The fault in our stars

Eigentlich möchte ich hier gar nicht nur noch Buchbesprechungen schreiben, sondern lieber selbst schreiben und nicht kommentieren, was andere vor mir geschrieben haben. Andererseits gibt es Bücher, selten zwar aber dafür umso kostbarer, die ich am liebsten gerne selbst geschrieben hätte und die deswegen Herzensdinge sind – und für Herzensdinge ist mein Blog ja da.

In John Greens „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ verliebte ich mich sofort wegen seines Titels. Ich dachte „genau!“ und griff nach dem Buch, als ich es in der Kölner Bahnhofsbuchhandlung entdeckte. Ich schlug es auf, las den englischen Originaltitel, „The fault in our stars“ – und verliebte mich noch viel mehr. thefaultinourstars.jpg

Ich gebe zu, ich war skeptisch, als ich begann, es zu lesen. Ein Buch, in dem zwei jugendliche Protagonisten Krebs haben – möchte ich das wirklich lesen? Nach dem ersten Kapitel wusste ich: Ich möchte nicht nur, ich muss. Helen ließ mich nicht mehr los, denn sie hasst es, wenn Menschen ihr komisch begegnen, weil sie Krebs hat. Ehrlich und direkt ist Helen, wie man es vielleicht nur kann, wenn man als junger Mensch schon so viel erlebt hat, wie andere Menschen in einem ganzen Leben. „Krebskinder sind eine Nebenwirkung der unermüdlichen Mutation, die die Vielfalt des Lebens auf der Erde sichert“ sagt Helen einmal – und diese Geschichte nimmt uns mit in ihre Welt, realistisch, ohne den Pathos und Kitsch, den andere Bücher zum Thema oft mit sich bringen. Nicht so in Greens Roman, der vom Leben (und Sterben) in all seiner Traurigkeit – aber auch in seiner Fülle erzählt.

Helens Todesurteil „unheilbar“ ist nur aufgeschoben, als sie in der Selbsthilfegruppe Augustus kennen lernt, der durch ein Osteosarkom ein Bein verloren hat. Die beiden verbindet bald eine Liebe, wie sie jeder einmal im Leben erlebt haben sollte. Stundenlang reden, sich alles erzählen oder schweigen und keinen Moment daran zweifeln, dass man den anderen immer und überall hin begleiten wird. Auch dann, wenn das Schicksal sich am Ende als ein mieser Verräter erweist und nichts übrig bleibt außer einer Ansage auf der Mailbox, die du dir immer wieder anhören möchtest.

Auch wenn ich mir als Leser Happy Endings wünsche, so machte mir Helen sehr schnell klar, dass ihre und Gus‘ Sterne von Anfang an nicht günstig standen – und ich konnte es akzeptieren. Ihre Krebsgeschichte, das sind eben die vielen Schläuche, das Krankenhausweiß und die freundlichen Pfleger, Kinder in Rollstühlen, besorgte Angehörige, Freunde, die einen anders behandeln, das Abschied nehmen von Leidensgenossen. Aber es ist auch das Besondere in einem Glas Champagner an einem einzigen perfekten Abend in Amsterdam, dem Atmen des geliebten Menschen neben Dir, seine Hand zu halten und einen Moment lang die Zeit langsamer laufen zu lassen. Greens Roman fasst zwischen zwei Buchdeckeln das Äquivalent eines ganzen Lebens: Seine Figuren sind realistisch und alleine damit gelingt dem Autor in meinen Augen, dass diese Geschichte überhaupt erträglich erzählt werden kann. Helens und Gus‘ hinterlassen Spuren wie wir alle. In den Erinnerungen anderer Menschen, die uns zu mehr machen als eine reine Nebenwirkung oder eine Momentaufnahme des menschlichen Lebens.

„Es gab eine Zeit, bevor die Organismen zu Bewusstsein kamen, und es wird eine Zeit danach geben. Und wenn es die Unausweichlichkeit des menschlichen Vergessens ist, die dir Angst macht, dann rate ich dir eins: ignorier sie einfach. Das ist weiß Gott, was alle anderen machen.“