Mein fast perfektes Leben (Jonathan Tropper)

Mein fast perfektes Leben - Jonathan Tropper


Im Mittelpunkt der Geschichte steht Doug, ein 29-jähriger Witwer, der am Unfalltod seiner Frau Hailey fast zugrunde geht. Zynisch und trauernd verweigert er sich dem Leben und den Menschen, die ihn brauchen: Seinem pubertierenden Stiefsohn, der durch Schlägereien und Drogenkonsum auffällig wird, seiner Zwillingsschwester, die ungewollt schwanger ist, sowie seinen Eltern. Nur ganz langsam begreift er, dass sich dem Leben und der Liebe wieder öffnen nicht bedeuten muss, seine geliebte Hailey zu vergessen.
Ich habe es jetzt Hälfte durch…
Auf dem Klappentext ist ein Zitat von Jürgen von der Lippe zu lesen: „Ich habe herzzerreißend geweint, ich habe geschrieen vor Lachen, und zwar immer abwechselnd.“ Genau so ist es auch mit diesem Buch: Selten habe ich Trauer so treffend in Worte gefasst gelesen. Sie passiert für Doug, stellvertretend für uns alle, so mitten in einem Leben, das sich erdreistet, einfach weiterzugehen. Doug, der sich mit zuviel Alkohol zu betäuben versucht, wird fast verrückt daran, dass die Welt sich einfach weiter dreht – ohne Hailey. Wirklich stark ist auch die Beziehung von Dougs Eltern skizziert. Der Vater, von Krankheit gezeichnet, teils wie ein unzurechnungsfähiges Kind, rennt in der Unterhose durch den Garten, macht seiner Frau zu schaffen. Dann wieder, ein kurzer hellwacher Moment, in dem ihm Tränen in die Augen steigen: „Ich bin noch da“ flüstert er, als seine jüngste Tochter nicht von ihm zum Traualtar geführt werden möchte. Traurigkeit anhand der Szenen, die wir mit ansehen als Leser, weil sie so echt sind, dass sie in jeder Familie vielleicht verkommen können. Ebenso echt wie die tiefe Zuneigung, die aus den Worten von Dougs Mutter spricht: „Ich werde mich an ihn kuscheln und so lange wach bleiben wie ich nur kann, weil ich keine Minute davon versäumen möchte. Ich werde mir wünschen, es könnte für immer so bleiben, aber irgendwann werde ich doch einschlafen, während er immer noch erzählt. Wenn ich dann morgens früh aufwache, wird er gerade in die Blumenbeete pinkeln oder wieder halb nackt Ball spielen oder auf dem Wohnzimmerboden einen Turm aus den Kristallgläsern meiner Großmutter bauen oder Gott weiß was anstellen. Und mir wird nichts anderes übrig bleiben, als mich unter meiner Decke zu verstecken und zu weinen und mich zu fragen, wann ich meinen Mann wiedersehen werde – und ob überhaupt.“
Ich bin gespannt wie es weiter geht mit Doug und seiner Trauer – aber ohne Schokolade und vielen Taschentüchern werde ich es besser nicht weiterlesen.