Frühlingslärmen

Der erste Frühlingstag. Spazieren gehen im Park von Bad Salzuflen. Hier hatte ich im Winter eine tolle Zeit bei langen Fotosessions in der Kälte, an gefrorenen Wasserläufen. Im Winter geht niemand lange in den Kurpark, schon gar nicht in den angrenzenden Wald. Jetzt im Frühling hingehen herrscht wieder Getümmel. Alles bevölkert die Bänke vor den Blumenrabatten, bewundert die prächtigen Meere aus gelben, lila und weißen Stiefmütterchen.
Nichts für mich. Ich finde es spannend, mich dabei zu beobachten, wie sich mein Geschmack in Bezug auf meine Fotos inzwischen schon verändert hat. Blumenbeete, Springbrunnen, Skulpturen? Das gibt mir nichts mehr und die Menschenmenge geht mir auf die Nerven. Dann doch lieber erfolglos versuchen, die ersten Bienchen im Sucher zu erwischen. Grashalme in der Sonne knipsen. Eine Stunde lang auf einem bemoosten Stein am Bachlauf hocken. Atmen. Warten. Auf einen Vogel vielleicht oder ein Eichhörnchen. Aber es kommt kein Tier vorbei und das ist völlig in Ordnung denn es tut trotzdem gut, lange draußen zu sein.
Das einzige was meinen perfekten Tag trübt, sind die anderen. Warum können Menschen nicht einfach stille Beobachter sein, aufmerksam, leise?
Laut klatschend, quatschend, die düdelnde Handymusik aufgedreht, trampeln sie sich – natürlich immer in Gruppen – ihren Weg, den herrlichen Frühlingstag zu „genießen“. Vertreiben die Vögel, die sich gerade im Bach baden wollten. Ziehen Parfümwolken hinter sich her und verpassen somit allem ihren Anstrich. Man kommt nicht an ihnen vorbei, den Menschen. Immer wieder drängt sich mir auf „ja, das da, was sich gerade so unangenehm anfühlt, ist deine Spezies. Finde dich damit ab.“
Mensch und Natur scheinen manchmal so unvereinbar zu sein. Nicht einmal inne hält er, das Erwachen in der Natur zu sehen, hören, riechen – zu sehr ist man mit sich selbst und seinem Lärm beschäftigt und damit, die Aufmerksamkeit anderer Menschen nicht zu verlieren. Dabei sind gerade hier nahe der Stadt die kleinen Oasen so wichtig für unsere Seele. Wenn wir doch nur einmal Ruhe geben und Ruhe annehmen würden.

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
— Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab‘ ich vernommen!

(Er ist’s, Eduard Mörike)

Kurparksee, Bad Salzuflen