no longer fearless

No, I am not missing you.

What I miss is falling peacefully asleep
wrapped up in a warm embrace.
I miss waking up in a familiar room
hearing you breathe and feel relieved.
What I miss is somewhere to come home to
and the reason I’d do it all for.

I miss being fearless
the nothing-will-tear-us-apart
knowing whatever future beholds
I held a piece of your heart.

Thanks to you I need meds for sleeping
while you hold on to someone else.
Each night I wake from most horrible dreams
in a place that doesn’t resemble a home.
You became the enemy by choice
cruelly pushing me away.

I am no longer fearless
since you took away all my beliefs
I fear the dark one you’ve become
who replaced me without a blink of his eye.

Tell me again, why should I miss you?
Tell me again, which side of you are you on?
Tell me again, who are you betraying?
Was it me
is it her
won’t it be yourself
in the end?

Momentum

Bei den wenigsten Menschen verläuft das Leben in geraden Linien. Es ist vielmehr ein Weg durch hügelige Landschaft, von Kratern, Umwegen, Sackgassen und Gewässern durchzogen. Manche vergleichen es mit einer Achterbahnfahrt bei der sicher ist: Nachdem es hoch hinaus geht, folgt der Fall. Oder anders: Nach der Talfahrt geht’s bergauf.
Wir alle erleben schlimme Dinge früher oder später im Leben, die uns prägen, von denen wir uns erholen müssen, lernen, uns wappnen, aufstehen und weitermachen. Auch wenn jeder von uns bestimmt diese eine Person kennt, der vermeintlich immer die Sonne aus dem Hintern zu scheinen, die positiven Dinge mühelos zuzufliegen und das Schicksal immer in die Karten zu spielen scheint – solchen Neid muss man bei Seite legen. Es ist Unsinn. Der Teufel sch**** nicht immer auf den gleichen Haufen. Er trifft jeden von uns. Genau da, wo es individuell am schlimmsten ist. Weil auch das zum Leben gehört. Manche Menschen haben eine schlimme Kindheit erlebt, einen geliebten Menschen verloren, sind krank geworden, ohne Arbeit, ungewollt kinderlos oder haben ganz andere Narben davon getragen. Was uns vereint, ist die Physik des Lebensweges: Um den Schwung für die Bergetappe zu bekommen und um weiter zu leben, müssen wir uns diesen Situationen stellen. Sie verarbeiten. Wir müssen uns adaptieren und wieder zurück ins Leben finden denn: Wir haben nur das eine. Aufgeben ist keine Option, weil es das Ende des Seins bedeutet.
Um sich von einer Disruption im Leben zu erholen, entwickelt jeder eigene Mechanismen. Manche wickeln ihre Seele in einen Kokon und schnüren sie fest ein. Selbstschutz. Verdrängung. Manchmal klappt es, manchmal geht es nach hinten los. Andere – dazu gehöre ich auch – tendieren dazu, gründlich und lange zu verarbeiten, zu reflektieren und zu versuchen, Leitsätze für die Zukunft abzuleiten. Bücher wie „Krankheit als Weg“ oder „Vom Manager zum Mönch“ sind solche Beispiele von Menschen, denen durch Krankheit das Licht aufgegangen ist in ihrem Seelen-Kartenhaus. Aus zerrütteten menschlichen Beziehungen lernt man: Warum hat die Partnerschaft/Freundschaft geendet? Was habe ich gesucht darin, was sich nicht erfüllt hat? Was suche ich generell bei anderen Menschen, das mir selbst fehlt? Benutze ich Menschen am Ende nur, um mich geliebt/behütet/versorgt/unterhalten zu fühlen? Welche Eigenschaften braucht ein Partner in meinem Leben dann, wenn ich lernen kann, glücklich, in mir ruhend und „genug“ zu sein? Das Licht am Ende einer menschlichen Beziehung heißt Selbsterkenntnis, gefolgt von mehr Selbst-Liebe. Ohne sie kommt der nächste Looping garantiert sofort, nur mit einem anderen Partner.
Schwierig sind Traumata und Trauerprozesse. Auch hier fehlt das Licht, das aus der Dunkelheit führt. Selbstliebe ist ein Schlüssel, der sich gut in den Wirren unseres Lebens verbirgt. Akzeptanz, dass Menschen nicht für immer bei uns bleiben, ein weiterer. Dennoch dauert es sehr lange, los zu lassen.
Den Weg aus einer Krise zu finden gelingt nicht beim ersten Anlauf. Es passiert schnell und ohne dein Verschulden und schon purzelst du wieder zurück. Ein Jahrestag. Ein Geburtstag, den man nicht mehr miteinander feiern kann. Eine Neuigkeit, die bestätigt was du längst wusstest und trotzdem ein erneuter Schlag in die Magengrube ist. Ein Lied, das auf einer Beerdigung gespielt wurde. Die Gefühle, mit denen du die letzten Monate verbracht hast, prallen erneut auf dich ein: Vermissen, Schmerz, Enttäuschung.
Aber: Sie sind weniger heftig als vorher. Wie bei einem Ball, der nach dem zweiten, dritten, vierten Aufprall nicht mehr ganz so hoch springt. Irgendwann wird das Ziel erreicht sein und dann kannst du zurückblicken und erkennen: Du bist jetzt um eine Erfahrung reicher. Stärker. Du kannst alles bewältigen. Du weißt, wer wahre Freunde sind.
Die Tränen versiegen schneller von Mal zu Mal.
Ich verspreche es mir.

Es wäre heut‘ nicht wie es ist,
wär‘ es damals nicht gewesen wie es war
Der Sinn des Lebens ist leben.

(Caspar, „Das Grizzly Lied“)

Liebe Angst

Liebe Panik vorm Alleinsein,
Du gehst mir auf die Nerven.
Immer schleichst Du Dich an, wenn ich es nicht erwarte. Lauerst hinter der Wohnungstür, wenn ich nach einem langen Tag nach Hause komme und mich auf etwas Ruhe freue. Dann setzt Du alles daran, mir den Abend zu verderben und in mir Panik zu schüren, damit ich schlecht einschlafen kann.
Wie heute. Ich hatte ein fantastisches Wochenende. Ich habe neue Dinge gelernt, „Ja“ gesagt zu Einladungen, die ich sonst ausgeschlagen hätte und das Schönste: Ich habe zum ersten Mal in vielen Wochen – ja vielleicht seit Monaten – wieder von Herzen gelacht. Dank meiner wunderbaren Freunde.
Und nun stehst Du wieder vor mir und willst Aufmerksamkeit. Am Sonntagabend. Erzählst mir, wie viel schöner es wäre, jetzt Jemanden zum ankuscheln zu haben. Zwingst mich dazu, zurückzuschauen auf das was ich verloren habe und wieder Traurigkeit zu fühlen: Da war mal Jemand. Da war mal eine Liebe. Da gab es mal eine Hochzeit am Strand, Träume vom großen Glück…

Liebe Angst,
ich höre Dir nicht mehr zu!
Wenn ich eines in den letzten Wochen gelernt habe dann ist es, Stille auszuhalten und die Einsamkeit Tag für Tag aufs Neue zu akzeptieren. Ich habe mir genügend Raum und Zeit gelassen, alle Emotionen durchzuleben: Ich war fassungslos, verzweifelt, lebensmüde, traurig, enttäuscht und schließlich wütend.
Und jetzt? Jetzt kehrt langsam Ruhe in mir ein. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern, wie sehr ich auch damit hadere. Wenn ich versuchte, weiter gegen den Strom zu schwimmen, würden meine Kräfte schwinden. Vergeudet. So sinnlos wie der Versuch, begreifen zu wollen was passiert ist. Wenn ich grüble und leide und über „Aber er hat mich doch mal geliebt“ sinniere – das Vergangene mache ich nicht ungeschehen. Also lasse ich los und akzeptiere. Jemand hat vor kurzem behauptet, wenn dieser Jemand aus meinem früheren Leben mit den Fingern schnipste, würde ich sofort wieder angelaufen kommen. Früher hätte mich das sehr beschäftigt, dass jemand so von mir denkt.
Jetzt atme ich durch, akzeptiere es, lächle nachsichtig. Der Mensch, den er gekannt hat, wäre vielleicht zurück gegangen.
Ich bin aber nicht mehr diese Person.
Heute zählt. Die, ich heute bin, hat keinen Platz mehr für Dich.

Liebe Einsamkeit,
ich weiß Du tust mir nichts.
Du bist immer schon da gewesen. So wie Du mich begleitest mein ganzes Leben lang, bist Du auch im Leben aller anderen Menschen präsent. Du verschaffst uns Pausen. Zum Wachsen. Zum ruhig werden. Zum Aushalten. Mit sich selbst ins Reine zu kommen. Wir alle brauchen Dich, damit wir verstehen: Jeder Mensch lebt sein eigenes Leben und jeder andere Mensch ist nur eine ganz bestimmte Zeit lang ein Wegbegleiter – mal kürzer, manchmal auch für länger.
Du schenkst die Erkenntnis, dass die Zeit mit unseren Wegbegleitern begrenzt und daher wertvoll ist.
Ich bin gerne für eine Weile bei Dir. Die Zeit mit Dir ist wie in einem hohen Turm. Man ist alleine und ohne Ablenkungen. Vom Turm aus sieht man deutlicher wo der Weg langgeht und welche Menschen dort bereit stehen, ein Stück mit zu gehen.

All jene Menschen sind auf ihre Art wundervoll, jeder hat seine Begabungen und Bestimmungen im Leben. Viele von ihnen haben wie ich keinen Partner an ihrer Seite und gerade diese Personen haben mir in der letzten Zeit sehr geholfen – weil sie glücklich sind und ihre Zeit mit mir teilen. Ich sehe, ich werde eine gute Zeit haben, kann lachen und zufrieden sein und ein erfülltes Leben haben. Es liegt alleine in meiner Hand.

Selbst wenn ich alleine bliebe…
…hätte ich umso mehr Zeit, all die Bücher auf meiner Liste zu lesen. All die Dinge zu lernen, die mich schon immer interessiert haben. Wenn ich eines Tages nicht mehr werde lesen können, weil meine schlechten Augen ganz kaputt gehen…dann werde ich mit dem Computer lesen und mit einem Blindenhund arbeiten lernen.
Wenn ich alleine bleibe habe ich meine Freunde. Was, wenn ich niemals Kinder habe? Freunde haben Kinder. Ich kann Tante sein, mit ihnen tolle Sachen unternehmen, Freude haben und super Tage verbringen – und am Abend die Füße hochlegen und eine Flasche Rotwein öffnen. Ich habe keinen Grund, Angst zu haben. Ich bin nicht alleine. Ich habe meine kleine Familie, die mir in diesen Tagen zeigt, dass Blut und Freundschaften dicker sind als Wasser. Trotz aller Differenzen stehen wir zusammen, wenn einer von uns es braucht.

Liebe Panik, Angst und Einsamkeit: Ich weiß, Ihr werdet mich immer wieder besuchen und eine Weile ist es für mich in Ordnung. Ihr habt mir wichtige Dinge mitzuteilen, die mich davon abhalten werden, Dummheiten zu wiederholen. Aber dann ist es auch gut. Ich brauche Euch nicht.
Ich lebe im Jetzt. Mit beiden Beinen. Meinem Lachen. Meinem Mut. Und dem festen Willen diese eine, meine Reise, zu genießen.

I’ve heard it said
that people come into our lives
for a reason
bringing something we must learn
and we are led
to those who help us most to grow
if we let them
and we help them in return
Well, I don’t know if I believe that’s true
but I know I’m who I am today
because I knew you

Like a comet pulled from orbit
as it passes a sun
like a stream that meets a boulder
halfway through the wood

Who can say if I’ve been changed for the better?
But because I knew you
I have been changed for good

(from „Wicked“)

Buchtipp: Reasons to stay alive (by Matt Haig)

„A drop of ink falls into a clear glass of water and clouds the whole thing.“

Auf meiner infiniten Leseliste für 2016 hat sich ein Titel nach vorne geschmuggelt. So ist das mit Büchern von Lieblingsautoren. Vor allem wenn das Buch ein Thema behandelt, das einem besonders nahe geht. Matt Haig schreibt Sätze, die ich mir an die Wand hängen und gerne jedem eintätowieren möchte, der schon einmal zu einem psychisch Kranken etwas gesagt hat wie „Das hab ich auch manchmal, das geht vorbei.“, „Lach doch ma.“ oder „Immerhin ist keiner gestorben.“

„If you have ever believed a depressive wants to be happy, you are wrong. They could not care less about the luxury of happiness. They just want to feel an absence of pain.“

Jedem, der in seinem Leben an Depressionen gelitten hat oder leidet sowie Allen, die einen Angehörigen besser verstehen möchten, empfehle ich dieses Buch wärmstens:
Matt Haig: „Reasons to stay alive“.

Things depression says to you
HEY, SAD-SACK!
Yes, you!
What are you doing?
Why are you trying to get out of bed?
Why are you trying to apply for a job?
Who do you think you are? Mark Zuckerberg?
Stay in bed.
You are going to go mad. Like Van Gogh. You might cut off your ear.
Why are you crying?
Because you need to put the washing on?
Hey. Remember your dog, Murdoch?
He’s dead. Like your grandparents.
Everyone you have ever met will be dead this time next century.
Yep.
Everyone you know is just a collection of slowly deteriorating cells.
Look at the people walking outside.
Look at them. There. Outside the window.
Why can’t you be like them?
There’s a cushion.
Let’s just stay here and look at it and contemplate the infinite sadness of cushions.

PS. I’ve just seen tomorrow.
It’s even worse.

Narcissus

Was Du nicht kennst, erkennst Du nicht.

Dear momma’s boy,
I know you’ve had your butt licked by your mother
I know you’ve enjoyed all that attention from her
And every woman graced with your presence after
Dear narcissus boy,
I know you’ve never really apologized for anything
I know you’ve never really taken responsibility
I know you’ve never really listened to a woman

Dear me-show boy,
I know you’re not really into conflict resolution
Or seeing both sides of every equation
Or having an uninterrupted conversation

And any talk of healthiness
And any talk of connectedness
And any talk of resolving this
Leaves you running for the door

Why, why do I try to love you
Try to love you when you really don’t want me to

Dear egotist boy,
You’ve never really had to suffer any consequence
You’ve never stayed with anyone longer than ten minutes
You’d never understand anyone showing resistance
Dear popular boy,
I know you’re used to getting everything so easily
A stranger to the concept of reciprocity
People honor boys like you in this society

And any talk of selflessness
And any talk of working at this
And any talk of being of service
Leaves you running for the door

Why, why do I try to help you
Try to help you when you really don’t want me to

You go back to the women who will dance the dance
You go back to your friends who will lick your ass
You go back to ignoring all the rest of us
You go back to the center of your universe

Dear self centered boy,
I don’t know why I still feel affected by you
I’ve never lasted very long with someone like you
I never did although I have to admit I wanted to
Dear magnetic boy,
You’ve never been with anyone who doesn’t take your shit
You’ve never been with anyone who’s dared to call you on it
I wonder how you’d be if someone were to call you on it

And any talk of willingness
And any talk of both feet in
And any talk of commitment
Leaves you running for the door

Why, why do I try to change you
Try to change you when you really don’t want me to

You go back to the women who will dance the dance
You go back to your friends who will lick your ass
You go back to being so oblivious
You go back to the center of the universe

(A.Morissette, „Narcissus“)

broken vows

you swore
to have and to hold me from this day forward
until you let me fall
for better for worse
until you did the worst
for richer for poorer
until I had to find me a new home
in sickness and in health
until you made me suffer
to love and to cherish
until you cherished me no longer
till death us do part
until you parted with me

Transitzone

Da bin ich jetzt also. „Angekommen“.
In meiner persönlichen Transitzone, in meiner Zwischenwohnung für die nächsten Wochen und Monate. Da, wo ich niemals hingewollt und nie gedacht habe, dass es mich hier hin treibt. Eine weitere Wohnung, immer noch in Hamburg, meine vierte Station hier.
Alleine.

So alleine wie noch nie in meinem Leben. Fast so schlimm wie damals als Mama uns verlassen hat. Aber da war ein Zuhause, mein Kater, die Familie, die sich gegenseitig getröstet hat. Es fühlt sich nicht schön an. Die Wohnung ist in Ordnung und ich versuche alles, sie einfach als meine Zufluchtsstätte in der Not zu betrachten – nichts anderes ist es. Eine Übergangswohnung, bis ich einen echten Neuanfang starten kann. Dieser Ort hat mir nichts getan. Er birgt keine guten oder schlechten Erinnerungen. Ein paar Kerzen, Bettwäsche von zuhause, Mamas Kissen und es wird schon gehen. Dennoch: Ich fühle mich fremd an. Fremd in meinem eigenen Leben.

Ein neuer Lebensabschnitt – das ist doch toll!, sagen meine Freunde. Okay, vielleicht ist er unfreiwillig, aber es ist auch immer etwas Gutes, eine Chance für einen Neustart! Zeit, sich um mich zu kümmern…
Alles Leben auf der Erde erfindet sich neu, tote Bäume treiben frisches Grün und wo gestern noch nichts als Ödnis war, blüht morgen schon wieder die Vielfalt. Alle sagen, dass es bald besser gehen wird. Ganz bestimmt. Es wird besser. Du wirst wieder glücklich sein. Versprochen.

Mein Verstand sagt „na klar“ – man sieht es oft genug bei anderen und ich kenne es von früher. Eines Tages ist aller Herzschmerz vergessen. Irgendwann ertappst du dich dabei, dass du wochenlang nicht mehr an „ihn“ gedacht hast. Dass die Verzweiflung gegangen ist und eines Tages auch der größte Teil der Traurigkeit. Vielleicht findest du sogar eine neue Liebe, schöner, größer, wundervoller als zuvor. Aber diesmal ist etwas anders.
ICH bin anders.

Es fehlt ein Puzzleteil, ein wichtiger Bestandteil von mir. Es geht nicht einmal nur um ihn, wobei ich natürlich das Idealbild, das ich von ihm habe, unfassbar vermisse. Ich habe inzwischen eingesehen, dass er fort ist und es kein Zurück gibt. Vielleicht möchte ich auch gar nicht zurück. Gestern bin ich mit der Bahn durch Hamburg gefahren, durch Eppendorf. Am liebsten wäre ich ausgestiegen, meine Straße langgegangen, in der alles so vertraut ist. Meine Wohnungstür aufschließen und da ist es: mein altes Leben, das Zuhause, der Mensch, auf den ich mich an jedem einzelnen Tag unserer gemeinsamen Zeit gefreut habe. Aber den wundervollen Menschen, den ich liebe, gibt es dort nicht mehr. An seiner Stelle sitzt jemand anderes auf unserem Sofa, isst von unseren Tellern und lebt zwischen den vier Wänden, die wir uns gemeinsam ausgesucht hatten. Damals, überglücklich, uns gefunden zu haben. Zu dem Jemand, der heute dort wohnt, der mir solches Leid zugefügt hat, möchte keinen Kontakt aufnehmen. Am liebsten nie wieder sehen oder von ihm hören – weil ich genau weiß: Der Lauf der Dinge ist, dass er mir noch einmal sehr weh tun wird. Wenn er weitergemacht hat. Oder genau wie vorher lebt. Wenn ich erfahre, dass er eine neue Partnerin hat. Er sehr glücklich ist. Oder sehr unglücklich. Es wird immer wieder weh tun. Weil er die eine Liebe war, mit der ich eine Zukunft geplant hatte. Der Lebensweg, den ich für mich gewählt habe und auf dem ich ein Stück mit ihm zusammen gelaufen bin. In eine Zukunft, die jetzt nur noch als gedankliches Konzept besteht. Futur Irrealis.

Doch er ist nicht alleine das, was fehlt. Ich fehle.
Wie geht neu anfangen? Ich bin immer autark gewesen, auch während unserer Beziehung. Weil manche Dinge gemeinsam nicht möglich waren, er keine Lust dazu hatte oder die Wochenenden verkatert im Bett lag – habe ich angefangen, Dinge alleine zu tun. Bin stundenlang spazieren gewesen, auf Fotostreifzügen, in Cafés gesessen, mit Freundin und Kind getroffen, meine Bücher gelesen. Ich war nie wirklich abhängig von ihm und ich komme zurecht alleine. Aber es macht nicht glücklich. Es macht nicht glücklich, sich alleine Abendessen zu machen. Niemanden dazu haben, der die Lasten mit einem teilt, die Sorgen, der einem manchmal Entscheidungen abnimmt oder erleichtert, die man nicht zu treffen in der Lage ist. Den Tag voll mit Aktivität zu packen oder totzuschlagen in dem Wissen, dass noch sehr viele Tage im Leben vor einem liegen. Wo ist er, der Sinn? Woher nehmen Menschen die Freude an dieser Sisyphos-Existenz?

Ich habe ein paar wirklich zauberhafte Freunde. Die mich anrufen, mir schreiben, mich aufmuntern, harte Wahrheiten aussprechen, mir Wein und Marmelade und Umarmungen schenken. Das tut gut und ich lache mit ihnen wie früher – aber das legt keinen Schalter um. Ich trage kein Glück mehr in mir. Wenn das Lachen verebbt die Gespräche beendet sind, nimmt meine dunkle Schwester mich wieder an der Hand und zieht mich mit.
In die Leere.

Ich möchte sie nicht gewinnen lassen. Will nicht, dass schlechte Gefühle mein Leben übernehmen, denn das bin ich nicht. Also funktioniere ich. Nehme zur Notiz, dass die Umgebung ganz nett ist. Kaufe ein wie alle anderen. Stehe morgens auf. Richte meine Wohnung ein. Nehme teil an dem, was andere so machen. Nicht für mich oder weil ich mein Leben mag. Für Papa. Für meine Freunde. Weil sie sich so bemühen, weil sie sich so sorgen. Weil jeder von ihnen mir die Last abnähme, wenn sie es nur könnten.

Transit bedeutet Warten. Irgendwann bewegt sich wieder etwas. Dann geht man ein Stück weiter, in eine neue Richtung.
Tief verwundet, aber nie besiegt.
Hass gewinnt nicht gegen meine Liebe.

Close your eyes so you don’t feel them
They don’t need to see you cry
I can’t promise I will heal you
But if you want to I will try
To sing this summer serenade
The past is done we’ve been betrayed
It’s true
Someone said the truth will out
I believe without a doubt
in you

You were there for summer dreaming
and you gave me what I need
and I hope you’ll find your freedom
for eternity, for eternity