Urlaubsfeeling

Das schönste im ganzen Jahr, das sind die Ferien…
„Können wir nicht einfach hier bleiben?“ „Ach, wenn doch immer Urlaub wäre!“
Was genau macht den Unterschied?
Was ist es, das mich nach einem Tag Nordsee so durchatmen lässt, so frei macht, so fröhlich und offen für neue Ideen? Selbst meinem angehenden Göttergatten sind hier die depressiven Verstimmungen weg geschmolzen wie das Eis, das wir in der Sonne essen. Er döst am Strand, ist zuvorkommend und redselig wie selten. Die Distanz zum Alltag schärft den Blick für das Wichtige. Schön, wenn das immer so bliebe. Doch ist das nicht eine Illusion? Was genau ist denn so anders am Urlaub?
Klar, man ist woanders. Irgendwo, wo es schön ist, in unserem Fall in St. Peter-Ording: 70er Jahre-Kurbadcharme mit einem abgeranzten Minigolfplatz und einem künstlich bepflanzkübelten Ortskern, in dem sich Boutiquen, Apartmentbauten und Strand-Tand-Buden reihen. Egal. Auch egal ist es uns, dass es zu Pfingsten eng wird am kilometerlangen Sandstrand. Das Geräusche-Potpourri von Kindern, die Sandburgen verteidigen oder Eis fordern. Das Ping-Pong der hölzernen Beachballschläger, das Surren der Lenkdrachen im Wind. Es ist perfekt. Es gehört genau so dazu wie der Sand zwischen den Zähnen. Es ist ein Herzensort, den mir nicht einmal meine Mitmenschen verderben können.
St. Peter ist entspannt. Hier latscht man mit Sturmfrisur und schmutzigen Schlappen ins teure Fischlokal. Hier duldet man die Surfer, die mit den Wohnmobilen direkt am Strand illegal campen und beneidet sie um den Grillplatz mit der allerbesten Sicht auf den Sonnenuntergang. Das Leben hier ist entschleunigt, einfach, gut. Jeder Radfahrer grüßt mit einem freundlichen „Moin“. Unsere ständigen Wegbegleiter, die Handys, liegen beleidigt im Safe der Pension. Brauchen wir nicht zum Glücklichsein: Wir liegen mit Salz und Sand paniert im Sand und brauchen nichts.
Was sonst ist es, das den Unterschied zum sonstigen Leben ausmacht? Nicht arbeiten müssen? Ich hätte kein Problem, hier ein paar Stunden am Tag zu arbeiten. Ausschlafen? Wir stehen hier früher auf als sonst, weil wir den Tag ganz auskosten wollen. Wir genießen mehr: Essen, worauf wir Lust haben, vertrödeln stundenlang Zeit damit, eine Möwe zu beobachten und Sonnenuntergänge. Radeln durch den Ort, rufen „Moin“ und kennen weder ein festes Ziel noch einen Terminkalender. Wir denken viel darüber nach, wie sich das Wohlgefühl mitnehmen lässt. Weniger arbeiten, mehr vom Leben haben. Doch ahnen wir bereits, dass das gute Gefühl sich verflüchtigen wird, zusammen mit der dritten Haarwäsche, die dir den letzten Rest Sand aus den Ohren schwemmt. Können wir nicht einfach hier leben? Thomas vom Fahrradladen ist doch auch so ein Aussteiger. Oder im Buchladen jobben. Wir erleben doch, wie wenig einem zum Glück genügen kann.
Das schönste im Leben ist die Freiheit…


(Lyrics: Roy Black & Anita – „Schön ist es auf der Welt zu sein„)

Komm lass uns planen

Komm, lass uns leben planen. Einen Plan machen für unsere Zukunft. Lass uns sparen für den nächsten Urlaub, das ist noch leicht. Langfristig planen wo es hingehen soll mit uns – beruflich und auch sonst – das ist schon schwerer. Wir liegen im Sand und lesen in der ZEIT von Familien, die irgendwo hin gegangen sind. In die Emilia Romana, einen Bauernhof übernehmen. Bio-Gemüse anbauen. Vielleicht nach Italien, vielleicht einen Fahrradladen hier am Meer, vielleicht Olivenbauer werden? Dumm ist nur, dass wir studierte Stadtkinder sind. Konditioniert darauf, nur ein „weiter nach oben und mehr haben“ zu akzeptieren. Wir sind keine Landbauern und haben kein Handwerk in petto, mit dem man sich überall auf der Welt durchschlagen könnte. Schon komisch, wie man sich doch immer das Gras wünscht, dass beim anderen wächst.
Finde deinen Traum und verwirkliche ihn lautet das simpelste aller Rezepte, das ich in so vielen Ratgebern und Interviews gelesen habe. Seinen Lebenstraum finden – und dann Stück für Stück wahr machen. Nur so ließe sich Lebensglück (emp)finden. Bestimmt macht es schon glücklich genug, darauf hin zu arbeiten. Doch warum gelingt das anderen, nicht aber mir? Warum schaffen viel – pardon – dümmere Menschen, unkreative, solche mit echten Hindernissen sich ein Ziel und ich rätsel Tag für Tag herum? Angst hätte ich nicht. Ich bin ja wissensdurstig. Ich kenne meine geheimen Kräfte. Habe Rückhalt.
Was mir fehlt, ist der Traum dazu.
Wie kann man hinarbeiten auf eine Leerstelle, auf dass der Lebenstraum sich noch finde? Kein Ziel vor Augen, kein Sinn im Leben. Ist das so? Oder ist vielmehr der Weg das Ziel und ist das Ziel irgendwann vor Augen zu haben dann das Lebensglück?

Unendlich

Alles Gute zum Geburtstag, Mom. Heute wäre dein 58. gewesen. Ich genieße es hier zu sein, am Meer, wo wir unsere letzten schönen gemeinsamen Tage verbrachten. Denke daran, welches Fischbrötchen du ausgesucht hättest (Matjes) und welches Eis (Magnum Mandel). Ich rieche den Duft der Heckenrosen und lache über deine Scherze, die mir der Wind flüstert.
Ich vermisse dich. Unendlich. Jeden Tag ein bisschen mehr.

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