Blumen im Juni

Früher, als ich klein war, habe ich an diesem Tag morgens immer im Garten Blumen gepflückt und den Frühstückstisch für Dich gedeckt. Es ist die beste Zeit, um Geburtstag zu haben. Dein Fliederbaum blüht – ebenso alles andere im Garten.

Heute bleibt nur, mich daran zu erinnern und mir zu wünschen, ich könnte nochmal klein sein. Dann würde ich Dir einen furchtbaren Kuchen backen in dieser Herzchen-Porzellanform, eine Karte malen mit einem Haus und einer Sonne und Blumen und einem Pferd, auf das bis zu fünf Leute passen und dann darauf warten, dass Du wach wirst und ich Dir zum Geburtstag gratulieren kann…

Urlaub in St. Peter Ording. (wahrscheinlich 1999)

Lachanfälle. St. Peter Ording, 1999

“Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.” (Dietrich Bonhoeffer)

 

The edge of reason

In etwa fünf Stunden ist es nun soweit. Es ist der Vorabend zu meinem 30.Geburtstag.
Dreißig werden…das fühlt sich noch so weit weg an. Dreißig, das sind in meinem Kopf irgendwie doch alles Erwachsene, Leute mit Kindern, verheiratet, angekommen im Leben und schon viel weiter, als ich es mich fühle. Mit 30 hatten meine Eltern schon zwei Kinder in die Welt gesetzt und für mich waren das die tollsten, vorbildlichsten Eltern überhaupt. Ich fühle mich immer noch nicht “groß”, an den Gedanken, einmal Kinder zu haben, kann ich mich zur Zeit echt nicht gewöhnen. Verheiratet? In weiter Ferne. Und anstatt schon seit Jahren im Leben angekommen zu sein, verbringe ich meinen Geburtstag passenderweise mal wieder auf der Autobahn – zwischen der Heimat und meinem Wohnort pendelnd, an den es mich verschlagen hat, um endlich einmal ans Arbeiten zu kommen.
Ein wenig wehmütig werde ich heute abend schon.
Dreißig werden, das klingt so nach Bridget Jones, nach treuen Freunden und blauer Suppe…und nach dem perfekten Mr.Darcy, der einen endlich als die tolle, selbständige wenn auch tollpatschige Frau schätzt, die man schon lange ist. Die Zwanziger liegen hinter uns. “Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf” heißt es…Ich habe das Gefühl noch mittendrin zu sein – ohne Plan, wie das mit der Grazie und Gelassenheit im Leben eigentlich geht.
Bis dahin lese ich vielleicht nochmal das Buch…vielleicht kommt die gefühlte Dreißig dann ja doch noch. Und dann werd ich mich darüber freuen, dass ich jünger aussehe.