Frust

Endlich 2017. Yay. Alles wird besser.
Wisst ihr was, ich habe das alles jetzt schon so satt! Neue Ziele setzen, sich neu ausrichten, neu “angreifen” soll ich, wenn es nach anderen geht. Wenn mein Vater wüsste, wie sehr seine Wortwahl ins Schwarze trifft. Angreifen. Die Arbeitswelt ist für mich Kriegszustand gewesen in der letzten Zeit: Krieg gegen mein Gewissen, meinen Körper. Alles in mir sträubte sich dagegen, in diesem Zirkus noch länger effektiv (von kreativ ist schon lange nicht mehr die Rede gewesen) zu sein. Aber ohne Job bist du wertlos, sitzt nur nutzlos herum. Dass es zwischen den Feiertagen wenig Sinn macht, nach Jobs zu schauen, dass man die Jobs von heute auch nicht mehr per Zeitungsannonce oder noch besser “geh doch einfach mal beim DüMong Verlag vorbei!” findet, das wird nicht beachtet. Faul ist man. Und dumm dazu. Was machste denn jetzt? Wie, du gehst jetzt Freunden beim Umzug helfen? Hier, ein paar unsinnige Links über die Berufswelt. Bewerbungs-Einmaleins. Kannste bestimmt brauchen. Die Geheimcodes der Arbeitszeugnisse. Ahja. Dass ich jeden Morgen um halb acht anfange den Haushalt zu schmeißen, mich weiterbilde, mir Gedanken mache und wie eine Irre nur noch dran denke, wo es hingehen könnte – uninteressant. Ich mache anderen nichts als Sorgen. Und sitze rum. “Du wärst echt besser mal Gärtner geworden – aber da verdienste ja nix.” Ja, Bingo. Ich wäre auch sehr viel lieber Gärtner. Weil ich lieber draußen bin als in einem Büro. Und was mit meinen Händen schaffen möchte, als nur in Meetings Sessel warm zu sitzen. Und warum habe ich stattdessen studiert? Weil ich gezwungen wurde. Weil ich JEDEN Tag mir anhören durfte, dass ich mich ja wenigstens mal einschreiben könnte, damit ich meine Halbwaisenrente bekomme. Wenn ich schon ein nutzloser Idiot mit Abi bin, der nach dem Tod seiner Mutter sich nicht um Karriereoptionen schert. Sowas aber auch! Dass ich einfach nicht funktionieren kann! Warum bin ich damals aus Köln weg, ganz alleine? Aus dem gleichen Grund: JEDEN TAG gefragt wurde, warum ich immer noch keinen Job habe und mich schlecht fühlen musste, wenn ich nach dem Bewerbungen schreiben meiner Freizeit nach oder jobben ging.
Klar bin ich dankbar, dass ich mein Elternhaus überm Kopf habe – mehr als das. Ich bin sehr sehr glücklich, dass ich hier nach meinem Jahr des großen Auf-die-Fresse-fallens ankommen durfte.
Aber heißt das, dass ich mich behandeln lassen muss als wäre ich 5? Mein Vater hängt sogar meine Wäsche ab und neu auf! Ich mache das falsch, findet er. Brote schmieren, Laub kehren, Karotten reiben – ALLES mache ich falsch. Ich kann nämlich offensichtlich gar nichts und habe in 16 Jahren nie mein Leben alleine geführt.
Ich weiß, er macht sich vorrangig Sorgen. Nur leider drückt sich das allein in Bevormundung aus. Er weiß, wie Dinge richtig gehen – ich bin die Idiotin, die zu dämlich für die Ehe war (Er hat’s ja gleich kommen sehen) und jetzt auch noch zu unfähig, ihren Job zu behalten. Nichts als Sorgen bereite ich.

Mann, was fühl ich mich gerade willkommen.
Am besten schreibe ich gleich wahllos ein paar Agenturen an, auf ein paar weitere Jahre im Marketing- und Werbezirkus. Denn wo man die Seele verkauft, gibt’s wenigstens ordentlich Gehalt dafür!
Und das ist es doch, was gezählt wird.

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