Entspannung und Anspannung

Endlich habe ich mal wieder ein Wochenende für mich gehabt. Nichts gegen meinen Schatz und unsere quasi Fern-Beziehung, aber zwischen all den Wochenenden, an denen irgendwelche Laufevents, Geburtstagseinladungen oder eben er-hier oder ich-in-Koblenz waren, blieb kaum Zeit für wirkliches Nichtstun.
Nachdem ich den Samstag dann erst mit der Oma einkaufen war, die wiederum – obwohl selbst den Fuß kaputt – wiederum für eine Nachbarin mit einkaufte und ich danach noch eine flotte Runde durch den Wald gelaufen war, konnte ich mich am Nachmittag dann endlich einmal in den Liegestuhl und die Füße auf meinen neuen Hocker legen. Letzteren hatte der Papa netterweise schon zusammengeschraubt. Irgendwie leidet die ganze Familie anscheinend an einem Helfersyndrom…
Und dann lieg ich da, schaue auf die Tomaten, höre die Vögel, trinke einen Kaffee und überlege, ob ich erst die Zeitung oder ein Buch lesen soll. Wahnsinn…wie lange ich dieses schöne Gefühl, einfach GAR NICHTS zu müssen, nicht mehr hatte…
Selbst schuld.
Heute habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und damit einen Punkt auf meiner Liste-mit-Dingen-die-ich-einmal-machen-will abgehakt: Ich war beim Bogenschießen!
Eigentlich hatte ich den Kurs für zwei gebucht, aber im Stress der letzten Wochen kam ich nicht mehr dazu, meine Begleitung daran zu erinnern…und wurde vergessen.
Heute morgen fiel es mir echt schwer, mich aufzuraffen. Kann ich nicht einfach schwänzen und im Bett bleiben? Es wäre so einfach. Ich hätte zwar Geld in den Wind geschossen, so what… Hin- und her und her und hin überlegt…Schweinehund hat fleißig gebellt. Wie ungern ich fremde Orte und Personen treffe, wie viel einfacher es wäre, mir zuhause einen schönen Tag zu machen…sechs Stunden sind auch ganz schön lang, wo doch die lange Arbeitswoche mit der blöden Messe bevorsteht…
Dann habe ich mich, während die Entscheidung in mir immer noch schwankte, schonmal angezogen, was zu essen und eine Flasche in den Rucksack gepackt und bin langsam zu dem Hof gefahren, wo das ganze stattfand. Zu meinem (Un)glück stand direkt am Parkplatz auch schon die Gruppe, so dass ich dann auch nicht mehr wirklich zurück konnte.
Eigentlich war es ein Einführungskurs, aber natürlich war ich die einzige, die a) alleine da war und die b) noch nie so ein Bogendings in der Hand gehabt hatte – HILFE! Peinlich! Muss ich jetzt etwa da nach vorne??! Wie früher im Sportunterricht, furchtbar – und alle gucken zu!!
Tief durchgeatmet und los, einfach mal machen., hilft ja nix. Nach den ersten paar Malen – wenn man einmal raus hat, wie diese laaangen fummeligen Pfeile da mit nur drei Fingern reinzufriemeln sind, ohne dass man das ganze Gedöns fallenlässt – klappte es dann doch recht gut. Der Bewegungsablauf ist eigentlich leicht und fühlte sich, einmal mit dem Bogengriff vertraut, sehr natürlich an. Besonders gut gefielen mir die 40 Minuten schweigendes Schießen. Ein Gong – Position einnehmen, Pfeil einlegen, spannen, schießen, Ein Klatschen – Pfeile von den Strohplatten einsammeln oder eben selbige auf der knöchelhohen Wiese mit alle Mann suchen.
Das tolle ist: Beim intuitiven Bogenschießen denkst du an gar nichts anderes als an deine Muskeln, den Atem, die offene Dehnung in den Schultern, fühlst den Bogen und wann er gespannt ist und dann …LOSLASSEN. Vor allem in der Stille gar nicht so einfach.
Eine tolle Erfahrung, die ich nicht gemacht hätte, wenn ich heute im Bett geblieben wäre.
Wieder einmal stellt sich die Frage: Warum sabotieren wir uns so oft selbst? Wenn ich doch weiß, dass mich etwas interessiert oder begeistern könnte, warum wartet man damit und versucht es nicht einfach? Das schlimmste was passieren kann, ist dass man feststellt „Hab’s ausprobiert, war nichts für mich“ und vielleicht ein paar Euro Lehrgeld. Ich jedenfalls habe gelernt, dass an der Legende, dass das Kriegervolk der Amazonen sich die Brüste amputiert haben sollen, um besser schießen zu können, was dran sein könnte. Autschi 🙂

Morgenlicht – a freewriting exercise

Morgenlicht strahlte vor dem Fenster. Ein Feuer aus pink und orange, das durch die schmutzigen Scheiben brach und die Pflanzen und das kleine Zimmergewächshaus von beleuchtete, dass deren Silhouette aussah wie ein eigenes kleines Dorf im Sonnenuntergang: Schwarze, verästelte Bäume und eine Scheune vor einem glühenden Himmel.
Sina liebte diese frühe Morgenstunde. Kein Laut war aus dem Nachbarhaus zu hören, nur ein paar vorlaute Amselstimmen von draußen. Alles neu.
Der Tag vor ihr ausgebreitet, wie ein weißes Blatt Papier.
Irgendjemand wird heute sterben, dachte Sina, und irgendwo anders wird jemand heute den schönsten Tag seines Lebens haben. Während sie den Träumen der Nacht nachspürte, die einen verwirrt zurücklassen wenn das, was man dort erlebt, so viel größer ist als das Leben bei Tag, stieg die Sonne langsam höher und kroch über das Dach des gegenüberliegenden Hauses. Ein Blitzen erst, dann ein Sonnenstrahl. Mitten ins Gesicht. Wie ein Scheinwerfer, der unerbittlich einfing wie sie da hockte und den Morgen verstreichen ließ. Meine Damen und Herren, hier sehen Sie eine, die das Leben nicht kapiert hat. Jeden Morgen sitzt sie da und wünscht sich für immer in das Land der Träume, statt den Tag zu nutzen. Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt. Schon vergessen, liebe Sina? Er will – DU bist hier das Problem!
Buh-Rufe aus dem Publikum signalisieren ihr, dass der Kopf restlos erwacht ist.
Sie sind wieder da.
Die Stimmen, Zweifler, Nörgler und Kritiker. War schön gewesen ohne euch.
Eines Tages, hofft sie, würden sie nicht mehr wach werden.
Dann, ja dann, wird sie frei sein.

The unsent project

to X.:
I knew you’d find excuses again. Just sad you wouldn’t make an effort to find one less lame.

to X.:
I don’t ever want to see you again – in any of my lifetimes. Still, you haunt my dreams. Can you please go fuck off?

to X.:
Idiot.
(I want to type just that. And manage never to reply to any of your sorry-ass attempts to stay in touch again.)

to M.:
Whatever happened to us being soulmates?

to S.:
All those years passed and I kept thinking of you – decades really … I wonder: did I ever cross your mind?

to X.:
I miss you dearly. But our friendship got too much for me to maintain. I’m so sorry.

to X.:
I still keep your number in my phone. Even though you’ve left so long ago. Seeing your name reassures me you were here.

https://theunsentproject.tumblr.com/

Lebens-Lauf

Nach einem Winter
der endlos bleiben wollte
Nach dem tiefen Abgrund
in den mich jemand gezerrt
Nach dem Loslassen
das mich zurückließ
Nach der Mauer
die ich um mich aufrichtete
Nach dem Stress als
das Arbeitsleben losging
Nach Monaten als ich mich aufraffte
mir das Ziel setzte zu laufen
Nachdem ich jemanden fand
bei dem ich ankommen kann
Nach dem Wochenende
nur die Zeit genießen
nach den letzten langen Kilometern
endlich entspannen

Jetzt erst denke ich zum ersten Mal:
Vielleicht…habe ich es zurück
mein Leben.

Curse is back

Und dann gibt es da die eine Musikliebe. Hörst nach Jahren einen Song, der klingt wie damals. Hörst ihn das erste Mal und hast Pipi in den Augen wegen der Lyrics. Herz und Takt eins. Tickets gekauft fürs Konzert, obwohl ich nicht mehr gerne auf Konzerte gehe. Liebe.

Ich kann nicht wie die anderen sein
Topmodel mit Doktortitel, Tierschützer mit Angelschein
Von allen geliebt alles lief wie von allein
Salon-Löwe unter Menschen, Zen-Mönch wenn allein
Selbstsicher egolos, Gegensätze vereint
Immer gegen das Richtige sein stilsicher im Nein
Social Media wirksam jedes Teilen geteilt
Zeitlos in Essenz und jetzt zeitig im Style
Nein! Kein Platz für Zweifel an mir selbst
Pippi Langstrumpf mit Geld, mach nur was mir gefällt
Und das was mir gefällt rettet nebenbei die Welt
Und mach mich nebenbei megareich, ich bin ’n Held
Und mein Umfeld alles inspirierte Kreative
Internationale Avantgarde, Elite voller Liebe
Riskieren Kopf und Kragen für die Wale und Delfine
Lachen im Gesicht weil Gewinner nie verlier’n

Doch wenn ich still und alleine bin
Wünsch ich mir ich wäre wie die anderen
Die nie gebrochen und verzweifelt sind
Bei denen alles immer leicht gelingt
Und wenn ich still und alleine bin
Hör ich sie lachen auf den Dachterassen
Weil es immer was zu feiern gibt
Aber bei mir leider nicht

[…]
Ich stell mir vor ich wäre einer von denen
Einer der Reichen und Schönen, einer mit keinen Problemen
Einer der Könige, Königinnen alles perfekt
Alles unter Dach und Fach, die haben das Leben gecheckt
Aber dann stell‘ ich fest
Dass es da draußen Menschen gibt die von mir denken ich hätt’s gecheckt
Rapper, Coach und Buddhist, meditieren und so’n Mist
Doch ich habe keine Antwort ich weiß eigentlich nicht mal was die Frage ist
Was für ein paradoxer Witz es ist
Wir drehen uns im Teufelskreis darum wird uns schwindelig
Streben dahin wo wir glauben, dass die Lichter sind
Doch die Menschen, die wir sein wollen – es gibt sie nicht

Doch wenn ich still und alleine bin
Sehe ich ich bin so wie die anderen
Wie alle die gebrochen und verzweifelt sind
Weil keinem von uns immer alles leicht gelingt
Und wenn ich still und alleine bin
Liegt mein lachen über Dachterassen
Weil es immer was zu feiern gibt
Wenn ich bei mir bin

(Curse „Bei mir“)

Leseliste 2018

Turtles all the way down – John Green
The Changeling – Phillippa George
Was man von hier aus sehen kann – Mariana Leky
Sufficiently advanced magic – Andrew Rowe
How to stop time – Matt Haig
Forging Divinity – Andrew Rowe
Super, und dir? – Kathrin Weßling
The Nevernight Chronicles, Book 1 – Jay Kristoff
Children of Time – Adrian Tchaikovsky
Das Kind in dir muss Heimat finden – Stefanie Stahl
Der Healing Code – Alex Loyd/Ben Johnson
Uprooted – Naomi Novik

Fastenzeit 2018

Zunächst einmal sollte ich festhalten, dass ich kaum noch zum Lesen komme.
Und weil das eine ziemlich unsinnige Aussage ist – zu etwas nicht kommen – nehme ich mir für diese Jahr vor, wieder Zeit für die Dinge zu nehmen, die mich ausmachen. So wie ich mehr Kilometer laufen will, weil es meinen Kopf gesund hält, will ich mehr Lesen. Weil es mich krank macht, sinnlose andere Dinge zu tun. Darum wird in dieser Fastenzeit gelesen. Anstatt am Abend fernzusehen und beim Einschlafen zu denken „welch eine Zeitverschwendung“. Anstatt im Internet rumzuhängen und all die sinnlosen Kommentare zu lesen, die mein Leben weder schöner machen, noch in irgendeiner Form bereichern, wird ein Buch in die Hand genommen.

Lippenbekenntnisse

Wir alle hören sie doch gerne, die berühmten drei Worte. Sie sind mächtig. Sie können eine Basis sein, auf der eine Beziehung, ein positives Selbstwertgefühl gedeihen kann. Aber sie können auch zur Sucht werden, zu Täuschung, zu Zweifeln.

Jemand, der dir jeden Tag sagt „Ich liebe dich“, meint es vielleicht wirklich so. Vielleicht hat er aber auch längst jemand anderen kennengelernt, mit der er sich an Wochenenden und auf Dienstreisen heimlich trifft. Sein „Ich liebe dich“ am Telefon glaubst du nur zu gerne. Willst es nicht in Frage stellen. Denn wenn man geliebt wird, ist das doch schön.

Es gibt auch andere Menschen, die benutzen die drei Worte sehr selten und wenn, dann eher zögerlich. Sein „Ich glaube, ich liebe dich“ lässt dich ratlos zurück. Kann er es nicht richtig und laut und deutlich sagen? Ist es vielleicht gar nicht wahr?
Aber seine selbstlosen Taten, eine mit Liebe gebastelte und gemalte Karte, sein ehrliches Interesse, seine Fürsorge, all die Sprüchebilder mit dem Esel die du so magst und die ehrliche Freude, wenn man sich wieder sieht – all das gibt dir die Kraft, die blöden Zweifel weg zu stecken und den Dingen ihre Zeit zu lassen.
Denn wann man wirklich geliebt wird, ist das noch viel schöner.