7 Wochen ohne- in 2013

In diesem Jahr versuche ich mich wieder an einer Fastenzeit-Aktion. Vom 13. Februar (also Aschermittwoch) bis zum 31. März läuft die Aktion der evangelischen Kirchen, „7 Wochen ohne“. Für mich in diesem Jahr der Anlass, noch einmal den Versuch zu unternehmen, mich ganz vegan zu ernähren. Fasten bei uns muss zwar nicht zwangsläufig heißen, dass man auf Essen verzichtet. Man könnte z.B. auch 7 Wochen aufs Fernsehen verzichten, auf facebook oder aufs Autofahren. Der Sinn dahinter ist, auf etwas zu verzichten, was man sonst alltäglich hat, sich bewusst zu machen, wie sich Verzicht anfühlt und wie man dieses „Fehlen“ auch anders füllen kann.

Für mich ist dieser abgesteckte Zeitraum einfach wie ein Testballon, eine Wette mit mir selbst. Die Fastenzeit einzuhalten ist für mich wichtig, darum werde ich diese Wochen durchhalten und kann beobachten, welche Wirkung das auf mich und meinen Körper haben wird.

Warum Veganer werden? Nun, ich bin nun in meinem zwanzigsten Jahr Vegetarier, esse aber immer noch Milchprodukte, Eier und hin und wieder Fisch – und halte es selbst für unsinnig. Alles, was an tierischen Produkten in riesigen Mengen produziert wird, damit wir Menschen es immer und jederzeit konsumieren können, verursacht Tierleid. Ja, die Kuh muss nicht gleich sterben, aber gut hat sie es ganz bestimmt nicht (außerdem ist die Milch für ihre Babys da), ebenso wenig die Batteriehennen, die unsere Ostereier legen. Ich muss auch nicht zu PETA verlinken (tue es aber trotzdem 😉 ) , um das zu belegen – ich kann mir die Videos dort nicht einmal anschauen…also warum sollte ich diese Produkte dann eigentlich noch kaufen und damit die Massentierhaltung unterstützen? Warum esse ich denn immer noch Milchprodukte? Ich glaube, es ist einfach nur bequemer, billiger und man muss nicht bei der Familie diskutieren, warum man auf einmal etwas nicht mehr mag. Letzteres wird wohl das größte Problem sein. Meinem Papa zu erklären, dass ich bisher seinen vorzüglichen Kartoffelsalat (mit Ei! und natürlich mit Mayo!) nicht mehr essen mag – das wird schwer. Am schlimmsten wird aber der Verzicht auf eine leckere Pizza, wenn man mal abends keine Lust hat, selbst zu kochen und auf Joghurt – denn wie ich aus meinem letzten Versuch, vegan zu essen noch weiß: Sojajoghurts schmecken sch…

Noch am Aschermittwoch habe den Anfang gemacht und einige Milchersatz-Produkte eingekauft. Mal sehen, was die so können. Außerdem Brotaufstriche (kein Käääääse mehr, oh weia!) und natürlich viel Gemüse. Auf Fleischersatz stehe ich nicht so – ich habe seit 20 Jahren keine Würstchen gegessen, warum sollte ich unbedingt etwas in Wurstform essen wollen? Dazu noch ein Kochbuch mit veganen Rezepten – vor allem geht es mir hier darum, wie man z.B. einen Ersatz für Mayo oder einen Ei-Ersatz beim Backen hin bekommt.

Werden wir dann mal sehen, wie es läuft und was sich verändert. Und wer noch ein paar Argumente braucht, der lese mal „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer – wer dann noch guten Gewissens in ein Schinkenbrot beißen kann, der ist eh nicht mehr zu retten! Wie sagte schon Sir Paul McCartney so schön: „“Wenn Schlachthöfe Glaswände hätten, dann wären wir alle Vegetarier.“

Ruhe und Sturm

Manchmal ist es so im Leben, dass man sich wochen- sogar monatelang in Sicherheit wähnt. Es passiert nichts schlimmes, nein, es läuft sogar für eine passionierte Pessimistin alles wirklich…“gut“. Zu gut.
Auf die Frage, wie es mir gehe, habe ich in den letzten Wochen meinen Freunden geantwortet mit“ganz gut“, mitunter sogar „alles gut“ gesagt und mich dabei selbst ertappt: Alles gut? Bei MIR? Der Erfinderin des Weltschmerzes und des Haare-in-der-Suppe-Imaginierens?
Es lief alles ausgesprochen gut, so dass ich irgendwann anfing, mir Sorgen zu machen, natürlich, denn das kann ich bekanntermaßen besonders gut.
Nach der Ruhe, so sagt man, kommt der Sturm.

Ich weiß nicht, ob diese Sorge einen irgendwann in paranoide Zustände treibt, aber zum Glück hat das Warten, diese Angst vor am Aufschlag nun ein Ende. Der Sturm ist da. Sogar sprichwörtlich. Die Ostküste der USA wurde von „Sandy“ heimgesucht. Was das bedeuten mag für die Zukunft, die anstehenden Wahlen? Vielleicht wird mein Schatz in zwei Wochen nicht zur Schulung dort hin fliegen können, wie es geplant war.
Welche Folgen hat dies oder jenes…der Flügelschlag des Schmetterlings, das Auge des Wirbelsturms…
Nach all den Wochen, in denen ich mir immer wieder dachte „es läuft alles zu glatt, es geht uns zu gut“ nun die Ernüchterung: Letzte Woche betriebsbedingte Kündigungen, die ein paar Menschen unerwartet trafen, die mir ans Herz gewachsen sind. Zeitgleich mit der Wut auf die Menschen, die dafür verantwortlich sind: meine Beförderung.
Die Nachricht, dass die Ärzte immer noch nicht wissen, was meiner Oma fehlt und sie deswegen morgen ins Krankenhaus muss. Nächsten Monat will sie ihren 80. Geburtstag feiern.
Gestern die furchtbare Gewissheit, dass die junge Frau aus dem Heimatort meiner Freundin, die seit Monaten vermisst wurde, tot ist, wahrscheinlich ermordet. Das Baby, das meiner Freundin vor neun Wochen geboren wurde und sich nun über die Tränen seiner Mutter wundert.
Die Oma meines Freundes, die heute einfach so hin fällt und nun mit gebrochenem Oberschenkelhals im Krankenhaus liegt, während er am Donnerstag seinen neuen Job antreten wird.
Der Flügelschlag, der Stein der ins Wasser fällt, irgendwann kommen die Kreise bei uns an.
Warum immer alle zugleich? Warum berühren sich die Kreise? Warum kann meine Freundin mich ablenken und aufheitern – oder ich sie – aber man selbst kann sich nicht selbst aus trüben Gedanken reißen?
Die Antwort fand ich heute Abend bei einer Tasse Yogi Tee. Wenn man mich fragt, woran ich glaube, dann antworte ich immer das: „Nichts im Leben passiert ohne einen Grund.“
Denn alles im Leben ist auf göttliche Weise miteinander verbunden.

20121030-234707.jpg

Oktober-Sparaktion 2012

Montag, 1. Oktober

2,60€ für einen Kaffee gespart, weil ich eingeladen wurde. Danke!

Klingt noch nicht nach viel, aber ich wette zum Ende des Monats wird da noch eine Menge zusammen kommen, dass ich dann für Cure AT/RT spenden kann.

Dienstag, 2. Oktober

5,90€ gespart, weil ich keine Zeit hatte, mit den Kollegen zum Mittag zu gehen

Mittwoch, 3.Oktober

Feiertag. Wir waren im Kino, wobei ich kein Popcorn gekauft habe diesmal. Normalerweise nehm‘ ich Nachos, plus Getränk hab ich bestimmt 8€ gespart.

Donnerstag, 4. Oktober

Wieder 2,60€ für einen Kaffee gespart, Danke! 😉

Außerdem Abends nicht mit ausgegangen, 10€.

Freitag, 5. Oktober

Fast Schokolade für den Büronachmittag gekauft, aber 2€ gespart.

Samstag, 6. Oktober

Leergut abgegeben und den 3€ Bon für die Hamburger Kinderkrebshilfe e.V. abgegeben. Sollte man eigentlich immer machen, einfacher ist es nicht und mal ehrlich: Für die gesparten drei Euro kauft man sich sonst stattdessen eine dumme Zeitschrift oder was Süßes an der Quengelkasse.

Auf meine Abendplanung heute verzichtet: Wollte so gerne einmal eine Henry Purcell-Oper anschauen und im Opernhaus gibt es heute „Dido & Aeneas“. Die 12€ für die Karte spare ich, dank ARTE kann ich mir Kultur auch zuhause auf dem Laptop anschauen.

Sonntag, 7. Oktober

Sonntagsbrötchen gab es heute keine, darum auch hier wieder um die 2€ gespart, ansonsten kann man Sonntags ja nicht viel machen 🙂

Montag, 8. Oktober

Es wird langsam langweilig zu lesen, aber ich werde so schön oft zum Kaffee eingeladen, seit Leute von der Aktion wissen. 2€

Auf’s Abendessen wurde im Rahmen unserer neuen Diät verzichtet. Konnte zwar nicht schlafen, aber hey – 7,90€ hätte ich sonst sicher in eine Heißhunger-Pizza investiert! Und das Schönste kommt jetzt:

Dienstag, 9. Oktober

Morgens auf der Waage eindeutig fast 1kg eingespart! 🙂

Dafür gebe ich 5€ in die Kasse – hab ich beim Abendessen eingespart (da ich direkt nach der Arbeit todmüde ins Bett gefallen bin).

Mittwoch, 10. Oktober

In der Mittagspause bei Budni vor den herrlichen Herbstfarben von essie gestanden. Aber nicht gekauft. Bäm! Um die 7€ kosten diese Nagellacke, glaube ich.

Donnerstag, 11. Oktober

Heute habe ich mir den Bierdonnerstag in der Firma gespart, aber nichts an Geld. Dafür großen Hausputz gemacht, weil der Papa morgen nach Hamburg kommt. Freue mich drauf.

Freitag, 12. Oktober

Mit dem Papa spart man natürlich automatisch, weil dieser großzügige Mensch sich von seinem Töchterlein nicht mal auf eine Tasse Kaffee einladen lässt. Die größte Freude hat er mir gemacht, indem er mir – vorträglich zum Geburtstag – seine Kaffeemaschine vermacht hat!50€kostet eine normale. Darum nochmal: Danke Papa, für diesen Beitrag zur Spende!

Samstag, 13. Oktober

Samstag war der Papa leider krank, darum konnten wir nicht essen gehen. Haben stattdessen schön gekocht. Den ca. 30€ Lebensmittelkauf wollte Papa dennoch unbedingt übernehmen.

Sonntag, 14. Oktober

Papa ist nach Hause gefahren und unternommen habe ich nichts. Resteessen von Samstag, somit 20€ für ein sonst bestelltes Sonntagabendessen eingespart!

Montag, 15. Oktober

Tja. Das Essen des gesamten Tages könnte ich addieren. Konnte außer Tee nichts zu mir nehmen. Entweder war es das Resteessen am Sonntag oder Papas Magen-Darm-Grippe…Nichts gefrühstückt (2€), kein Kaffee (2,90€), kein Mittagessen (5,90€) = 10,80€ und ein Tag im Bett.

Dienstag, 16. Oktober

5,90€ für’s Mittagessen gespart, weil Home Office gemacht (leider immer noch etwas krank), außerdem wieder 50 Cent in der Waschmaschine gefunden.

Mittwoch, 17. Oktober

Alleine im Büro, keine Zeit für Mittag. 5,90€ gespart, Kaffee zahlt der Chef auch noch. Bilanz: ‚Nen A…voll Arbeit, 2 Überstunden und 8.80€ für meine Aktion.

Donnerstag, 18. Oktober

Kamikaze-Kaffeedate mit meiner lieben Kollegin A.. Danke für den Kaffee und 2,90€ in die Kasse.

Freitag 19. Oktober

Meine liebe M., die ich eigentlich hätte überraschen wollen, weil sie neulich Geburtstag hatte, überraschte mich beim gestrigen Besuch: Statt eines Geschenks wünscht sie sich, dass ich dafür lieber etwas in die Spendenaktion packe! Liebe M. – Du bist großartig und Deine Freundschaft ist unbezahlbar! – ich hoffe Du bist dennoch mit 50€ für Cure AT/RT einverstanden.

Samstag, 20. Oktober

Geburtstagsfeier bei einer Freundin. Nachts um drei dann mit der Bahn durch Hamburg nach Hause. Nicht die klügste Idee eigentlich, aber von Lange Reihe bis Eppendorf sind das sicher 15€ eingespartes Taxigeld.

Sonntag, 21. Oktober
Wunderschöner Sonntag ohne Shoppingzwang oder irgendwas, was man für Geld kaufen könnte <;;3

Montag, 22. Oktober

Der Chef hat jetzt eine Kaffeemaschine für’s Büro und ich somit 2,90€ gespart.

Dienstag, 23. Oktober
Extreme Tage erfordern extreme Maßnahmen. Freunde, viel Bier, guten Wein, reichlich Schokolade und Pizza. Sorry, aber nicht machbar anders.

Mittwoch, 24. Oktober

Meetings, Meetings, Meetings. Und weil mein Lieblingsmittagessenskollege seit gestern nicht mehr in der Firma ist (*lautes Zonk-Geräusch*), war ich gar nicht draußen. Die 5, 90€ für den Mittagstisch schweren Herzens gespart.

Donnerstag, 25. Oktober

Stress. Keine Zeit, an Geldausgeben zu denken.

Freitag 26. Oktober

Donnerstagabend wurde spät, aber schön. Nach einer Nacht mit wenig Schlaf musste ein Katerfrühstück sein. Kaffee satt den ganzen Tag gab es im Chefbüro. Macht 5,80€ die nicht in den Kaffeeladen gewandert sind. 13 Stunden auf der Arbeit heute. Rekord?!

Samstag, 27. Oktober

Mädelsausflug am Samstagmorgen. Während unsere Männer noch verkatert herumlagen, waren wir schon in der Schanze auf dem Flohmarkt und dann ins Outletcenter Neumünster. An so einem Tag gibt es natürlich viel zu sparen: Auf dem Flohmarkt was Schönes für die kleine Amélie gefunden, dann im Outlet einen WMF Schneebesen (endlich rostfreie Pancakes!) und Unterwäsche von Hunkemöller schön reduziert. Insgesamt 35, 49€ echt gespart 🙂

Sonntag, 28. Oktober
Haare schneiden? Kann ich alleine. Selbst beim Billigfrisör damit 10€ gespart.

Montag, 29. Oktober
Hach was soll ich sagen. Tasche im Kaffeeladen stehen lassen, aber sie war noch da. Auch sonst ein ziemlicher Dreckstag. Pizza am Abend mit M. – aber hey, nur eine keine. 2€ in die Kasse. *seuftz*

Dienstag, 30. Oktober
Meetingmarathon. Schon. Wieder. Kein Mittag (5,90€) und das Kölsch zum bescheidenen Spiel des FC gegen Worms zahlt der Schatz. 9,50€ nochmal.

Mittwoch, 31. Oktober
Zum Ende des Monats stelle ich fest: Ich habe viele Mittagspausen versäumt, es fast nicht zum shoppen geschafft und auch sonst einen ziemlich freudlosen Monat gehabt. Aber hey, lasst uns mal rechnen:
Ok, ich kann nicht rechnen. Dreimal mit dem Windoof Rechner und einmal mit der guten alten Papier und „eins im Sinn“-Methode addiert und vier verschiedene Ergebnisse bekommen. Also, ich nehm einfach das höchste und habe diesen Monat stolze 332,49!!€ nicht versoffen, aufgegessen oder anders sinnlos rausgeworfen und kann sie nun einem guten Zweck spenden.
Und dabei bin ich nicht einmal Raucher oder so…Schon krass.

Donnerstag, 1. November
Allerheiligen. Naja, zumindest in meiner nordrhein-westfälischen Heimat, während man hier in Hamburg arbeiten muss.
Soeben habe ich die stolze Summe an Cure ATRT überwiesen. Danke an Alle, die daran beteiligt waren – durch Einladungen zum Essen, Kaffeetrinken, Schuldenerlass oder was auch immer!
Es ist eigentlich ganz leicht, genug Geld übrig zu haben, um einen guten Zweck zu unterstützen – man muss nur weniger essen 😀
Und hier folgt noch der Spendenquittungs-Fotobeweis:

20121101-194624.jpg

Avalanna

Yesterday, I read the saddest news on the „Stand Up To Cancer facebook page.

Avalanna Routh, only 6 years old, passed away yesterday. She had been fighting atypical teratoid rhabdoid tumor (AT/RT) for a long time. The news about that little girl’s death has touched me deeply and though they don’t know me, I would like to express my condolences to her family.

My sweetheart and I talked about this yesterday for quite a while. After that, he donated a lot of money he had saved during last month to The German Cancer Research Foundation. Thanks a lot, my dear – you are fantastic! :-*

I will follow his example this month and list all the unnecessary stuff I usually spend money for – cosmetics, clothes, sweets, just everything. I will save the money instead and by the end of the month donate it to Cure ATRT Now.

I would like to ask my readers to do the same. There is not much we can do against cancer, but at least we can support cancer research!

Last but not least, I’d like to ask you for another favour: NEYER. WAIT. GO. TO. YOUR DOCTOR. EARLY. If not for yourself, do it for the people who love and need you.

† Farewell, brave little Avalanna.

Please watch and share her story here on YouTube:

Holunderblüten

Ich habe den Abend zuhause verbracht. Nicht im Park, nicht beim Grillen oder im Garten, die restlichen Sonnenstrahlen genießen. Ich wollte alleine sein, ein Glas Sekt trinken auf mich selbst, weil ich die letzten Tage überstanden habe im Job, die so ziemlich die härtesten waren bisher in meiner Laufbahn. Sekt mit Holunder, diesen Sommer gibt es das komischerweise überall.
Ich liebe Holunder. Den Duft der Blütendolden, die Süße…das weckt Erinnerungen an früher, als Mama und ich im Hochsommer mit dem Fahrrad durch die Felder fuhren. Der blaue Korb war dabei, mit dem blau-weiß gestreiften Futter. Der Nachbarshund. An den Wegesrändern überall: Holunder. Wir pflückten stundenlang. Naja: Mama pflückte, ich spielte mit dem Hund. Früher war ich genervt, dass es bei uns statt wie in anderen Familien nicht Limonade aus dem Laden gab, sondern selbstgemachten Holundersirup, aufgegossen mit Mineralwasser. Sommer für Sommer…
In meiner Kindheit schien immer die Sonne im Sommer. Auch vor 12 Jahren war es warm. Der 3. August, an dem Mama von uns ging, war ein stiller, schöner Sommertag.

Ich habe heute Nacht von ihr geträumt, endlich einmal wieder. Jedes der seltenen Male, die sie mich im Traum besucht, ist anders. Manchmal reden wir einfach stundenlang, manchmal lachen oder weinen wir, aber immer ist es genau so, wie es eben war mit ihr – es hält meine Erinnerungen wach und so intensiv, dass die Farbe ihrer leuchtenden Augen, der Klang ihres Lachens, die Wärme ihrer Umarmung lebendig bleibt. In diesem Traum dieses Mal hatte sie jedoch Krebs, zum zweiten Mal. Wir waren in einem Krankenhaus, die Diagnose noch ganz frisch, meine Mama voller Kraft und Optimismus.
Zwölf Jahre sind vergangen und plötzlich sind alle Gefühle zugleich wieder da: Die Angst vor der Krankheit, die über allem schwebt. Sich in jedes Lachen frisst, jeden herrlichen Moment mit einem Drängen überzieht, man muss ihn genießen, los, jetzt, es könnte doch das letzte Mal sein. Auch die leise Hoffnung, die man hat, irgendwo ganz hinten, dass es dieses Mal gut geht, dass diese Runde an uns geht, dass alles doch noch gut werden kann. Und dann diese unglaubliche Wärme, dieses dankbare, vollkommene Glücksgefühl, dass sie gerade jetzt da ist. Krank ja, todkrank vielleicht – wer weiß – aber einfach DA. Verharren möchte man, in dieser Dankbarkeit, für immer.

Ich erhebe mein Glas auf Dich, Mama. Wie gerne würde ich mit Dir den Sommer genießen, mit Dir über das Leben reden und Holundersekt trinken.
Ich hoffe, dass es dort wo Du jetzt bist, viele schöne Wege und blühende Sträucher gibt. Vielleicht gehen Deine Lieben dort mit Dir spazieren. Eines Tages werden wir auch wieder zusammen Holunder pflücken und einkochen und ich hoffe, dann erklärst Du mir das Geheimnis, warum der Holundersirup nach Deinem Rezept nie wieder so gut schmecken wird wie damals, in unseren Sommertagen.

Zum 56. Geburtstag

Der Tod ist nichts,
ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.
Ich bin ich, ihr seid ihr.
Das, was ich für euch war, bin ich immer noch.

6.6.1956


Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt.
Sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt.
Gebraucht keine andere Redeweise,
seid nicht feierlich oder traurig.
Lacht weiterhin über das,
worüber wir gemeinsam gelacht haben.
Betet, lacht, denkt an mich,
betet für mich,
damit mein Name ausgesprochen wird,
so wie es immer war,
ohne irgendeine besondere Betonung,
ohne die Spur eines Schattens.

In liebender Erinnerung

Das Leben bedeutet das, was es immer war.
Der Faden ist nicht durchschnitten.
Weshalb soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein,
nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin?
Ich bin nicht weit weg,
nur auf der anderen Seite des Weges.

(Henry Scott Holland)

Am Strand

Am Strand von St. Peter Ording
durch Dünen gewandert,
dem Rauschen der Brandung gelauscht,
in windstillen Ecken gedöst,
das alles – dieses Mal – ohne Dich.

Im Strandkorb gesessen,
Zeit vorüberstreichen lassen,
den Sonnenuntergang bewundert,
das Glas erhoben und gelacht,
und dabei oft gedacht – an Dich.

Ein Ort voller magischer Momente,
Erinnerungen an glückliche Tage,
Du bist eine von ihnen, ganz nah,
in Sonne, Wind, Wasser und Sand,
den Elementen des Lebens,
das so sehr geliebt hast.

In Memoriam

Kleiner Oscar, heute bist Du über die Regenbogenbrücke gegangen, wo Du auf Deine Familie warten wirst. Du kannst endlich wieder sehen und hören und ganz sicher ist dort drüben ein herrlicher Strand für Dich, an dem Du toben kannst. Ich werde Dich vermissen. Deine Begrüßungen an der Tür, Dein Wache halten vor dem Bett, wenn wir zusammen auf Euer Haus aufgepasst haben. Deine Verlegenheit, wenn Dich eine Katze erschreckt hat. Deine Sprints, wenn es endlich wieder zurück nach Hause ging. Dein freundliches, freches, unverwechselbares Wesen. Tschüss, kleiner Oscar.

To Oscar, in loving memory...

Trauer

Trauer hört nicht einfach auf. Sie wird nicht weniger, sie verblasst nicht, wird nicht „irgendwann wieder gut“.
Sie verändert sich mit dem Lauf der Zeit, nimmt andere Formen an. Mal empfindest Du sie schwächer, dann wieder, als wäre das, was Dich traurig macht, gerade erst passiert. Vor allem aber verändert Trauer Dich selbst. Wir haben viele verschiedene Gründe für Trauer und gehen alle unterschiedlich damit um. Viele Menschen, mit denen ich über ihre Traurigkeit gesprochen habe, beschreiben aber das gleiche. Trauer ist nicht einfach Schmerz über einen Verlust oder das Klagen darüber. Trauer ist Angst. Vor der Einsamkeit. Vor der Lücke, die jemand hinterlässt. Eine Lücke wieder mit schönem Neuem, mit Sinn zu füllen, das fällt schwer. Trauer ist auch Angst vor dem Vergessen. Aber man vergißt nicht.
Manchmal träume ich, dass ich Zeit mit meiner Mutter verbringe. Wir gehen einkaufen, sitzen zusammen in meiner neuen Wohnung, reden und haben eine Menge Spaß. So war es immer. Wir werden nie wieder reden können. Sie wird nicht auf meiner Hochzeit sein, nie mit mir Kleider für ein Baby aussuchen und ich werde niemals sehen, dass ihre Haare im Alter weiß werden. Aber in meiner Erinnerung ist noch alles da: Ich kann sie riechen, hören, ihre Stimme wiedererkennen, fühlen, wie ihre Hände sich anfühlten. Weil das, was eine Begegnung für Dich ausgemacht hat, unvergänglich ist: Liebe, Wärme und Dankbarkeit. Wenn ich nach so einem Traum wach werde bin ich traurig, als seien seitdem keine 12 Jahre vergangen. Aber in die Trauer mischt sich Dankbarkeit, dass sie in meiner Erinnerung und in meinem Herzen weiterlebt und so ein Teil von mir bleiben wird, bis ich ihr eines Tages folgen kann.

Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit
eines geliebten Menschen ersetzen kann;
und man soll das auch gar nicht versuchen,
man muss es einfach aushalten und durchhalten;
das klingt zunächst sehr hart,
aber es ist doch zugleich ein großer Trost,
denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt,
bleibt man durch sie miteinander verbunden.

(Dietrich Bonhoeffer)

Tschüss, 2011!

Liebes Jahr 2011, es ist bald zuende mit Dir.
Der letzte Abend, gleich kommen ein paar Freunde und wir gehen essen. Ein schöner und hoffentlich friedlicher Ausklang für Dich.
Am letzten Abend des Jahres habe ich ein paar Dinge geschafft: Ich habe stressfrei alles aufgeräumt, Gebadet, rote Unterwäsche an und sogar schon die Fingernägel lackiert – rechtzeitig und ohne Gematsche beim aus-dem-Haus gehen. Gefühlte 50 mal den Song „je veux“ von Zaz gehört, mein Lieblingslied zur Zeit, obwohl ich schon habe, was ich so will. Den Abend verbringe ich mit meinem Mr.Darcy, wohl mit das Beste, was ich Dir zu verdanken habe!
Kann das nächste Jahr eigentlich besser werden? Es kann so vieles passieren, liebe Menschen könnten krank werden. Es kann Streit und Ärger im Job geben, Entscheidungen, die schwer fallen könnten. Fakt ist, liebes 2011: Du hast es gut mit mir gemeint und ich danke Dir dafür.
Außerdem möchte ich mich bedanken bei meiner Familie, die für mich da ist, auch wenn ich Silvester heute zum ersten Mal nicht in der Heimat verbringe. Ihr seid immer da und stärkt mir den Rücken. Weihnachten mit Euch war schön und ich vermisse Euch. Danke auch meinen zwei einzigen Bloglesern und treuen Freunden – Ihr wisst, wer Ihr seid und Ihr bedeutet mir wahnsinnig viel. Ich hoffe auf mehr Zeit für und mit Euch im kommenden Jahr.
Danke an meinen Traumprinzen, auch wenn Du nie diesen Blog liest, dafür, dass es Dich gibt!
Egal, was 2012 mit sich bringt – mit Euch fühle ich mich gewappnet und freue mich auf die Zukunft. In Hamburg, in Köln, im Büro, beim public viewing, beim Paddeln auf der Alster, im Kino, beim Weintrinken in der Hafencity und beim Rumtopf unterm Weihnachtsbaum – ich freue mich auf die gemeinsame Zeit mit Euch.
Passt gut auf Euch auf!

In Liebe,
Eure Verena