Kopfgerümpel

In den letzten Wochen häufen sich die schlechten Träume. Das zeigt, dass es immer einige Monate dauert, bis Erlebnisse ihren Weg ins Unterbewusstsein finden. Dabei geht es mir inzwischen wieder ganz gut. Die wildeste Zeit ist vorbei, alles geht seinen Lauf: Eine kurze Aussprache mit dem Ex gehabt, ihm alles Gute gewünscht und es so gemeint. Mit der Verwandtschaft über meine berufliche Situation gesprochen, auch wenn ich Angst davor hatte, da ich ihnen damit wieder Sorgen bereite. Mich frei gekämpft von ihren (und meinen eigenen) Erwartungen und Vorhaltungen. Ich gebe mein Bestes, um bald wieder etwas Neues anzufangen, aber ich genieße auch das, was gerade schön ist in meinem Leben. Zumindest versuche ich es. Die Träume funken dazwischen. Sie nehmen mich mit, lassen mich mit schlechtem Bauchgefühl aufwachen und vergiften das sanfte Bewusstsein und die verzeihende Haltung gegenüber dem Leben, die ich mir angeeignet habe.
Meine Oma meinte, das sei sicher nicht leicht, nach so einer Geschichte wie im letzten Jahr offen für eine neue Beziehung zu sein. Alle sagen das. Ihr macht euch ja keine Vorstellung! Ich bin dabei das Problem. Während sich meine neue Liebe von der allerschönsten Seite zeigt, spinnt mein Kopf. Jede Nacht Alpträume, in denen ich mich mit ihm streite, richtig streite. Oder in denen einer meiner Ex-Partner (von denen sich zwei so ähnlich waren, dass sie im Traum sogar ständig das Gesicht tauschen) mich hintergeht. Überall blonde Kolleginnen, heimliche Telefonate, hinterhältiges Grinsen und Lügenkonstrukte. Dabei hat nur ein Mensch in meiner Vergangenheit mich so mies behandelt. Genau der, für den ich meine Hand ins Feuer gelegt hätte. Der vielleicht schwierig war und seine Probleme mit in die Beziehung brachte, von dem ich aber zuvor niemals mitbekommen hatte, dass er andere Frauen auch nur ansah. Ich war mir zu 200 % sicher, dass diese Person die treueste Seele auf der Welt war.
Wenn man sich dermaßen sicher war und dann hintergangen wurde, dann ist es doch nur verständlich, dass man dem neuen Gefühl für einen anderen Menschen, den man erst seit kurzem kennt, noch nicht vertrauen kann. Oder?

Kannst du wieder lieben wie früher, nachdem dich jemand ruiniert hat?

Oder ist es vielmehr so, dass ich das Problem bin. Weil ich Muster aus meinen vorangegangenen Beziehungen aufleben lasse: Im Gegensatz zu mir konnte er nicht ausschlafen, ist nach einem Arbeitstag noch eine Stunde bis zu mir gefahren. Statt dass ich dafür dankbar bin nehme ich nur wahr, dass er ruhiger ist als sonst. Mag er mich schon nicht mehr? Gibt es ein Problem? Ich beginne zu grübeln und ihn mit Fragen zu nerven. Der Kreislauf beginnt von vorne, wenn man es nicht verhindert. Offen bleiben, mit Freude annehmen, was diese neue Bekanntschaft schönes mit sich bringt. Gefühlen trauen. Nette Gesten bemerken: Er hinterlässt mir ausgedruckte Illustrationen mit schönen Zitaten, wenn er wieder fährt. Er legt wert darauf, dass wir das nächste Treffen direkt planen, hat immer eine Wanderroute ausgetüftelt, wenn ich zu Besuch komme und wir raus fahren. Er trägt den Rucksack, den ich mit Proviant vollstopfe. Er kümmert sich rührend um mein Wohl, Kaffee ans Bett, Kölsch im Kühlschrank wenn meine Mannschaft spielt, Decke aufs Sofa…So sollte es doch sein, in einer Partnerschaft. Das sollte man pflegen und sich bewahren. Nicht vergleichen, grübeln, Fehler suchen oder ausmalen, was schief gehen könnte.
Ich wünschte, ich könnte all das Vergangene einfach wegpacken, auf den Dachboden damit zu dem anderen Gerümpel und nicht mehr daran denken.

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