Frederick und die Farben

Kennst Du Frederik?

Ich hatte das Glück, eine Grundschullehrerin zu haben, die ein Faible für die Kinderbücher des italienischen Autors und Grafikers Leo Lionni hatte. In seinen Büchern geht es meistens um das Anderssein. Frederick, eine seiner Hauptfiguren, ist anders als die anderen Mäuse. Während sie den ganzen Sommer über fleißig Vorräte anschaffen gehen, liegt Frederik faul in der Sonne. Alle beteiligen sich daran, genug Essen für den langen harten Winter zu sammeln. Nur Frederick nicht – was die anderen Mäuse natürlich ziemlich doof finden. Als dann der Winter kommt, erweist sich Frederick dann doch als sehr nützliches Mitglied der Gemeinschaft: Als den anderen Mäusen in ihrem Winterlager, die Bäuche vollgefuttert, scheißlangweilig wird, ist Frederiks Moment gekommen: Er hat Farben gesammelt. Den ganzen Sommer über. So erzählt er den anderen vom Rot der Mohnblüten und all anderen wunderbaren Farben und versüßt ihnen damit den Winter.
Ich bin wie Frederick. Ein Farbensammler. Vielleicht liegt es daran, dass ich sehr schlecht sehen kann und die Umgebung für mich oft einfach zu einem konturlosen Farbbrei verschwimmt. Ich liebe Blautöne, Türkistöne, Lilatöne und alles, was die Farben von Beeren hat. Aber ich mag auch alle Schwarz, Grün- und Grauschattierungen, Pastelltöne, die Farben von Polareis, sogar Rottöne, vor allem wenn sie nebeneinander auftauchen oder mit Blaustich, so wie Bordeaux- oder Weinrot. Einzig mit Orange und Gelb kann ich nicht so viel anfangen – außer vielleicht in einem Sonnenuntergang. Farben bestimmen, was ich täglich trage, denn sie beeinflussen meine Stimmung enorm. Einmal als ich jünger war habe ich in meinem Jugendzimmer eine ganze Wand in einem satten Türkiston gestrichen. Meinen Bruder erinnerte das an ein Aquarium. Ich fühlte mich darin sehr wohl. Ich wähle mein Duschgel nicht nach dem Duft, sondern nach der Farbe aus und könnte mich stundenlang freuen, wenn Licht durch ein Weinglas schimmert und den Wein rubinrot zum Leuchten bringt…Farben sind wichtig und jede Jahreszeit hat ihre eigenen.

Darum finde ich es überhaupt nicht schlimm, dass nach den hellen Farben des Sommers, dem satten Grün, den bunten Blumen nun der Herbst kommt. Denn er hat die schönsten Farben. Kastanien z.B. könnte ich stundenlang betrachten, sie sind einfach wunderschön. Geht mal raus an einem Herbsttag, schaut Euch das Rot und das Gelb an, das Braun der Kastanien und das Blau des Himmels, es leuchtet nie schöner als an einem Herbsttag.

Einfach mal Farben tanken.

 

P.S.: Sehr schön ist auch die Geschichte von Swimmy, dem schwarzen Fisch im Schwarm.

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