Vienna calling

„Wien, Wien, nur du allein, sollst stets die Stadt meiner Träume sein!“ hat schon meine Oma Käthi gesungen. Auch bei mir stand die Stadt an der Donau weit oben auf meiner Liste mit Dingen, die ich in diesem Leben noch tun und sehen möchte. Leider war es uns nicht vergönnt, mit Oma gemeinsam dort hin zu reisen und jedes Mal, wenn ich es danach in Angriff nehmen wollte, kam irgendetwas dazwischen. Dieses Jahr war es dann endlich soweit: Foto vom DonaukanalBewaffnet mit einer Handtasche von Oma, einem Wien-Reiseführer, den wir ihr einmal geschenkt hatten und meiner Kamera, ging es im Juni dieses Jahres für vier Tage in Österreichs Hauptstadt. Und was soll ich Euch sagen? Es war genauso schön, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber auch anders.

Immer, wenn ich an Wien dachte, habe ich mir schnuckelige Häuser und Altstadt-Gassen, Kaffeehäuser mit Spitzendeckchen, beeindruckende Schlösser, Bauten und blühende Gärten ausgemalt. Klar, das alles gibt es auch, doch drumherum und darüber ist Wien eine sehr moderne Stadt mit einem an Italien oder den Balkan erinnernden Straßenbild, die voller Leben, Kunst, flottem öffentlichem Nahverkehr und hippen Esslokalen steckt.

stop eating animalsLetztere Begebenheit haben wir übrigens sehr ausgekostet: Ich habe in den vier Tagen so viel gegessen wie selten, denn Wien bietet für Veganer paradiesische Möglichkeiten! Angefangen mit dem österreichischen Klassiker im Strudls, über israelische Küche mit Pitataschen mit köstlichem gegrilltem Blumenkohl, Frühstück auf spanisch und Schlemmerei im rein pflanzlichem Burger-und-Pommes-Tempel von dem ich inständig hoffe, dass es das Franchise irgendwann bis nach Deutschland schafft. Gleiches gilt für das fantastische Eis bei Veganista: Wo sich andere immer noch schwertun, lecker schmeckendes Eis ohne Soja-Pappgeschmack hinzubekommen, gibt es hier traumhafte Sorten wie Melone, Mohn, Peanut Butter und Cookies als riiiiesige Bällchen im kompostierbaren (Doppel-Daumenhoch hierfür!) Becher. Besonders gefreut hat mich außerdem die Wasserqualität, die so gut ist, dass man das Wasser aus dem Hahn bedenkenlos trinken kann. So wird man denn auch in allen Cafés und unterwegs aus Brunnen bestens mit Wasser versorgt – was bei den Temperaturen hier im Sommer (und dem leichten Kater) ideal war.

Votivkirche Genug vom Essen (Bilder davon gibt’s selbstverständlich Instagram zu sehen ;-)) – da war doch noch mehr zu entdecken? Ach ja, die Bauten! Davon hat Wien nun eine ganze Menge zu bieten, wobei mich besonders die begeistert haben, an denen keine Busladungen asiatischer Touristen für ein Selfie durch Blumenrabatte trampelten. Wirklich, so schlimm wie hier habe ich das noch nicht erlebt: Leute steigen aus dem Bus aus, knipsen wild herum ohne irgendwas wirklich zu sehen, dann im Souvenirladen noch schnell ein Mini-Dirndl, eine Maß oder eine Kuckucksuhr gekauft und ab in den Bus zur nächsten Sehenswürdigkeit. Zum Glück haben wir das anders gemacht, nämlich hauptsächlich zu Fuß. Von unserem kleinen Hotel am Brillantengrund im 7. Bezirk aus konnten wir prima die ganze Stadt erkunden. Klar haben wir die „wichtigen“ Attraktionen wie den Prater, das Hotel Sacher, den Stephansdom und das Schloss Schönbrunn Schloss Schönbrunn angeschaut, aber immer so weit abseits von den Touristenhorden, wie nur möglich. Am Schloss Schönbrunn gibt es tolle weitläufige Parkanlagen, wo kein fußfauler Businsasse sich hin verirrt. Am berühmten Hundertwasser-Haus haben wir nur schnell ein Bild geknipst und schnell weg da. Viel schöner war es ganz in der Nähe im Kunsthaus Wien und am Donaukanal gleich hinter dem Haus.

Wir hatten das große Glück, dass noch alte Freunde aus Schatzis Zeit in Wien hier wohnen. Dadurch bekamen wir neben einer wunderbaren Insider-Stadtführung (Dankeschön an dieser Stelle nochmal an Sarah und Johannes!) über den Naschmarkt (ESSEN!!! <3)Über den Naschmarkt bis zum wunderschönen Schlösschen Belvedere auch Einblicke in das richtige Nachtleben Wiens – nicht im „Bermudadreieck“, sondern im Museumsquartier, wo man draußen sitzt wie im Süden (genaugenommen ist es ja Süden) und heimlich „16er-Blech“ (Wienerscher Code für Ottakringer Dosenbier) aus Studenten-Rucksäcken verkauft bekommt. Besondere Empfehlung für einen Absacker (oder auch zwei für eins, wenn man nicht aufpasst…): Die urgemütliche Kneipe“Stehbeisl„. Schloss Belvedere
Leider reichten die vier Tage wirklich nur für die absoluten Highlights dieser Stadt (und viele Restaurantbesuche ;-)). Den Zentralfriedhof, die Museen und einen Abend in der Standbar Herrmann bei Live-Musik haben wir dann also für den nächsten Besuch auf dem Plan. Und der wird sicher nicht lange auf sich warten lassen. Katzencafés, reichlich Sonne, nen Fluß, vegane Köstlichkeiten und super nette, offene Menschen mit einem Dialekt zum Knutschen – was will man mehr?

Weitere Fotos von der Reise (weitgehend ohne Touristenköppe drauf) gibt’s in meinem Flickr-Album zu sehen.

Schreibe einen Kommentar