scars

Trägst auch Du Narben mit Dir herum?
Mein Körper hat einige davon. Jede Narbe erzählt eine Geschichte.
Die an meiner Schläfe, ganz klein und kaum zu sehen… Da hat meine Mutter mich versehentlich beim Pony schneiden mit der Schere erwischt, als ich noch kleiner war. Oder die große, fast runde, an meinem Ellenbogen. Ich weiß noch als ich aus der Schule kam, mit dem Fahrrad auf dem Sand in einer Kurve wegrutschte. Es tat gar nicht weh. Aber als ich zuhause ankam, waren die Schuhe und mein Arm voller Blut, meine Oma und meine Mutter waren entsetzt. Eine lustige Narbe. Wenn ich sie sehe, muss ich an ihre Gesichter denken und lächeln.
Meine Narbe am Bauchnabel, als ich zum Geburtstag einen Gutschein für ein Piercingstudio bekam von Freunden. Es war beängstigend, durchbohrt und doch hübsch. Meinem Körper gefiel das durchbohrt sein nicht, die Wunde wollte nicht heilen, bis ich den Schmuck wieder ganz heraus nahm. Die beiden dicken Narben an meinen Schultern. Zeugen einer sehr bangen Woche. Ich dürfe nicht mehr in die Sonne, sagte die Ärztin, nicht mit der genetischen Prädisposition. Eine Woche warten – dann: alles in Ordnung, noch kein Hautkrebs. Glück gehabt. Die jüngste Narbe , meine rechte Hand, noch rosa, wenn sie kalt oder warm wird. Einmal nicht aufgepasst beim Kaffee kochen und verbrüht.
Und dann gibt es Narben, die nie verheilen. Keine rosa Haut, die über die alten Wunden wächst, die langsam verblassen. Nachts brechen sie wieder auf, rufen schlechte Träume hervor und schmerzen. Nacht für Nacht und Tag für Tag. Punkte in Deinem Leben, Ereignisse, Menschen, Liebe und Schmerz und Wut und Trauer.
Was wären wir ohne die Narben auf unserer Seele und Haut?
Nur Puppen, ganz glatt und porentief rein, ohne Geschichten und ohne unsere Ecken, Kanten und Furchen. Makellos und langweilig-einheitlich, mit Kaugummilachen.