Morgenstund

„Die Frühschicht schweigt, jeder bleibt für sich.“ (Peter Fox)

Irgendwie hat es einen besonderen Zauber, wenn man der Welt beim Aufwachen zuschaut. Wenn wir früher morgens zu Fuß die unfassbare Strecke zwischen Club und Heimatdorf übers Feld gelaufen sind. Wenn man irgendwo hin fährt und morgens um fünf in ein Taxi steigt und dann mit der Bahn vorbei an erwachenden Orten. Wenn man eine Nacht irgendwo anders als im eigenen Bett verbracht hat und früh abhaut. Oder wie heute, wo ich nicht schlafen kann, es aufgebe und beschließe, die Erste im Büro zu sein.

Morgens, wenn Deine Stadt erwacht, wenn die Straßenlaternen erlöschen, hat sie einen besonderen Zauber. Aus den Backstuben duftet es, das nasse Laub mischt sich mit diesem Geruch – die ganze Luft noch kühl und frisch weil noch kaum ein Auto unterwegs ist.
In Gedanken eher noch dort, wo Du im Traum unterwegs warst. Oder aber bei dem, was Dich die Nacht über wach gehalten hat.
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Sogar Menschen sind um diese Zeit erträglicher, entladen blinkende Lieferwagen, brühen Kaffee, verstecken sich hinter der Morgenpost. Nur noch nicht reden, nicht kommunizieren müssen. Morgenstund‘ hat vor allem Stille im Mund.
Dennoch wird aus mir leider nie ein Frühaufsteher werden, dafür liebe ich die Nacht zu sehr.

Und während ich durch die Straßen laufe wird langsam schwarz zu blau (Peter Fox)