Herbstimpressionen

Ich weiß ich habe lange nicht geschrieben. Momentan geht alles seinen Gang: Arbeiten, nach Hause kommen, Zeit genießen. Ich bemühe mich diesen Herbst sehr darum, im Moment zu leben und achtsamer zu sein für mein Leben, das doch im Grunde sehr glücklich und gut ist. Darum bemühe ich mich, mich weniger über Sachen zu ärgern, die sich dadurch auch nicht verändern – was mir nicht immer gelingt – und gleichzeitig mehr von den Dingen zu tun, die ich vernachlässigt habe. Darum kann ich meine letzten paar Wochen wohl am besten in Bildern beschreiben, denn das habe ich am häufigsten gemacht: Fotos. Ich habe einen weiteren Fotoworkshop besucht, war viel in der Natur unterwegs. Meine Leseliste wächst und ich habe ein paar schöne Tage und Abende mit lieben Menschen verbracht.
So viel Balance. Da fällt mir dann auch echt nicht mehr zu ein.

Genießt den Herbst in vollen Zügen, denn es ist die Jahreszeit für Dankbarkeit: Für das herrliche Laub, die Ernte, unseren Wohlstand, Freunde.
Vergesst nicht die, die ihr lieb habt und genießt jede Sekunde mit ihnen.

MeinHerbst2015

Auf dem Vormarsch

Die Herbstdepression kommt früh in diesem Jahr. Es sind anstrengende Wochen gewesen. Hatte ich nicht in einem meiner letzten Posts noch geschrieben, es sei mir eindeutig zu ruhig?
Nun, das hat sich erledigt und ich habe in wenigen Wochen all das erlebt und an Gefühlsbädern mitgemacht, wofür manch anderer sein Jahrzehnt braucht. Wenn meine Schicksalsgöttinnen was machen, dann gründlich!
Ich habe meinen Job gekündigt. Es war nach vier Jahren an Langeweile und Frust nicht mehr zu überbieten. Wie das immer so läuft bei mir: Eines Morgens stand ich plötzlich heulend vor dem Büro und wusste, das hier hältst du keinen Tag länger aus. Wie das immer so läuft bei mir (zu Glück): Beworben, eingeladen worden, neuen Job gefunden. Vorher wurde noch schnell geheiratet – eine kleine Feier an meinem Herzensort St. Peter-Ording, von der ich euch ein andermal erzählen mag. Traumschöner Kurzurlaub in Venedig. Zu kurz. Kein Runterkommen. Weiter Vollgas. In unserer Wohnung, die sich schon lange zu eng anfühlt, stapeln sich unbeantwortete Karten, unausgepackter Kram aus dem alten Büro, ungewaschene Wäscheberge. Heute dann der erste Tag im neuen Job, so viele neue Impressionen, eine wirkliche Herausforderung, nicht völlig dumm da zu stehen, so anders ist das Arbeiten in der Agentur. Aber alle sind nett und ich bin zuversichtlich, dass ich das schon hinbekomme. Doch da ist die Herbstdepression bereits auf dem Vormarsch. Ich schwanke zwischen wahnsinnig glücklich und spiele gedankenverloren an meinem nagelneuen Ehering, dann heule ich wieder in tiefster Trauer über den Verlust meines geliebten Gefährten Einstein, unserem Kater, der am Tag nach unserer Hochzeit eingeschläfert werden musste.
Alles im Leben liegt wahnsinnig nah beieinander und dies wieder einmal festzustellen, zehrt an meinen Kräften. Mein Mann (ich freue mich wie Bolle, das sagen zu können) und ich liegen sehr lange wach in diesen Tagen und schmieden Zukunftsängste. Wohin soll es gehen, was soll aus uns werden? Wie kann man optimistisch in die Zukunft sehen, wenn der schönste Tag schon vorbei ist, wenn man nicht weiß, was Morgen bringt und auch nicht wissen möchte? Europa steht in mitten all dieser Kriegsschauplätze und auf einmal rücken Überlegungen wie Auto, Kinder, Reisen in die weite Ferne der Relation. Gesundheit, Sicherheit, Zeit verbringen mit unseren Lieben, so lange sie da sind, das ist doch wichtiger.
Hin- und her gerissen zwischen noch so vieles wollen und bloß nicht später bereuen. Ist das der Fluch der Mittdreißiger oder nur unserer, der von jungen Menschen, die sich zu früh im Leben verlaufen haben und vor lauter Wald den Baum mit dem Wegweiser dran nicht mehr finden?

Ich weiß es nicht. Aber ich werde ganz sicher auch diese Nacht, trotz der Erschöpfung, wieder wach liegen und darüber grübeln. Passt auf euch auf, und haltet die Augen offen nach den ersten Kastanien und den letzten goldenen, wärmenden Strahlen der Herbstsonne.

Regen

Heute muss ich mal mit Euch über’s Wetter reden. Aus gegebenem Anlass. Kaum hat es in Hamburg mal zwei Tage am Stück geregnet und es wird ein wenig kühler, fangen alle an zu heulen. Vermutlich so wie Noahs Kumpels damals, als er die Arche gebaut hat. Das Projekt hat er mit Sicherheit nur gestartet, weil ihm die Herbstjammerei seiner Mitmenschen auf den Sack ging.
Ich liebe das Herbstwetter. Ja, auch den Regen.
Endlich kann ich die gemütlichen Klamotten hervor holen und mich auf den kuscheligen Teil des Jahres freuen. Ohne schlechtes Gewissen drinnen bleiben. Kakao trinken, Bücher lesen, Fußbodenheizung. Keine überfüllten Plätze mit Zwillingskinderwagenpärchen. Einfach die fette Langeoog-supadupa-Regenjacke an und meine Santa Claus-Gummistiefel <3

Der Regen vertreibt sie alle und das Deck der Hafenfähre ist wieder meins.
Vielleicht macht gerade das den Herbstregen so schön für mich, das die anderen ihn meiden?

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Na klar, die ganze Grillerei und so war schön, aber nun, liebe Leute, ist die Zeit der Sammler gekommen! Regen im Herbst riecht nach Laub, Kastanien und Pilze finden im Wald – alles Dinge, die ich wahnsinnig toll finde.
Erinnerungen an den Sommer und all die Dinge, die man diesen Sommer wieder nicht geschafft hat (wieder in einen Bikini passen, die Kanutour auf der Alster, eine Sitzgarnitur für den Garten anschaffen) kommen in den großen Koffer. Zusammen mit Kleidchen, Röcken und nie getragenen Flattertuniken aus Cala Ratata.
Nächstes Jahr, wenn im März mal wieder zwei Tage nacheinander über zwanzig Grad sind, werden wir den Koffer hervor holen. Werden uns über all die Schätze freuen.
Der Traum macht den Sommer! Vor allem in Deutschland…

Frederick und die Farben

Kennst Du Frederik?

Ich hatte das Glück, eine Grundschullehrerin zu haben, die ein Faible für die Kinderbücher des italienischen Autors und Grafikers Leo Lionni hatte. In seinen Büchern geht es meistens um das Anderssein. Frederick, eine seiner Hauptfiguren, ist anders als die anderen Mäuse. Während sie den ganzen Sommer über fleißig Vorräte anschaffen gehen, liegt Frederik faul in der Sonne. Alle beteiligen sich daran, genug Essen für den langen harten Winter zu sammeln. Nur Frederick nicht – was die anderen Mäuse natürlich ziemlich doof finden. Als dann der Winter kommt, erweist sich Frederick dann doch als sehr nützliches Mitglied der Gemeinschaft: Als den anderen Mäusen in ihrem Winterlager, die Bäuche vollgefuttert, scheißlangweilig wird, ist Frederiks Moment gekommen: Er hat Farben gesammelt. Den ganzen Sommer über. So erzählt er den anderen vom Rot der Mohnblüten und all anderen wunderbaren Farben und versüßt ihnen damit den Winter.
Ich bin wie Frederick. Ein Farbensammler. Vielleicht liegt es daran, dass ich sehr schlecht sehen kann und die Umgebung für mich oft einfach zu einem konturlosen Farbbrei verschwimmt. Ich liebe Blautöne, Türkistöne, Lilatöne und alles, was die Farben von Beeren hat. Aber ich mag auch alle Schwarz, Grün- und Grauschattierungen, Pastelltöne, die Farben von Polareis, sogar Rottöne, vor allem wenn sie nebeneinander auftauchen oder mit Blaustich, so wie Bordeaux- oder Weinrot. Einzig mit Orange und Gelb kann ich nicht so viel anfangen – außer vielleicht in einem Sonnenuntergang. Farben bestimmen, was ich täglich trage, denn sie beeinflussen meine Stimmung enorm. Einmal als ich jünger war habe ich in meinem Jugendzimmer eine ganze Wand in einem satten Türkiston gestrichen. Meinen Bruder erinnerte das an ein Aquarium. Ich fühlte mich darin sehr wohl. Ich wähle mein Duschgel nicht nach dem Duft, sondern nach der Farbe aus und könnte mich stundenlang freuen, wenn Licht durch ein Weinglas schimmert und den Wein rubinrot zum Leuchten bringt…Farben sind wichtig und jede Jahreszeit hat ihre eigenen.

Darum finde ich es überhaupt nicht schlimm, dass nach den hellen Farben des Sommers, dem satten Grün, den bunten Blumen nun der Herbst kommt. Denn er hat die schönsten Farben. Kastanien z.B. könnte ich stundenlang betrachten, sie sind einfach wunderschön. Geht mal raus an einem Herbsttag, schaut Euch das Rot und das Gelb an, das Braun der Kastanien und das Blau des Himmels, es leuchtet nie schöner als an einem Herbsttag.

Einfach mal Farben tanken.

 

P.S.: Sehr schön ist auch die Geschichte von Swimmy, dem schwarzen Fisch im Schwarm.