Footprints

Mit der Zeit verstehe ich besser, warum Dir dieses Gedicht so viel bedeutet hat.
Das Vertrauen darauf, dass das Universum hinter einem steht, dass alles einem höheren Plan folgt, den wir meistens nicht erfassen.

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
“Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?”

Da antwortete er:
“Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen.”

Happy Birthday, Mom.

Originalfassung des Gedichts Footprints © 1964 Margaret Fishback Powers.
Deutsche Fassung des Gedichts Spuren im Sand © 1996 Brunnen Verlag, Gießen.

to forgive is to set a prisoner free

…and to discover that the prisoner was you.

Weiss du noch, am Aanfang
Wie leich dat alles lossging
Du sohs mich, ich soh dich
Un dä Ress wor einfach klor
Wat es do schief jelaufe
Wo sin mir zwei falsch affjeboge
Av wann han mer verjesse, wä mer wore
Woröm is dat nit mih richtig
Un woröm is dat jetz esu falsch
Un woröm schreit dat Hätz noch immer “Jo”

Da war es nun, dieses Gespräch auf das ich fast ein Jahr gewartet und es stets gefürchtet habe. Weil ich genau wusste, es wird eines Tages kommen. Und dass mir dann die richtigen Worte fehlen würden.
Was soll man zu jemandem sagen, der einmal die große Liebe war, der einen Ring am Finger trug, “E levve lang” – und das mit Füßen getreten hat. Der jetzt einräumt, dass er damit den dümmsten Fehler gemacht hat und es sich vor der Welt und seinem überdimensionalen Ego nicht eingestehen, nicht zurück rudern konnte. Pech gehabt, mag man denken. Ich hingegen empfinde Mitgefühl. Zumindest glaube ich, dass es nicht bloß Genuugtuung ist, die mich milde stimmt.

Wochen und Monate habe ich gewusst, dass ihm aufgehen wird, wie mies er mich behandelt hat. Selbst wenn es nur ein Reinwaschen für sein Gewissen war, ein Geständnis nach einer Flasche Kabänes, nachts auf der Tanzfläche einer Karnevalsparty – so weiß ich doch, wie viel bitterer Ernst darin steckt. Auch wenn mich der Betrug, die Lügen, die Eiseskälte voll erwischt haben, kenne ich doch die Untiefen dieser Persönlichkeit wie niemand sonst. Er hat mich hineinsehen lassen in die traurige Vergangenheit, seine kaputte Seele, die nachts wach auf dem Sofa liegt, ein Kuscheltier überall mit hin nimmt, traurige Lieder zu Gott singt und auf eine Vergebung hofft, die er sich selbst nicht gewährt.

Ich möchte so vieles antworten, so vieles loswerden und sage dann doch nur: “Es geht mir gut. Werde glücklich.”

Es ist nicht die Zeit und der Ort dafür. Nicht auf einer Karnevalsparty, mit zwei Freundinnen im Rücken, die mit Konfettipistole im Anschlag “Sag was und ich bring ihn für dich um!” rufen. Nicht hier. Nicht nachdem auch ich jemand Neues kennengelernt habe. Jemanden, der mir gut tut und mir zeigt, dass Liebe nicht Drama und alles an einander auslassen sein muss, sondern unbeschwert, einfach und aufrichtig sein kann.
Nicht nachgeben, nicht zurückfallen, stark bleiben in dem, was ich mir mit Mühe aufgebaut habe. Jetzt ist nicht die Zeit dafür. Vielleicht kommt sie auch nie mehr.

Er hätte so viel Zeit gegeben. Monate, in denen mein Telefon stumm blieb. Die Zeit vor der Scheidung, die Wartezeit bei Gericht. Es gab immer die Möglichkeit für eine Aussprache. Ich habe oft darum gebeten. So viele Wege hätten offen gestanden, wäre ein Wille da gewesen.

Aber nicht jetzt, an dem Punkt an dem ich endlich eingesehen habe, dass die große Liebe ein Ende haben darf. Dass “für immer” eben manchmal nicht für immer bedeutet. Man darf sie gehen lassen. Man muss.

“The only way out of the labyrinth of suffering is to forgive.”
John Green, Looking for Alaska”

Freundesieb

Es kommen Zeiten im Leben, da hält man kurz inne, meist nach einer besonders harten und anstrengenden Etappe und schaut sich um. Wer ist bis hier mitgegangen? Wer geht nach wie vor an deiner Seite?
Viele Menschen können das wohl bestätigen: In der Not zeigt sich, wer deine Freunde sind. Das habe ich damals gemerkt, als meine engsten Freunde – so dachte ich – auf einmal nichts mehr von sich hören ließen. Keine Karte, kein Anruf. Als sei ihnen etwas schlimmes widerfahren, nicht mir. Wer mit mir in der Kirche saß und mir beistand, als es hieß Abschied zu nehmen, waren teils alte Freunde, teilweise solche, deren Rückgrat und der Ausdruck ihrer Zuneigung und des Respekts mich sehr beeindruckt haben. Das sind wahre Freunde. Die, die in guten wie in schlechten Tagen dir zur Seite stehen.
Schwere Zeiten sind darum nicht nur ein Nährboden für persönliches Wachstum, sondern auch ein prima Sieb, um die falschen von den wahren Freunden zu trennen. Denn manchmal verschwimmt die Sicht, lässt man sich allzu gerne verführen von den Brotkrumen der Zuneigung, Versprechen, Perspektiven, die sich mit einer neuen Freundschaft eröffnen. Nicht immer ist man dabei auf einen echten Freund getroffen.

Es gibt Menschen, die sind nur so lange Freunde, wie sie es auf Entfernung sein können. Versprechen dir Zeit, die sie nie einlösen. Vergewissern dir, dass du ihnen wichtig bist, kommen aber nie vorbei, schlagen nie ein Treffen vor und bringen lahme Ausreden, weil du ihnen dann wohl doch gerade zu anstrengend bist in deinem Kummer. Ich habe diese Entschuldigungen so satt. “Sorry” und Affen-Emojis sind leider kein Ersatz für geschenkte Zeit, die Gelegenheit für gute Gespräche und den Willen, mir bei meinem Neuanfang beizustehen. Dann eben nicht.

Wahre Freunde brauche ich gerade sehr und ich bin glücklich, diese zu haben. Solche, die mich trotz der eigenen Sorgen bei sämtlichen albernen Überlegungen, Plänen, neuen Hobbys und fixen Ideen bedingungslos unterstützen. Menschen, die mir sagen “ich hab dich lieb” oder “ich glaub an dich” und die zulassen, dass ich mich zur Zeit neu (er)finde. Da ist die Freundin, die mich immer wieder liebevoll erdet auch wenn ich zum hundertsten Mal dieselben Gedanken wälze. Die gleichzeitig mit mir träumt von einer besseren Zeit – obwohl sie gerade ihre eigene Existenz gründet und weiß Gott genug wichtigeres zu tun hätte. Oder die Freundin, die gerade schwanger und in einem völligen Umbruch im Leben ist, die sich aber immer wieder mit Freude die Zeit nimmt, mit mir zu lachen, mir Vorschläge zu machen für gemeinsame Unternehmungen, die mich deutlich spüren lässt und mir zu verstehen gibt “Ich möchte, dass du Teil meines Lebens bleibst”. Das Pärchen, übrig gebliebene Freunde aus dem Dunstkreis meines Ex’, die sich so rührend gekümmert haben vom ersten Tag, die mich mitnehmen unter Leute und auch akzeptieren können, wenn ich mal in meinen Cocktail weine. Die Freundin aus Hamburg, die sich trotz kleiner Tochter und Vollzeitjob die Zeit nimmt für stundenlange Telefonate, die wie eine feste Umarmung gut tun. Oder auch der Freund, mit dem ich zwar nicht mehr die enge Verbindung habe wie früher, der aber in den langen Nächten des Jammerns und der Selbstzweifel nach der Trennung für mich da war, mich wieder beruhigen konnte wie kein anderer, der mir klar und deutlich gesagt hat “jetzt ist aber gut” und auch “du bist gut”.

Ich bin dankbar für mein Freundesieb und glücklich, dass fantastische Menschen darin hängen bleiben, ohne die es schwer gewesen wäre, den Weg weiter zu gehen. Danke, dass es euch gibt. Für euch will ich wieder stark werden, wieder lachen wie früher, wieder ein Mensch sein mit dem man gerne Zeit verbringt und der euch Zeit schenkt und für euch da ist – an leuchtenden wie an den traurigen Tagen im Leben.

Aus dem Archiv meines Seelenlebens

Beim Aufräumen meines Computers entdecke ich einen angefangenen Text wieder. Manchmal finde ich beim Lesen der eigenen Sachen Erinnerungen und spüre vergangene Gefühle nach. Was ich dieses Mal lese, fühlt sich fremd an. Dass es von mir ist, erschreckt und bestätigt mich zeitgleich darin, dass es gut war, wie es am Ende gekommen ist…

Wo sind wir, das Paar, das gemeinsam lachte? Wo ist die Einheit hin: erst das wir, dann der Rest der Welt. Es ist, als ob wir nie eine Einheit gewesen sind, nur vielleicht eine Masse, die sich für einen gewissen Zeitraum durch Anziehungskraft angenähert und nur beinahe verbunden hat.
Der Abstoß kam leise, nicht explosiv, doch je weiter wir nun auseinander driften, desto größer die Beschleunigung. Wir können es kaum erwarten, frische Luft zu atmen, den anderen nicht sehen, nicht fühlen zu müssen in seiner Art, wie er da zurück bleibt. Weg nur weg von der traurigen Masse, die sich da aus demselben Grund rasend schnell in die entgegengesetzte Richtung entfernt.
Wollte es das Naturgesetz so oder waren wir es, die den Abstoß herbei geführt haben? Immer darauf hingesteuert, nie zur Ruhe kommend, nie die Bindung zwischen uns stabilisierend? Ich weiß nicht einmal, wie ich mich fühle auf meinem Flug, meiner Flucht vor dir und dem was wir einmal waren und hätten werden können.
Auf der Flucht vor dem Mittelpunkt in meinem Universum.
Haltlos.
Freudlos.
Mutlos.
Planlos.
Schwerelos.

(“Schwerelos”, geschrieben im November 2014.)

Abendstimmung

Loslassen.
Loslassen.
Ich sitze im Garten meines Elternhauses. Dieses Hauses, das so vieles erlebt hat. Lachen. Weinen. Neuanfänge und Trauer. Babykatzen. Katzengräber. Junge Paare voller Hoffnung. Schwarz-weiße Erinnerungsfotos. All das steckt in seinen Mauern und dennoch bleibt es Zuflucht, ist es Zuhause, steht es dort und wartet auf bessere Zeiten.
Die Sonne geht gerade unter über unserem Dorf. Einer seiner Söhne wird nie mehr nach Hause kehren. Einer von Weidens’ Kätchens Jungs ist jetzt weniger auf der Welt.
Und ein anderes Weidenskind starrt den Sonnenuntergang und weiß gerade nicht mehr wohin mit diesem fragilen Ding, das sich Leben nennt und das gefüllt und gelebt und geliebt werden will. Weil gerade alles so scheint, als möchte es nie wieder Morgen werden.

Ein Teil von mir schaut mit Bedauern zurück.
Ich wünschte ich hätte die Gelegenheit erhalten, all das – all das wir, all das uns – mit dir zu besprechen. Nur wir beide. Ehrlich. Offen. Miteinander, wie es hätte sein sollen zwischen uns. Seitdem wir uns gestern das erste Mal nach Monaten gesehen haben, weint mein Herz wieder wie am ersten Tag. Weint um die schöne Zeit, die Liebe, die wir einst hatten und die besonders war, dass es unmöglich scheint, jemals wieder so empfinden zu können.
Als die Richterin uns fragte, ob wir wirklich nicht glauben, unsere Ehe noch einmal aufzunehmen zu können, da wollte diese Seite von mir ganz laut “DOCH!” rufen. So laut hat meine Seele gerufen, dass ich glaube du wirst es wohl gehört haben.
Doch ich sagte “Nein”. Deinetwegen. Ich habe dich frei gegeben, weil du es wolltest. Mein allerletztes Geschenk an dich. Ein Teil von mir ist unendlich traurig seitdem. Ich vermisse dich an meiner Seite, der mich heute, an diesem traurigen Tag, getröstet hätte. Der nichts hätte sagen brauchen. Du wärst einfach da gewesen und die Welt wäre still geworden. So wie wir jede Nacht eingeschlafen sind, uns irgendwo berührend, weil nur das uns beiden verletzten Seelen Frieden schenken konnte.
Oft wache ich Nachts auf und finde dich nicht.

Auch Du hast “Nein” gesagt. Schon viele Monate vorher. Am Traualtar, als du “Ja” sagtest, irgendwas in dir jedoch “Ich weiß nicht mehr” meinte. So laut, dass ich es gehört habe. Die Monate danach waren ein einziges Drama, ein Alptraum, aus dem ich jede Nacht aufwache. Weg war der Mensch, den ich geliebt, der mit mir gelacht hat, der mit mir in unserer kleinen Welt große Träume träumte. Ein anderer war da an deiner Stelle, der sich selbst zugrunde richtete. Der sich hasste für die schlimmen Dinge die er tat und dann mich hasste und dann wieder sich, weil ich all das nicht verdiente und irgendwo doch daran schuld war, weil ich nicht einfach ging. Ich wollte dir die Hand reichen, immer wieder. Weil ich an dich glaubte. Bis gestern glaubte, dass dein wahres Ich irgendwann zurück kehrt und gewinnt über “den anderen” wie ich ihn nannte. Unbewusst habe ich wohl immer gehofft, dass dir deine Lügen leid tun, dass das “wir” stärker ist als deine Dämonen, dass du sie mit mir gemeinsam bekämpfen willst. Aber du hast dich dagegen entschieden und findest deinen Frieden woanders. Ein Teil von mir ist unendlich traurig, dass du nicht der bist, den ich in dir gesehen habe.

Ein anderer Teil von mir schaut hoffnungsvoll nach vorne. Er hat über die letzten Monate nicht sentimental zurückgeschaut, sondern vor allem die Unterschiede bemerkt, die uns zuletzt immer wieder dazu gebracht haben, uns aneinander zu stören. Dein Lebensstil und meiner, die wollten nicht mehr zusammen passen und keiner wollte mehr zurückstecken. Dieser Teil von mir ahnt, dass du längst weiter gegangen bist und in mir trotz der netten Dinge die du gestern gesagt hast, nicht mehr siehst, was du einst gesehen hast. Ich habe mich entschieden, dass erst dann wieder jemand in mein Leben passt, wenn er eben passt. Ich habe zu viele Zugeständnisse gemacht und auf der anderen Seite viel zu wenig gebremst, wo ich es hätte tun sollen, weil es Grenzen aufgezeigt hätte. Ich habe dazu gelernt.
Ich bin dir dankbar: Für eine wundervolle Zeit. Für das Gefühl zu wissen, wie echtes Glück sich anfühlt. Und auch für die Erfahrung, wie bitter geplatzte Träume schmecken.

Akzeptieren.
Akzeptieren.

Schuldfrage

Wie immer bei mir gehen irgendwann die Träume los. Wenn sich mein Tages-Bewusstsein, das ich steuern und kontrollieren kann, langsam mit schlimmen Ereignissen arrangiert hat, legt mein nächtliches, mein Unter-Bewusstsein erst richtig los.
Als mein Opa starb, träumte ich monatelang Nacht für Nacht denselben Traum: Immer waren da Züge, die ohne mich losfuhren. Das gleiche bei meiner Mama.

Nun fange ich an, von ihm zu träumen. Im Traum geschieht das, was im echten Leben seit Monaten ausgeblieben ist: Wir sehen uns wieder. Reden stundenlang. Wie früher. Er ist ein anderer Mensch in diesen Träumen, nicht das Wrack, das ich zuletzt vor mir sah und das mich mit Eisaugen stumpf anstarrte. Er ist wieder dieser eine Mensch, in den ich ganz furchtbar verliebt gewesen bin und von dem ich dachte, er sei eine verwandte Seele. Wenn mich Menschen heute danach fragen, wieso wir überhaupt geheiratet haben, kann ich nur sagen: Weil es die große Liebe war – jedenfalls fühlte es sich damals so an.
Ich weiß noch wie glücklich ich war an dem Tag, als er mich fragte.
Wirklich von Herzen glücklich.
Wer meine Texte aus jener Zeit gelesen hat, konnte es zwischen den Zeilen spüren.
Niemals hätte ich gedacht, dass wir in einem Alptraum enden. Andererseits: wer ahnt sowas schon.

In mein Unterbewusstsein hat sich der Verrat noch nicht eingeschlichen, ist unsere Welt noch die, die sie einmal gewesen ist: Da ist Liebe, da ist gegenseitiges Verstehen, da ist miteinander lachen, einander die besten Kumpel sein, in unserer kleinen Welt aus Botschaften im Reisegepäck und an der Tür, Schlüsselanhängern und Kühlschrankmagneten und Einkaufslisten mit Witzen, die nur wir verstanden. Den anderen für das Allerbeste halten, das einem jemals passiert ist. So war es einmal zwischen uns – aufgehört hat es, als wir heirateten oder nein, vielleicht sogar bevor wir heirateten und ich spürte, dass alles anders wurde von seiner Seite und die Dinge sich zu verändern begannen – und wir uns mit ihnen.

Wenn ich aufwache, ist all das Schöne wieder fort. Was bleibt ist die Frage, warum es so gekommen ist. Warum wir nicht in der Lage waren, uns gegen die aufkommende Kälte zu wehren, uns das zu erhalten was uns einst verbunden hatte.
Natürlich liegt es nahe, nun da ich die Hintergründe kenne, wütend zu sein auf ihn und die Schuld einzig bei ihm zu suchen. Er hat mir bis heute nicht die Wahrheit offenbart, sich nie gekümmert, was aus mir wurde, mich ignoriert. Mich, die Person von der er einst sagte, sie stünde ihm am nächsten, verstünde ihn besser als jeder Mensch zuvor und habe sein Leben zu etwas besserem gemacht. Alles Lügen? Vielleicht. Es ist so schön einfach, liegt so nahe, das zu glauben. Schließlich hat er die ganze Zeit hinter meinem Rücken seine Pläne geschmiedet. Mich hintergangen, sich trösten lassen und mir keine Träne nachgeweint.
Aber nach wie vor ist es mir nicht möglich, zu hassen. Zweifel sind da, Fragen offen. Vor allem die quälenden, die ich mir nicht beantworten kann. Was hätte ich machen können, um zu verhindern, was passiert ist. Ihm weniger den Spiegel vorhalten? Noch weniger von ihm verlangen als das, was ohnehin schon zu wenig war für eine Partnerschaft? Hätte ich beharrlicher sein müssen – oder sogar noch nachsichtiger, obwohl mich sein Verhalten stets an meine Grenzen brachte?
Vielleicht hatte ich gar keinen Einfluss auf den Verlauf der Dinge, hatte es nicht mit mir, sondern mit ihr zu tun. Möglicherweise ist es auch so, dass er nicht in der Lage ist, einem anderen Menschen zu geben, was zu einer gesunden Beziehung auf Dauer gehört.
Doch möglicherweise trage auch ich meine Schuld an unseren letzten, sehr wenig partnerschaftlichen Monaten und das macht mich traurig und zugleich unsicher: was wenn ich das Problem war, bin, ich Eigenschaften habe, die ihn dazu gebracht haben, mich nicht lieben zu können. Die Ablehnung ist es, das nicht-mehr-geliebt-werden – nicht Hass oder Wut – was mich beschäftigt.

Aus meiner Perspektive, aus dem was ich weiß und mit ihm erlebt habe, ist in dieser Geschichte er am Ende der Schurke, der rücksichtslos mein Herz gebrochen hat.
Es war seins, ich hatte es ihm geschenkt.

Hating someone you once loved is far worse than bitter dislike.
The betrayal strips you of memories you once trusted.
A snapshot of what used to be becomes a lie.
And the anger mixes with the hurt.
I will never forget the look in her eyes when she saw me.
Those eyes haunted me all over the world.

(from “Where we fall” by Rochelle B. Weinstein)

Nothing in this world

I finally kept my pride and hailed a cab
Those cuttin’ words you said were the last stab
There’ll be no tears this time, they’ve all dried up
No more sweet poison, I already drank that cup

This tunnel’s dark, but there’s a little light glowing
Just enough for me to run towards knowing

Nothing in this world will ever break my heart again
Nothing in this world will ever break my heart again
No pain this life will put me through will ever ever hurt like you

Don’t need a miracle, a superhero
There’s only one way up when you’re at zero
You took my innocence, but it was knowing
No I don’t need you, and that made me a woman

I paid my dues, but it’s a debt I’m done paying
I’m standing strong, but I’m still on my knees praying

That nothing in this world will ever break my heart again

Asche

Wenn ein Herz zerbricht
zerfällt es in tausend Scherben.
Die Welt, ein Zuhause, bricht zusammen,
zahllose kleine Steine.
Unzählige Schnipsel von Fotos, auf denen wir lachten.
Kaputte Souvenirs von Orten, die wir liebten.

Herzen brechen, wenn der letzte Strohhalm verglüht
zu Asche
zu Asche
zu Staub
zu Staub.

verschlossen

Weißt du eigentlich, welche Ängste ich habe.
Was mich wach hält, wovor ich mich am meisten fürchte.
Die Angst, dass Irgendwer oder Irgendwas
mich von denen trennen könnte, die ich liebe.
Habe ich dir das erzählt – ich glaube nicht.
Oder du hast es nicht gehört. Denn die Mauer
die ich um meine Ängste errichtet habe, ist meterdick.

Weißt du eigentlich, wovon ich träume.
Was ich mir von Herzen wünsche, für mich, dich, uns.
Die Zukunft, die ich vor mir sehe: Hand in Hand gehen
mit dir bis nur noch einer von uns übrig ist.
Habe ich dir das erzählt – ich glaube nicht.
Oder du hast nicht zugehört.
Weil Träume zu verraten Unglück bringt.

Weißt du eigentlich, worauf ich hoffe.
Das ich noch immer fest glaube an ein Leben mit dir.
An die Kraft, gemeinsam alles überwinden, aus Fehlern lernen zu können,
so lange man sich einander öffnet und zuhört.
Habe ich dir das erzählt – ich glaube nicht.
Oder du hast es nicht gehört. Weil ich da bereits
die Tür hinter mir zugezogen hatte.