Vier Arten, die Liebe zu vergessen

Das Buch „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“ von Thommie Bayer hatte ich einer lieben Freundin zum Geburtstag geschenkt – und konnte natürlich nicht widerstehen, es mir auch gleich selbst zuzulegen. Das Taschenbuch erscheint zwar erst im Oktober, aber auch die Hardcover-Ausgabe ist, wie ich finde, jeden Cent wert. Ich gebe zu, es hat für meine Verhältnisse ein wenig zu lange gedauert, dieses Buch zu lesen. Völlig unverständlich, denn wenn man einmal „drin“ ist, liest es sich wie ein einziger Gedankenfluss.

Thommie Bayer liegt mir als Autor sehr am Herzen, seit ich 2009 im Rahmen meines Volontariats auf einer Lesung von ihm im Hamburger Literaturhaus war und einen Blogeintrag über diesen wahnsinnig sympathischen Autor und sein Buch „Aprilwetter“ schrieb, der leider nicht mehr online zu lesen ist 🙁 Ich las daraufhin „Eine kurze Geschichte vom Glück„, das ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.

Klar, dass ich auch „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“ unbedingt lesen musste. Es geht um vier Männer, alte Jugendfreunde, die einander seit 20 Jahren nicht gesehen haben und zur Beerdigung ihrer Lehrerin Emmi wieder aufeinander treffen. Die Vier, die früher nicht nur Freunde, sondern auch eine Musikband gewesen waren und nun so völlig unterschiedliche Leben fern voneinander führen, verabreden sich zu einem Wiedersehen bei Michael in Venedig.

Vier Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch miteinander verwoben und verbunden sind, durch ihre Frauengeschichten, die Musik, die immer noch in ihnen allen klingt und durch Erinnerungen. Thommie Bayer gelingt es wieder einmal virtuos, die parallelen Erzählstränge, Venedig im Wechsel mit den Erinnerungen der Vier, die sich durch das Buch ziehen und Stückchen für Stückchen die ganze Geschichte der Freundschaft offen legen, zu verbinden. „Gefühlvoll“ und „musikalisch“ erzählt er, so dass man sich auch als Frau hineinversetzen kann in diese Gefühlswelt von mittelalten Männern. Ein paar Mal – und auch das gelingt Thommie Bayer stets ohne vorankündigende Trommelwirbel – macht die Erzählung schmunzeln und weckt große Sympathien selbst für den verschrobensten Charakter. Meine Lieblingsstelle:

„Das Frühstück verlief in dem typischen, scheinbar mürrischen, in Wirklichkeit aber einfach nur gelassenen Schweigen, mit dem sich Männer auf der ganzen Welt in den Tag hineintasten. Wenn sie unter sich sind und nicht eloquent sein müssen.“

(Thommie Bayer: „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“, S.216)

Es ist schwierig, nicht zu viel zu verraten, denn so wie der Protagonist Michael erfährt man auch als Leser erst nach und nach, was das Leben mit den vier Freunden angestellt hat. Mit der wachsenden Vertrautheit, der nötigen Zeit, die Männer einander für solche Gespräche lassen, kommen diese Ereignisse und Gefühle ans Licht.

Fazit: Am besten selbst lesen und sich verlieben in diese vier komischen Kerle, irische Musik, venezianische Plätze – und wieder einmal in Thommie Bayers Schreibkunst!

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