Ruhe und Sturm

Manchmal ist es so im Leben, dass man sich wochen- sogar monatelang in Sicherheit wähnt. Es passiert nichts schlimmes, nein, es läuft sogar für eine passionierte Pessimistin alles wirklich…“gut“. Zu gut.
Auf die Frage, wie es mir gehe, habe ich in den letzten Wochen meinen Freunden geantwortet mit“ganz gut“, mitunter sogar „alles gut“ gesagt und mich dabei selbst ertappt: Alles gut? Bei MIR? Der Erfinderin des Weltschmerzes und des Haare-in-der-Suppe-Imaginierens?
Es lief alles ausgesprochen gut, so dass ich irgendwann anfing, mir Sorgen zu machen, natürlich, denn das kann ich bekanntermaßen besonders gut.
Nach der Ruhe, so sagt man, kommt der Sturm.

Ich weiß nicht, ob diese Sorge einen irgendwann in paranoide Zustände treibt, aber zum Glück hat das Warten, diese Angst vor am Aufschlag nun ein Ende. Der Sturm ist da. Sogar sprichwörtlich. Die Ostküste der USA wurde von „Sandy“ heimgesucht. Was das bedeuten mag für die Zukunft, die anstehenden Wahlen? Vielleicht wird mein Schatz in zwei Wochen nicht zur Schulung dort hin fliegen können, wie es geplant war.
Welche Folgen hat dies oder jenes…der Flügelschlag des Schmetterlings, das Auge des Wirbelsturms…
Nach all den Wochen, in denen ich mir immer wieder dachte „es läuft alles zu glatt, es geht uns zu gut“ nun die Ernüchterung: Letzte Woche betriebsbedingte Kündigungen, die ein paar Menschen unerwartet trafen, die mir ans Herz gewachsen sind. Zeitgleich mit der Wut auf die Menschen, die dafür verantwortlich sind: meine Beförderung.
Die Nachricht, dass die Ärzte immer noch nicht wissen, was meiner Oma fehlt und sie deswegen morgen ins Krankenhaus muss. Nächsten Monat will sie ihren 80. Geburtstag feiern.
Gestern die furchtbare Gewissheit, dass die junge Frau aus dem Heimatort meiner Freundin, die seit Monaten vermisst wurde, tot ist, wahrscheinlich ermordet. Das Baby, das meiner Freundin vor neun Wochen geboren wurde und sich nun über die Tränen seiner Mutter wundert.
Die Oma meines Freundes, die heute einfach so hin fällt und nun mit gebrochenem Oberschenkelhals im Krankenhaus liegt, während er am Donnerstag seinen neuen Job antreten wird.
Der Flügelschlag, der Stein der ins Wasser fällt, irgendwann kommen die Kreise bei uns an.
Warum immer alle zugleich? Warum berühren sich die Kreise? Warum kann meine Freundin mich ablenken und aufheitern – oder ich sie – aber man selbst kann sich nicht selbst aus trüben Gedanken reißen?
Die Antwort fand ich heute Abend bei einer Tasse Yogi Tee. Wenn man mich fragt, woran ich glaube, dann antworte ich immer das: „Nichts im Leben passiert ohne einen Grund.“
Denn alles im Leben ist auf göttliche Weise miteinander verbunden.

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