Liebe 30.

Fuck yeah…I’m 30.
Blicken wir einmal zurück: Vor drei Monaten, kurz nach dem 30. Geburtstag, war die Welt noch ganz in Ordnung. Eine Zahl, weiter nichts. Viele Komplimente, dass man ja noch lange nicht so aussähe. Versicherungen, dass 30 werden in der heutigen Zeit ja kein Drama mehr sei.
Doch, es ist eins. Ein schleichendes. Die ultimativen Zeichen, dass Du auf das Verfallsdatum Deiner besten Jahre zugalloppierst, stellen sich bereits kurz nach dem magischen Geburtstag ein. Die 30 kommt – auch wenn Du nicht dran glaubst. Steht hinter Deiner Tür mit dem Baseballschläger und wartet auf den richtigen Moment, Dir eins überzuziehen. Grinst Dich an mit dem Gesicht von Renée Zellweger in Bridget Jones – ja, die mit der blauen Suppe – um Dir zu beweisen „Und ich krieg Dich doch“.
Bereits an an den freien Tagen zwischen den Tagen und an Silvester merkst Du es: Die Zeit der Feierei mit Freunden ist vorbei – ab hier ist Pärchenzone! WIR feiern das erste mal bei UNS. Wir feiern mit anderen Pärchen. Und mit wem kommst Du? Es zieht sich durch die Wochen danach. Nach der Party mit Kollegen kennst Du alle dazugehörigen Partner. Fragst einen alten Freund, ob ihr zusammen Fußball gucken geht, aber er weiß noch nicht, ob sie beide können. Es drängt sich dir unweigerlich auf: Du bist nur ein Du.
Partynächte finden nur noch freitags statt – vorausgesetzt, man ist nicht zu müde von der Arbeitswoche, denn das ist es, womit Du mit 30 am meisten Zeit verbringst: Arbeiten. Wir brauchen inzwischen volle zwei Tage, um uns davon zu erholen, wenn wir denn mal abends ausgehen. Eine Nacht mit wenig Schlaf? SuperBowl gucken? Trinken unter der Woche? Vorbei. Mein Spiegelbild schaut mich morgens traurig an. Wo eine kalte Dusche und etwas Concealer früher reichte, um hübsch frisch für die Unicaféteria und die netten Mitstudenten zu sein, zeugen Kellerkindgesichtsfarbe und knittrige Augen noch tagelang von meinem Erholungszustand.
Das kann es doch nicht sein. Statt die Karriereleiter hoch zu stapfen oder wenigstens ein paar quietschfidele Krabbelbabies auf die Kita-Wärterinnen loszulassen (wie es meine Mit-30er tun), werfe ich mich nach Feierabend kompromisslos in Jogginghose und Kuschel-Stoppersocken.
Sexyness has left the building.
Immer öfter erwische ich mich dabei, wenn denn mal Besuch sich in meine Wohnung, verirrt zu sagen: „Was trinken? Sorry, ich hab aber kein Wasser mehr da. Nur Wein. oder Gin Tonic.“ Irgendwann muss auch mal wieder Schluss sein, muss der Ruck kommen, irgendwie den neuen Lebensabschnitt anzugehen. Stattdessen wartet Bridget mit der Keule. Heute auf facebook versucht, alte Kontakte aufzufrischen – soll ja gegen die selbstgewählte Isolation helfen. Als Antwort auf meine „Wie gehts denn so?“-Mail an einen alten Freund bekomme ich eine pampige Antwort – von seiner angeblichen Verlobten. Eigentlich müsste ich über so viel Unreife lachen – dennoch macht es mich nachdenklich: Selbst er, der immer so eifersüchtig war und ein riesiges Theater gemacht hat, wenn ich während der Arbeitszeit nicht ans Telefon gehen konnte, hat anscheinend ein passendes Deckelchen-Frauchen gefunden. Auch wenn sie die Pantoffeln anhat, immerhin hat er ein Zuhause gefunden.
Und ich? Habe reichlich Wein in meinem Zuhause, einen Haufen kreativer Projekte, die verstreut und unfertig herumliegen, leere Choclait Chips-Packungen, Freunde, die schon gar nicht mehr versuchen, mich aus diesem Loch herauslocken zu wollen.
Aber irgendwo wird es losgehen, das Leben nach der 30. Mit oder ohne Mark Darcy.
Ich hab schließlich schon Leute jenseits in den 30ern lachen sehen! (Vermutlich über 40-Jährige zwischen Campingurlaub und Kita, die sich das lustige Singledasein zurück wünschen).

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