Nachtmusik

Manchmal ist Watte in die Ohren stopfen das Richtige, vielleicht auch einfach die einzige mögliche Lösung. Wenn die Welt zu viel wird. Watte, die die Geräusche da draußen erträglicher macht. Eine Decke um dich herum, die dich vor all dem versteckt und sei es nur für eine Weile. Wenn der Lärm, die Erwartungen der Welt und deiner selbst an dich zu viel werden, dann ziehst du dich hierhin zurück. Es ist ein warmes und angenehmes Gefühl hier drin. Aber ein seichtes. Wachliegen. John Lennon singt. Eine Stimme, die aus vergangenen Tagen an mich dringt. I didn’t mean to hurt you I’m sorry that I made you cry. Früher. Früher, da hätte ich weinen können. Lange und echt. Den ganzen Schmerz zugelassen. John und meine Mama und ich, wir haben einander verstanden und die Herzen restlos ausgeleert in jenen Momenten. Jetzt liege ich hier und blinzle lediglich. Wundere mich, wo sie hin sind – meine Traurigkeit, meine Fröhlichkeit. All die starken Gefühle, Hass und Liebe und Wut und Freude, von denen ich weiß dass sie mich einmal ausgemacht haben. Schaue einen Film der eigentlich sehr rührend sein müsste. Ein Mädchen, die Eltern taub und auf ihre Hilfe angewiesen, möchte raus in die Welt und singen. Und sie singt herzzerreißend schön. Mes chers parents, je pars. Je vous aime mais je pars. Vous n’aurez plus d’enfant ce soir. Je n’m’enfuis pas, je vole. Comprenez bien, je vole. Sans fumée, sans alcool. Je vole, je vole. Ich fliege nicht. Ich gehe auch nicht, ich bleibe da. Verharre unter meiner Decke noch länger, versuche die Wärme aufzusaugen wie ein Keimling, der die Kraft sammelt, bald Richtung Sonne zu wachsen. Was kann Wärme bewirken, die nicht tief genug reicht? Lebe meine Tage an der Oberfläche. Wohl wissend, dass die Untiefen da sind. Ich will nur nicht hinabschauen. Ein Pflaster, das sich über meine Wunden gelegt hat. Es ist nicht das selbe Gefühl. Da fehlt etwas. Die tiefgründigen Gespräche, Augenblicke, das verzweifelte Hassen und das innigst Lieben, die zusammen gingen. Intensiv. Lebendig. Ich. Oder? Am Ende sind unter dem Pflaster die Wunden längst vernarbt und die Stelle bleibt für immer taub. Eine dicke Eisschicht. So I remember we were driving, driving in your car. The speed so fast, I felt like I was drunk. City lights lay out before us and your arm felt nice wrapped ‚round my shoulder. And I had a feeling that I belonged. And I had a feeling I could be someone, be someone, be someone.

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