Park

Es ist kurz vor Weihnachten. Es regnet. Ich sitze in einem Kurpark, im dunklen, im Regen. Schön, dass man alles zum schreiben immer dabei hat. Ansonsten: Keine Musik, kein Hörbuch. Nur der Wind, das Wasser, die Enten. Ankommen. Stille finden. Das Jahr, das man sonst gerne mit dem letzten Schnaps auf der Weihnachtsfeier hinter sich lässt, muss dieses Mal mit aller Gewalt fortgeschoben werden. Es ist ein zähes Jahr gewesen. Nicht hart, aber klebig, lästig und haftend an allen, wie Kaugummi unter der Schuhsohle. Ein Jahr, das nie richtig schlecht war – es ist nichts schlimmes gewesen in meinem Leben. Aber es war auch kein besonders gutes Jahr – es ist vorbei gegangen ohne etwas zu bewirken, mir neue Menschen zu schenken oder besondere Ereignisse. Mit Ausnahme von der Erfüllung eines Herzenswunsches, einmal ein Fleckchen Italien gesehen zu haben. Nach so einem Jahr fällt es mir sehr leicht, neue Vorsätze zu fassen, im Regen, im Kurpark sitzend: Mehr Bedeutung! Ich könnte dieses Jahr aus dem Geschichtsbuch streichen – für mich würde sich nichts ändern. Ich denke mir, eines Tages werde ich vielleicht durch einen solchen Kurpark zuckeln, mit meiner Gehhilfe, mit meinem Partner oder alleine. Bis dahin muss einfach noch mehr passieren! Wie war das: Man kann dem Leben nicht mehr Jahre geben, aber den Jahren mehr Leben. Das kommende Jahr muss gefüllt werden, mit mehr bedeutungsvollen Begegnungen und Gesprächen, Büchern, Reisen. Ich will weniger Zeit verdaddeln und mehr erleben. Und öfter zur Stille finden.

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