boxer denken?).

Irgendwo habe ich mal folgendes Zitat gelesen: „Das Unheil, welches die schlechten Bücher anrichten, kann nur durch die guten wieder ausgeglichen werden“ und genau so sehe ich das. Ein Buch, das jeder schreiben könnte, weil es die Handlung eines ZDF-Sonntagsfilms umfasst, gibt mir nichts, fordert mich nicht, regt mich nicht zum Nachdenken an. Es vertreibt die Zeit und amüsiert vielleicht für eine Weile – eben wie ein Fernsehfilm. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Meine Lesezeit ist begrenzt (so viele Bücher für so ein kurzes Leben!), darum versuche ich, das zu lesen, was mir eben gefällt. In meinem aktuellen Buch, „Die Ordnung der Sterne über Como“ dreht sich viel um vergangene Lieben, um gescheiterte Ehen und ich stelle mir beim Lesen die Frage, ob die Gefühle, die das Buch heraufbeschwört, authentisch sind: Spricht man so miteinander, nach etlichen gemeinsamen Jahren, wenn die Liebe gegangen ist? Fühlt sich so eine Liebe an, die kalt geworden ist? Obwohl einen so viel miteinander verbunden hat?

Ich soll mich da nicht derart reinsteigern, heißt es dann. Dabei ist es genau das, was ich am Lesen liebe: Reinsteigern. Eine Welt erfahren, die nicht die eigene ist. Nicht umsonst waren meine ersten Lesejahre geprägt von Abenteuergeschichten und Science Fiction. Eintauchen in eine andere Welt – vor allem eine andere Gefühlswelt – dies dem Leser zu ermöglichen, ist die größte Leistung eines Buchautors. Ich kann weinen, leiden, mich verlieben, mit offenen Augen durch eine fremde Stadt laufen und mich hinein fühlen in das Leben eines Protagonisten, der nicht ich selbst bin. Ein anderes Leben auf Zeit. Bücher nehmen mich mit auf eine Reise, die ich so nie wagen könnte. Im Geiste durchlebt man Szenen, die vielleicht in meinem Leben keine Relevanz besitzen – oder vielleicht auch nur noch nicht. Warum soll man denn alles ausblenden, was einen Menschen nachdenklich oder traurig stimmen könnte? Ich finde, solche Bücher bereichern. Sie erweitern meinen Erfahrungschatz, mein Wissen um die Welt und die verschiedenen Menschen darin – ohne dass ich die Erfahrungen selbst machen muss. Ein bisschen wie Flugsimulator spielen mit Gefühlen. Es macht mich stärker: Ich bilde mir dann ein, ein besserer Flieger zu sein, wenn ich zurückkehre in meine eigene Welt, hinter einem sich schließenden Buchdeckel.

„Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen, und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat.“ (Helen Hayes)

smile

Smile though your heart is aching
Smile even though it’s breaking.
When there are clouds in the sky
you’ll get by.

If you smile through your pain and sorrow
Smile and maybe tomorrow
You’ll see the sun come shining through
For you.

Light up your face with gladness,
Hide every trace of sadness.
Although a tear may be ever so near
That’s the time you must keep on trying
Smile, what’s the use of crying.
You’ll find that life is still worthwhile-
If you just smile.
(Charles Chaplin, Smile)

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Die Unerträglich(e Leichtig)keit des Seins

Früher war einfach alles leichter. Das ganze Leben war ein Kinderspiel, auch die Freizeit lief nach ganz einfachen Regeln ab: Erst die Hausaufgaben, danach durfte ich tun und lassen, wonach mir der Sinn stand. Oder: Das Wetter ist schön, ab nach draußen mit Euch!
Heute habe ich große Probleme damit, meine Freizeit auszufüllen. „Sinnvoll auszufüllen“, kreischt da auch schon wieder mein Gehirn. Alles, was wir als Erwachsene tun, muss ja immer irgendeinen Sinn erfüllen: Etwas nützliches herstellen, den Körper polieren (oder mit der Spitzhacke beackern) Freundschaften so pflegen, dass niemand zu kurz kommt, gesellschaftlichen Verpflichtungen nachkommen (das Sommerfest in der Kita, die Einladung vom Chef). Von so viel Zweckmäßigkeit schwirrt mir der Kopf, ich will einfach einmal wieder lernen, mit dem Herzen zu fühlen und zu entscheiden „Was möchte ICH denn eigentlich“?
Unter all den Effizienz-Robotern der heutigen Gesellschaft bin ich wohl ein falsch programmierter Prototyp. Meine Fehlfunktion besteht darin, alles zu hinterfragen, den Sinn zu suchen und daran zu verzweifeln, dass ich ihn nirgends entdecken kann, obwohl er irgendwo da in einem meiner Roboter-Mikrochips versteckt sein muss. Ich sehe den Sinn nicht mehr in meinem Beruf, obwohl ich gerne arbeite. Doch wenn ich schon den ganzen Tag in einem Büro sitze, sollte das Ganze dann nicht auch etwas bewirken? Ich sehe keinen Sinn mehr darin, gesellschaftlichen Verpflichtungen nach zu kommen, es strengt mich nur noch an, unter fremden Menschen zu sein und Smalltalk zu betreiben. Wozu auch? Warum muss ich gute Miene machen gegenüber Menschen, die mir nichts bedeuten und denen ich ebenso vollkommen egal bin? Wie kann das zu den Dingen gehören, die von einem erwartet werden und die Mensch sein definieren. Ich sträube mich so sehr mit Händen und Füßen dagegen, dass meine Zeit verplant wird mit inhaltsleeren Aktivitäten – und was ist, wenn ich dann einmal Zeit habe, so nur für mich?
Ich bin im Moment zuhause. Mein Arzt hat mich krank geschrieben, wegen „Erschöpfungszustand“, weil ich in seiner Praxis gar nicht mehr aufhören konnte zu heulen. Nun gibt es schicke Schilddrüsentests, fröhlich-gelbe Johanniskrauttabletten, die erst in 3-4 Wochen wirken (Yay, pünktlich zum 11.11. damit ist die Stimmung ja gerettet) und dazu die zwei-Wochen-Hausaufgabe, in mich zu gehen und meinen Lebensentwurf zu überdenken. Der onkelhafte Doktor hatte nach dem Blick auf mein Geburtsdatum auch noch den gut gemeinten Tipp, wenn’s grad im Job mau liefe, könne ich ja auch einfach ein Baby bekommen, das würden viele in meinem Alter machen. Meine Fruchtbarkeitsuhr tickt also ganz schön laut. Nein, der Mangel an Nachwuchs ist ganz sicher nicht das, was mich so beschäftigt und überfordert. Mit dem fehlenden Lebensentwurf hat er schon eher den Nagel auf den Kopf getroffen.
Ich habe es doch wirklich schön, habe Abi machen und studieren können, bin in meine Traumstadt gezogen, in meiner Familie geht es allen gesundheitlich gut, meine Freunde sind toll und das beste von allem ist mein Verlobter, mit dem ich die schönste Zeit meines Lebens haben darf.
Allerdings, schon beim Gedanken daran, dass ich mir über meine Zukunft Gedanken machen muss, verdrehen sich die Augen und mein Magen fährt mit mir eine Runde Breakdancer. Es ist zu viel. Zu viele Entscheidungen auf einmal: Was für ein Job? Etwas Neues („Au ja, was mit Tieren!“, schreit da mein kindliches Herz), etwas Altes („Du bist gut in Deinem jetzigen Job – mach das irgendwo, aber für eine bessere Firma“, sagt die Karrierefrau in mir) oder zurück zu den Anfängen („Das einzige, was Du ganz okay kannst, ist Schreiben“, sagt der Verstand). Hinzu kommt das große WO? Bin ich schon bereit, Hamburg zu verlassen oder möchte ich noch etwas bleiben? Für mich steht fest, wäre meine Familie nicht, die mich vielleicht eines Tages um sich braucht, würde ich in Hamburg bleiben. Aber so wäre es vielleicht doch sinnvoll, wieder zurück zu gehen. Mein Haus, mein Auto, mein Boot auf dem Baggersee. Ein neuer Job, das bedeutet auch neue Kollegen und Vorgesetzte, wieder ein neues soziales Umfeld und wie ja alle wissen, ist das nicht gerade meine große Stärke. Alleine der Gedanke, an einem Monatsersten in ein völlig fremdes Büro zu gehen und mich allen vorstellen zu müssen…der blanke Horror!
Ich sitze also zuhause rum und schiebe all das von mir. Versuche, in kleineren Schritten zu denken und wieder zu mir zu finden: „Was möchte ich? Was ist denn gerade mein Bedürfnis?“- und die anderen Stimmen in meinem Kopf halten jetzt bitte für einen Moment die Klappe! Funktioniert eher suboptimal. Gestern ging es. Da unglückliche Frauen sich ja bekanntlich die Haare abschneiden oder die Wohnung neu dekorieren, habe ich es mit Letzterem versucht und es hat mir sogar Spaß gemacht, in ein Geschäft zu gehen, ein paar neue Kerzen hinzustellen, Fotoabzüge für einen Bilderrahmen zu ordern und den Badezimmerschrank neu zu sortieren.
Heute hingegen kann ich machen was ich will, der Schweinehund (so nenne ich meine dunkle Schwester jetzt, denn das passt ziemlich gut zu ihrer fiesen Art!) gewinnt immer: „Hey, lass uns doch mal wie so eine französische Dame frühstücken gehen und dabei die Zeitung lesen.“ – „Was alleine? Auf keinen Fall. Leute werden dich angucken und beim Essen beobachten und Du wirst Dich unwohl fühlen.“ „Hm, das Schwimmbad ist morgens und bei Regen bestimmt schön leer.“ „Schwimmen? So dick wie Du bist? Außerdem haben wir schon geduscht heute.“ „Vielleicht auf dem Sofa liegen und ein neues Buch…“ „…LAAAANGWEILIG!“

Das einzige, worauf Schweinehund und ich uns derzeit verständigen können, sind Spaziergänge („Hallooooo, es regnet vielleicht die ganze Zeit?“), klassische Musik hören („So lange es nicht den ganzen Tag so geht“) und Yoga-Übungen („Du meinst, auf’m Teppich rumliegen und atmen? Au ja!“). Dann eben das. Leider kann man davon weder Geld verdienen, noch kann man damit als Erwachsener Anfang dreißig sein Leben füllen („Zweck? Zweck?“). Ich fühle mich so müde, als wäre ich eine steinalte Oma, die schon alles erlebt hat. Dabei bin ich jung und möchte Spaß haben am Leben, so lange ich eben nicht alt bin. Ich möchte Pläne machen und wert schätzen können, was ich alles habe. Ich möchte genießen, dass ich meine Lieben um mich habe, mit ihnen eine schöne Zeit haben und neue Erinnerungen schaffen. Vielleicht heilt die Zeit ein wenig, vielleicht kommt mir mit der Ruhe die Eingebung, welches meine nächsten, ganz langsamen Schritte in die Lebensfreude sein könnten. Vielleicht sollte ich therapeutisches Kastanienmännchen-Basteln versuchen. Handarbeit soll ja helfen, die innere Mitte zu finden. Ansonsten….kann ich mir immer noch die Haare abschneiden.

Graceless heart

Wer kennt das Gefühl nicht, wenn man entgegen seines Verstandes handelt und sich selbst nicht mehr wieder erkennt? Vielmehr sollte die Frage lauten: „Wer kennt es?“, denn ich werde den Eindruck nicht los, dass es ein primär feminines Phänomen ist. Oft habe ich das schon selbst erlebt, aber auch bei Freundinnen und das Prinzip ist immer gleich: Wir lassen zu, dass uns jemand weh tut, warten lässt, belügt oder einfach auch nur im Unklaren lässt – weil wir diese Person sehr gerne haben. Man handelt nach dem Herzen und ist nicht in der Lage, den Verstand und schon gar nicht den vielleicht gesunden Selbsterhaltungstrieb bestimmen zu lassen. Warum eigentlich nicht?

Vielleicht weil die Zuneigung zu einer Person stärker sein kann als die Zuneigung zu sich selbst. Das amüsante ist ja, dass die betroffene (ich verallgemeinere jetzt mal:) Frau genau weiß, was gerade mit ihr passiert: DASS sie besseres verdient, dass sie die Situation nicht ändern kann, dass sie so nicht weiter machen sollte. Oft hört man dann den Satz: „Wenn eine Freundin in der gleichen Lage wäre, würde ich ihr raten…“ Doch den eigenen besten Rat anzunehmen bedeutet, das eigene Gefühlszentrum zu überlisten und funktioniert einfach nicht. Selbstaufgabe und hilflos dabei zusehen ist die Folge. Es gibt keinen Knopf, der Gefühle abstellen kann. Es gibt nur wenige Wege „da raus“: Entweder bringt die andere Person das Fass zum Überlaufen – in dem Fall kann man wütend sein statt nur traurig. Es tut weh, aber es macht den Schmerz eines Schlussstriches oft erträglicher. Oder man macht selbst einen Deckel auf das Fass.

Beides ist ein langer Weg. Emotionaler Abhängigkeit ist keineswegs einfacher zu entkommen als körperlicher. Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels, so blöd das klingt. Es ist eine lange Durststrecke, doch wir wissen alle, dass Gefühle verblassen. Erinnert euch an den ersten Liebeskummer – könnt ihr heute darüber nicht irgendwie lachen? Scheiß auf das blöde alte Fass – woanders wartet ein Brunnen.

And I am done with my graceless heart
So tonight I’m gonna cut it out and then restart
‚Cause I like to keep my issues drawn
It’s always darkest before the dawn.

(Shake it out, Florence & The Machine)