Morgenlicht – a freewriting exercise

Morgenlicht strahlte vor dem Fenster. Ein Feuer aus pink und orange, das durch die schmutzigen Scheiben brach und die Pflanzen und das kleine Zimmergewächshaus von beleuchtete, dass deren Silhouette aussah wie ein eigenes kleines Dorf im Sonnenuntergang: Schwarze, verästelte Bäume und eine Scheune vor einem glühenden Himmel.
Sina liebte diese frühe Morgenstunde. Kein Laut war aus dem Nachbarhaus zu hören, nur ein paar vorlaute Amselstimmen von draußen. Alles neu.
Der Tag vor ihr ausgebreitet, wie ein weißes Blatt Papier.
Irgendjemand wird heute sterben, dachte Sina, und irgendwo anders wird jemand heute den schönsten Tag seines Lebens haben. Während sie den Träumen der Nacht nachspürte, die einen verwirrt zurücklassen wenn das, was man dort erlebt, so viel größer ist als das Leben bei Tag, stieg die Sonne langsam höher und kroch über das Dach des gegenüberliegenden Hauses. Ein Blitzen erst, dann ein Sonnenstrahl. Mitten ins Gesicht. Wie ein Scheinwerfer, der unerbittlich einfing wie sie da hockte und den Morgen verstreichen ließ. Meine Damen und Herren, hier sehen Sie eine, die das Leben nicht kapiert hat. Jeden Morgen sitzt sie da und wünscht sich für immer in das Land der Träume, statt den Tag zu nutzen. Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt. Schon vergessen, liebe Sina? Er will – DU bist hier das Problem!
Buh-Rufe aus dem Publikum signalisieren ihr, dass der Kopf restlos erwacht ist.
Sie sind wieder da.
Die Stimmen, Zweifler, Nörgler und Kritiker. War schön gewesen ohne euch.
Eines Tages, hofft sie, würden sie nicht mehr wach werden.
Dann, ja dann, wird sie frei sein.

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