Kämpfe

Mein ganzes Leben besteht aus Kämpfen. Die meisten davon gegen keinen anderen Gegner als mich. Ich habe Angst davor, dass ich irgendwann auf mein Leben zurück schaue und einfach nur sagen kann: „Hättste ja auch mal genießen können.“ Denn es gibt so viel Schönes, es geht mir gut. Ich habe das große Glück, tolle Freunde zu haben – und jedes Mal wenn wir uns sehen, frage ich mich die ganze Zeit, wieso sie mich eigentlich in ihrer Nähe dulden. Jeden Tag beginnt der Kampf mit mir von Neuem – spätestens beim Anziehen. Ich fühle mich in unzähligen Situationen unpassend, ungenügend, unerträglich. Ein Straßenfest in Hamburg im Sommer – und ich sehe nur Dinge, die mich klein und traurig machen. Frage mich, wie Menschen es schaffen, zu strahlen, so dass man sie auf Anhieb als sympathisch und angenehm empfindet. Fühle mich nicht dazugehörig und seltsam, unpassend angezogen wie immer, jedes Gespräch, das ich anfange, kommt mir selbst lächerlich uninteressant vor – also halte ich lieber ganz den Mund und denke dann, dass andere mich jetzt bestimmt noch dööfer finden. Ich finde mich selbst peinlich und weiß nicht, wie ich an mir arbeiten kann. Würde es mir helfen, anders zu sein? Klüger, witzig, größer, schöner?

Würde ich mich wohler in meiner Haut fühlen, wenn mir jemand die Klamotten zusammenstellt, ich zwei Stunden täglich meine Haare föhnte, bis das Ganze tatsächlich einer Frisur nahe kommt? Wenn Menschen sich gerne mit mir unterhielten und mich als sympathisch empfinden würden und nicht als grummelig, verschlossen, launisch?

Kann man lernen, sich zu akzeptieren und einfach mal zu versuchen, sich auf die Dinge zu fokussieren, in denen man vielleicht ganz gut ist? Kann ich bitte endlich mal stolz sein auf mich und das beste draus machen?

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