Heilende Träume

Ich erinnere mich, schon einmal über besondere Träume geschrieben zu haben. Diese Woche habe ich wieder erlebt, wie mein Unterbewusstsein reagiert und sich selbst einen großen Gefallen tut, indem es heilende Erinnerungen herauskramt.

Nach einer furchtbaren Woche auf der Arbeit, in der ich fast jeden Abend zuhause geheult habe, kaum eine Nacht schlafen konnte und vor Erschöpfung nur noch Löcher an die Decke starren konnte – ich glaube, man nennt das auch “innere Kündigung vorbereiten” – konnte ich mich nicht einmal auf das Wochenende freuen. Ich stecke momentan so tief in verschiedenen Arbeitsprozessen, dazu war noch eine Kollegin krank, ein neuer Mitarbeiter wartete ratlos auf meine Anweisungen…es war einfach zu viel und die Belastung ließ mich auch am Freitagabend nicht los. Zu dem gab es noch Kritik “von oben”, dass ich mit der Situation nicht ausreichend gelassen umginge. Kennt ihr das, wenn man Auseinandersetzungen hat, wo die Worte noch tagelang nachhallen? So ging es mir und so war ich am Freitag nicht in der Lage, irgendwas zu tun oder sagen. Mein Schatz schaute fernsehen, ich schaute meine Löcher an die Decke und zwischendurch heulte ich immer wieder.

In der Nacht hatte ich dann den allerschönsten Traum, den man haben kann: Ich war wieder Kind. Mein Bruder war noch klein, meine Mutter zeigte keinerlei Anzeichen ihrer späteren Krebserkrankung, ich hatte noch meine Kindheit. Das weiß ich, weil ich einen Stapel Bücher dabei hatte. Zu der Zeit, als ich noch 10 Bücher die Woche aus dem “Bücherbus” holte, da war die Welt für mich noch in Ordnung. Wir fuhren mit meiner Mama auf eine Art Campingplatz, unsere Ferienwohnung dort war ein riesiges Zelt. Nicht besonders komfortabel oder schön, aber mit ein paar Klappstühlen im Grünen und ich hatte ja meine Bücher. Und das Beste: Das Zelt stand auch noch in Nordseenähe!

Als ich aufwachte, musste ich zwar wieder heulen, weil die Erinnerung  an meine Mama auf einmal wieder so frisch war…dennoch fühlte ich mich nicht mehr so erschöpft. Es war, als hätte mein Unterbewusstsein einen Riegel vorgeschoben:Ich konnte schlafen, habe mich erholt und statt von Arbeit, Kollegen und bösen Worten  einfach von meiner Kindheit geträumt, wo alles noch sicher war und meine Mutter das impersonifizierte Glück darstellte.

Ich glaube, diese Selbstheilung ist etwas, das mir in die Wiege gelegt wurde. Manche Menschen haben das vielleicht nicht und drehen irgendwann durch. Auch wenn ich diese Woche von verschiedenen Personen in meinem Umfeld den Satz gehört habe “Pass mal auf, dass Du kein Burnout bekommst” – ich glaube nicht, dass mir das passieren würde. Ich kann weinen, ich kann laut schreien (ja, lieber Chef: Aggressivität ist nicht gerade bester Führungsstil, aber es ist ein Ventil!) und wenn es hart auf hart kommt, schnappe ich mir eben im Traum meine Bücher und meine Kuscheltiere oder setze mich mit meiner Mama auf Umzugskartons und rede.

Meine Träume beruhigen mich und machen mich wieder stark, durchzuhalten. Eine Woche noch, dann habe ich Urlaub und fahre in die Heimat – endlich. Heute Nacht habe ich übrigens eine neue Hunderasse kennengelernt und den gesamten Traum lang nur Pferde gestreichelt und mit freundlichen Hunden gespielt. 😉