Zum Welt-Vegantag

Ich kann mich glücklich schätzen, in einer toleranten Umgebung aufgewachsen zu sein. Frei nach dem Motto „jede Jeck es anders“ gab und gibt es in meinem sozialen Umfeld für so ziemlich alles und jeden Verständnis und Support. Außer, wenn’s ums Essen geht. Da akzeptieren viele, wie ich in den letzten vier Jahren veganer Ernährung erkennen musste, keine Abweichung von der Norm. Als würde ich die Menschen persönlich in ihrer Ehre kränken mit meiner persönlichen Entscheidung, was ich essen mag und was nicht.

Gedankenspiel

Dieses Verhalten kann ich mir nicht erklären, aber zum besseren Verständnis für alle Nicht-Veganer: stellen wir uns kurz einmal vor, du hättest eine Allergie gegen – sagen wir mal – Kartoffeln! Du gehst also mit deiner Familie oder Bekanntenkreis in ein Restaurant. Schon vorher wird lange per WhatsApp diskutiert, ob es da denn wohl „auch was für dich“ gibt. Du sagst hey, es gibt überall was ohne Kartoffeln, lasst uns einfach gehen, zur Not gibt’s immer noch Nudeln. Im Restaurant scannt jeder zweite erstmal die Speisekarte auf Kartoffelgerichte durch – und liest sie dir laut vor mit dem Kommentar „Ach, das KANNST DU JA NICH“. Der Kellner kommt, du hast dir stillschweigend ein Nudelgericht rausgesucht, doch wie immer Jemand kommt dir zuvor: „HAMSE AUCH WAS OHNE KARTOFFELN? DER DA HAT NÄMLICH ALLERGIE!“ Alle am Tisch und auch an den benachbarten Tischen gucken dich jetzt an, als wäre das was ansteckendes. Der Keller gibt sich Mühe, die paar kartoffelfreien Gerichte aufzuzählen, er vergisst dabei, dass auch Wodka und Kartoffeldressing immer noch Kartoffel enthalten… aber wir wollen nicht kleinlich sein. Als er endlich fertig ist und du deine Bestellung aufgibst, gibt es erleichtertes Nicken am Tisch, so als hätten sie gerade die Kubakrise abgewendet. Dein Essen kommt und alle Augenpaare sind auf deinen Teller gerichtet. Es hagelt Kommentare wie „Oooh, das schaut aber fein aus, oder?“ (als wärst du 3 Jahre alt) „Oooh, das hätt‘ ich nicht gedacht, dass ein Essen ohne Kartoffeln hinkriegt!“ (Hallo? Das sind Köche!) manchmal auch „Wirst du denn davon satt, so ganz ohne Kartoffeln?“. Du isst einen Happen – was wenig Spaß macht, wenn alle zugucken – und wappnest dich für das, was danach ganz sicher kommt: Die Diskussion um den Nährwert von Kartoffeln und was du alles verpasst und dass du wahrscheinlich bald krank werden und vom Fleisch (haha) fallen wirst ohne Kartoffeln in deiner Ernährung – denn plötzlich sind alle am Tisch ganz große Ernährungswissenschaftler und Mediziner und kennen sich unheimlich gut damit aus, was der Organismus dringend für ein gesundes Leben benötigt. Dazu bestellen sie sich noch ne Cola, zum Nachtisch einen Ouzo und dann geht’s erstmal raus vor die Türe, eine Kippe rauchen…

Nachbars‘ Teller ist immer grüner

Woher dieses Bevormunden von Menschen, die sich bewusst anders ernähren möchten als es „gelernt“ oder „immer schon so“ war? Ist es ein unterbewusstes Verteidigungsgebaren, weil sie sich moralisch unterlegen fühlen? Was bringt halbwegs intelligente Menschen dazu, Witze auf Höhlenbewohner-Niveau auszupacken, weil jemand das Töten von Lebewesen für den eigenen Konsum ablehnt? Wahrscheinlich das gleiche Phänomen, das Medien dazu bringt, darüber zu berichten, dass ein Discounter „jetzt auch in Curvy-Mode macht“. Etwas ist anders als vorher? Oh-oh, nicht, dass da am Weltbild gerüttelt wird!

Keine Ahnung. Ich bin ein erwachsener, mündiger Mensch und natürlich weiß ich gut genug, was ich in welchen Mengen zu mir nehmen sollte. Mein regelmäßiger Check beim Arzt bestätigt, dass es mir in keiner Weise schadet, meine Blutwerte tipptopp sind und meine Schilddrüse zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt richtig funktioniert. Warum also Postkarte_Veganseindieses sich abgrenzende belehrende Verhalten, welches Spinat-Verächter, Raucher oder Alkoholkonsumierende sich in dieser Form nicht anhören müssen?

Ich betrachte mich eigentlich nicht als Missionarin für den Veganismus. Zumindest rede anderen nicht ihr Essen schlecht. Ich diskutiere – auch wenn ich das durchaus könnte – von mir aus in der Regel nicht beim Essen darüber, warum ich das, was auf den Tellern der anderen liegt, nicht essen würde. Da bin ich ganz einfach der Meinung, dass es bei den Personen selber „Klick“ machen muss im Kopf und ich mit Ekelgeschichten und drastischen Bildern à la PETA nur die Leute gegen mich aufbringe und die Schauklappen hochgehen. Wie es ein Mädel mal so schön beim gemeinsamen Abendbrot im Urlaub ausgedrückt hat: „Ich will gar nicht wissen, was in der Wurst drin ist, sonst krieg ich die nicht mehr runter.“

Vegan sein ist (m)eine Entscheidung

Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden, nachdem ich seit dem 13. Lebensjahr vegetarisch gelebt und immer mehr gelesen und gesehen habe. Der gedankliche Weg von dem leckeren Frischkäse mit der grünen Wiese drauf und der Kuh irgendwo im Stall, die um ihr Kälbchen trauert, ist für die meisten Menschen zu weit her, zu abstrakt. Dem Konsumenten wird eine heile Marketing-Welt mit guter Weidemilch und Bergwiesen und dem Metzger um die Ecke vorgegaukelt, die man zu gerne glauben möchte, um weiter unbeschwert genießen zu können und das unbequeme Umdenken und nach anderen Produkten im Regal greifen müssen, zu vermeiden.
Verstehe ich, denn ich war lange Zeit genau so. Hab mich gegen Pelzmode ausgesprochen, bin gegen Tierversuche demonstrieren gegangen und trotzdem weiter Kuchen mit Ei und mein Käsebrötchen gefuttert. Das waren für mich lange zwei Paar Schuhe – schließlich müssen für Käse ja keine Tiere sterben. Dachte ich.

Irgendwann kam der Punkt (spätestens nach Bettina Hennings Buch „Ich bin dann mal vegan“), seitdem sind die Augen geöffnet und mir war klar – die Ausbeutung von Tieren für Milch und Käse, das kann und will ich nicht mehr unterstützen. Kein Teil  dieser Kette sein, in der Kühe nunmal nicht auf Bergwiesen weiden dürfen – und sorry, lieber Endverbraucher, so funktioniert das im Discounter nunmal nicht. Ich musste mir keine der Dokumentationen wie „Earthlings“ oder „Cowspiracy“ anschauen. Ich war nie in einem Schlachthof. Mir reichen Beschreibungen in Büchern, damit mir wochenlang die Bilder nicht aus dem Kopf gehen und mir beim ansehen einer Packung H-Milch schlecht wird. Meine Augen sind offen und trotzdem macht man Fehler – ertappt sich bei Inkonsequenzen, wenn ich mir Laufschuhe kaufe ohne vorher zu checken, ob alle Teile mit veganem Kleber verklebt sind.

Aufklärung und Respekt

Kein perfekter Veganer bin ich, kein Missionar für die Sache und kein Prediger – ich beantworte gerne Fragen und versuche, durch positives Beispiel mein Umfeld mitzunehmen. Ich koche sehr viel und gerne und mit Genuss denke ich, kann man Genussmenschen überzeugen. Gerne bin ich behilflich, wenn jemand eine vegane oder umweltfreundlichere Alternative sucht. Das Internet ist unendlich – man muss nur wissen, wo man sucht und als jemand, der sich mit diesen Themen bereits beschäftigt hat, fällt es leichter, durchzublicken. Unwissenheit kann man mit drastischen Mitteln versuchen, aufzuklären. Ich bezweifel‘ allerdings, dass mein Umfeld oder meine Kollegen sich zu einem Videoabend mit „Earthlings“ bereit erklären würden. Ich kenne sogar Menschen, die haben das gesehen und können trotzdem weiter Fleisch essen. (Auch wenn mir die ganz ehrlich sehr suspekt sind …)

„Ist dieses Vegansein nicht total teuer?“ Weiß nicht, wie oft ich diese Frage geduldig beantwortet habe. Nein, ist es nicht. Es sei denn du gehst in ein Reformhaus und willst 1:1 alle Lebensmittel, die du vorher genutzt hast, austauschen. Du wirst enttäuscht sein und viel Geld ausgeben. Lerne Lebensmittel kennen und wie man sie zu etwas verarbeitet, was dir schmeckt. Es geht um einen selbst. Es nützt mir nichts, mir vegane Kochbücher zu kaufen, wo jemand mit Kombucha und Fenchelsamen und ganz viel Spitzkohl Süppchen kocht – das mag ich einfach nicht. Ich mag Gebäck. Ich mag es würzig. Und ich mag viel essen! Sich er-nähren macht Spaß und gibt dem Körper mehr als fertige Pakete, die mit viel Chemie haltbar gemacht im Regal auf einen Käufer warten. Eigentlich logisch. Es ist auch nicht „voll zeitaufwändig“. Es gibt unglaublich viele Seiten und YouTube-Kanäle (Tipp: Cheap Lazy Vegan!) mit Tipps.
Warum sollte Kochen ohne Milchprodukte und Fleisch länger dauern als mit? Und warum sollte es teuer sein, etwas wegzulassen?

Du bist, was du isst

Abgedroschen, aber wahr. Teile von toten Tieren in sich reinstopfen mag sozial völlig akzeptiert sein, ist aber weder eine attraktive Vorstellung noch leuchtet es ein, dass das mehr für den Körper tut als eine Schüssel verschiedenster lecker zubereiteter Gemüsesorten. Ich freue mich auf eine Zeit, in der es akzeptiert wird, dass man sich lieber pflanzlich ernährt. Es me at white pig vegan b&b and animal sanctuaryist kein bemitleidenswerter Zustand des Mangels, sondern ein Lebensweg voller Freude, guter Dinge und dem guten Gefühl, dass für mich nach Möglichkeit kein Tier leiden muss. Das ist mir wichtig, darum gehe ich diesen Weg.

Wer sich davon anstecken lassen mag, dem helfe ich gerne.
Alles wird leicht, wenn man weiß, wofür man es tut!

Happy World Vegan Day, liebe Pflanzenfreunde.

Trigger Warning

Das ganze Leben versuchst du mit dem, was dir vor die Füße geworfen wird, zurecht zu kommen. Trotz aller Um- und Widerstände glücklich zu werden in der eigenen Existenz. Spoiler: Manchmal klappt es nicht. Gut, dass niemand in den Kopf eines anderen schauen kann. Niemand kann sehen, welche Worte und Taten du dir zurecht gelegt hast für den Fall, dass du einmal den Punkt erreichst, an dem der Schmerz zu groß wird, um ihn weiter aushalten zu können.
Einsamkeit ist das schlimmste. Das Gefühl, dass alle anderen haben, was dir fehlt. Alle anderen – so scheint es dir – haben eine Orientierung. Sitzen gut gebettet und kommen zurecht. Nur du bist außen vor. Hast nichts geschafft von deinen großen Träumen für dich selbst, deine Ideale unerreicht und das schlimmste: Keine Leitplanken, die dich führen.

Bist immer noch zuhause. Hast keine Kinder, die zwangsläufig dir das Gefühl geben, dass da jemand ohne dich nicht leben kann.
Alles verloren und nichts neu errichtet.
Ich schaue auf die Bilderrahmen an der Wand. Die aus unserer alten Wohnung. Das einzige, was davon übrig ist. Ich habe sie mit neuem Leben gefüllt, mit den Gesichtern derer, die noch Bedeutung für mich haben.
Da ist meine älteste Freundin an ihrem Hochzeitstag. Da sind mein Papa und ich an Karneval (an einem denkwürdigen Tag rückblickend betrachtet, an dem uns jemand zum ersten Mal seine dunkle Seite offenbarte; trotzdem lachen wir herzlich). Da sind zwei Mädels auf eine Urlaubsfoto, mit denen ich noch viel noch der Welt sehen will. Meine Großeltern und mein Bruder am Tag der Saisoneröffnung. Die Babys von Freunden – sie wecken Hoffnung und den Wunsch, auch in Zukunft Teil ihrer Leben zu sein. Da sind mehrere Fotos meiner Kochfreunde, weil sie mir mehr bedeuten als sie ahnen. Da bin ich mit meiner Cousine am Tag ihres Schulabschlusses, so stolz auf sie.

Das sind die Gesichter, die mir Mut geben. Die einen Platz an meiner Wand in meinem Zimmer haben.
Ich frage mich manchmal, ob sie überhaupt wissen, dass es diesen Platz gibt.

Entspannung und Anspannung

Endlich habe ich mal wieder ein Wochenende für mich gehabt. Nichts gegen meinen Schatz und unsere quasi Fern-Beziehung, aber zwischen all den Wochenenden, an denen irgendwelche Laufevents, Geburtstagseinladungen oder eben er-hier oder ich-in-Koblenz waren, blieb kaum Zeit für wirkliches Nichtstun.
Nachdem ich den Samstag dann erst mit der Oma einkaufen war, die wiederum – obwohl selbst den Fuß kaputt – wiederum für eine Nachbarin mit einkaufte und ich danach noch eine flotte Runde durch den Wald gelaufen war, konnte ich mich am Nachmittag dann endlich einmal in den Liegestuhl und die Füße auf meinen neuen Hocker legen. Letzteren hatte der Papa netterweise schon zusammengeschraubt. Irgendwie leidet die ganze Familie anscheinend an einem Helfersyndrom…
Und dann lieg ich da, schaue auf die Tomaten, höre die Vögel, trinke einen Kaffee und überlege, ob ich erst die Zeitung oder ein Buch lesen soll. Wahnsinn…wie lange ich dieses schöne Gefühl, einfach GAR NICHTS zu müssen, nicht mehr hatte…
Selbst schuld.
Heute habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und damit einen Punkt auf meiner Liste-mit-Dingen-die-ich-einmal-machen-will abgehakt: Ich war beim Bogenschießen!
Eigentlich hatte ich den Kurs für zwei gebucht, aber im Stress der letzten Wochen kam ich nicht mehr dazu, meine Begleitung daran zu erinnern…und wurde vergessen.
Heute morgen fiel es mir echt schwer, mich aufzuraffen. Kann ich nicht einfach schwänzen und im Bett bleiben? Es wäre so einfach. Ich hätte zwar Geld in den Wind geschossen, so what… Hin- und her und her und hin überlegt…Schweinehund hat fleißig gebellt. Wie ungern ich fremde Orte und Personen treffe, wie viel einfacher es wäre, mir zuhause einen schönen Tag zu machen…sechs Stunden sind auch ganz schön lang, wo doch die lange Arbeitswoche mit der blöden Messe bevorsteht…
Dann habe ich mich, während die Entscheidung in mir immer noch schwankte, schonmal angezogen, was zu essen und eine Flasche in den Rucksack gepackt und bin langsam zu dem Hof gefahren, wo das ganze stattfand. Zu meinem (Un)glück stand direkt am Parkplatz auch schon die Gruppe, so dass ich dann auch nicht mehr wirklich zurück konnte.
Eigentlich war es ein Einführungskurs, aber natürlich war ich die einzige, die a) alleine da war und die b) noch nie so ein Bogendings in der Hand gehabt hatte – HILFE! Peinlich! Muss ich jetzt etwa da nach vorne??! Wie früher im Sportunterricht, furchtbar – und alle gucken zu!!
Tief durchgeatmet und los, einfach mal machen., hilft ja nix. Nach den ersten paar Malen – wenn man einmal raus hat, wie diese laaangen fummeligen Pfeile da mit nur drei Fingern reinzufriemeln sind, ohne dass man das ganze Gedöns fallenlässt – klappte es dann doch recht gut. Der Bewegungsablauf ist eigentlich leicht und fühlte sich, einmal mit dem Bogengriff vertraut, sehr natürlich an. Besonders gut gefielen mir die 40 Minuten schweigendes Schießen. Ein Gong – Position einnehmen, Pfeil einlegen, spannen, schießen, Ein Klatschen – Pfeile von den Strohplatten einsammeln oder eben selbige auf der knöchelhohen Wiese mit alle Mann suchen.
Das tolle ist: Beim intuitiven Bogenschießen denkst du an gar nichts anderes als an deine Muskeln, den Atem, die offene Dehnung in den Schultern, fühlst den Bogen und wann er gespannt ist und dann …LOSLASSEN. Vor allem in der Stille gar nicht so einfach.
Eine tolle Erfahrung, die ich nicht gemacht hätte, wenn ich heute im Bett geblieben wäre.
Wieder einmal stellt sich die Frage: Warum sabotieren wir uns so oft selbst? Wenn ich doch weiß, dass mich etwas interessiert oder begeistern könnte, warum wartet man damit und versucht es nicht einfach? Das schlimmste was passieren kann, ist dass man feststellt „Hab’s ausprobiert, war nichts für mich“ und vielleicht ein paar Euro Lehrgeld. Ich jedenfalls habe gelernt, dass an der Legende, dass das Kriegervolk der Amazonen sich die Brüste amputiert haben sollen, um besser schießen zu können, was dran sein könnte. Autschi 🙂

Curse is back

Und dann gibt es da die eine Musikliebe. Hörst nach Jahren einen Song, der klingt wie damals. Hörst ihn das erste Mal und hast Pipi in den Augen wegen der Lyrics. Herz und Takt eins. Tickets gekauft fürs Konzert, obwohl ich nicht mehr gerne auf Konzerte gehe. Liebe.

Ich kann nicht wie die anderen sein
Topmodel mit Doktortitel, Tierschützer mit Angelschein
Von allen geliebt alles lief wie von allein
Salon-Löwe unter Menschen, Zen-Mönch wenn allein
Selbstsicher egolos, Gegensätze vereint
Immer gegen das Richtige sein stilsicher im Nein
Social Media wirksam jedes Teilen geteilt
Zeitlos in Essenz und jetzt zeitig im Style
Nein! Kein Platz für Zweifel an mir selbst
Pippi Langstrumpf mit Geld, mach nur was mir gefällt
Und das was mir gefällt rettet nebenbei die Welt
Und mach mich nebenbei megareich, ich bin ’n Held
Und mein Umfeld alles inspirierte Kreative
Internationale Avantgarde, Elite voller Liebe
Riskieren Kopf und Kragen für die Wale und Delfine
Lachen im Gesicht weil Gewinner nie verlier’n

Doch wenn ich still und alleine bin
Wünsch ich mir ich wäre wie die anderen
Die nie gebrochen und verzweifelt sind
Bei denen alles immer leicht gelingt
Und wenn ich still und alleine bin
Hör ich sie lachen auf den Dachterassen
Weil es immer was zu feiern gibt
Aber bei mir leider nicht

[…]
Ich stell mir vor ich wäre einer von denen
Einer der Reichen und Schönen, einer mit keinen Problemen
Einer der Könige, Königinnen alles perfekt
Alles unter Dach und Fach, die haben das Leben gecheckt
Aber dann stell‘ ich fest
Dass es da draußen Menschen gibt die von mir denken ich hätt’s gecheckt
Rapper, Coach und Buddhist, meditieren und so’n Mist
Doch ich habe keine Antwort ich weiß eigentlich nicht mal was die Frage ist
Was für ein paradoxer Witz es ist
Wir drehen uns im Teufelskreis darum wird uns schwindelig
Streben dahin wo wir glauben, dass die Lichter sind
Doch die Menschen, die wir sein wollen – es gibt sie nicht

Doch wenn ich still und alleine bin
Sehe ich ich bin so wie die anderen
Wie alle die gebrochen und verzweifelt sind
Weil keinem von uns immer alles leicht gelingt
Und wenn ich still und alleine bin
Liegt mein lachen über Dachterassen
Weil es immer was zu feiern gibt
Wenn ich bei mir bin

(Curse „Bei mir“)

Leseliste 2018

 

Turtles all the way down – John Green
The Changeling – Phillippa George
Was man von hier aus sehen kann – Mariana Leky
Sufficiently advanced magic – Andrew Rowe
How to stop time – Matt Haig
Forging Divinity – Andrew Rowe
Super, und dir? – Kathrin Weßling
The Nevernight Chronicles, Book 1 – Jay Kristoff
Children of Time – Adrian Tchaikovsky
Das Kind in dir muss Heimat finden – Stefanie Stahl
Der Healing Code – Alex Loyd/Ben Johnson
Uprooted – Naomi Novik
Teufelsgold- Andreas Eschbach
Stop saying you’re fine – Mel Robbins
Der Name des Windes – Patrick Rothfuss
Kick ass – Mel Robbins
Bright Line Eating – Susan Peirce Thompson
Petite Anglaise – Catherine Sanderson
Winnie the Pooh – A.A.Milne
Notes on a nervous planet – Matt Haig
The Truth Pixie – Matt Haig
The Five second rule – Mel Robbins
Der Pfad des friedvollen Kriegers – Dan Millman
Das geheime Leben der Bäume – Peter Wohlleben
Die Furcht des Weisen – Patrick Rothfuss

Fastenzeit 2018

Zunächst einmal sollte ich festhalten, dass ich kaum noch zum Lesen komme.
Und weil das eine ziemlich unsinnige Aussage ist – zu etwas nicht kommen – nehme ich mir für diese Jahr vor, wieder Zeit für die Dinge zu nehmen, die mich ausmachen. So wie ich mehr Kilometer laufen will, weil es meinen Kopf gesund hält, will ich mehr Lesen. Weil es mich krank macht, sinnlose andere Dinge zu tun. Darum wird in dieser Fastenzeit gelesen. Anstatt am Abend fernzusehen und beim Einschlafen zu denken „welch eine Zeitverschwendung“. Anstatt im Internet rumzuhängen und all die sinnlosen Kommentare zu lesen, die mein Leben weder schöner machen, noch in irgendeiner Form bereichern, wird ein Buch in die Hand genommen.

Lippenbekenntnisse

Wir alle hören sie doch gerne, die berühmten drei Worte. Sie sind mächtig. Sie können eine Basis sein, auf der eine Beziehung, ein positives Selbstwertgefühl gedeihen kann. Aber sie können auch zur Sucht werden, zu Täuschung, zu Zweifeln.

Jemand, der dir jeden Tag sagt „Ich liebe dich“, meint es vielleicht wirklich so. Vielleicht hat er aber auch längst jemand anderen kennengelernt, mit der er sich an Wochenenden und auf Dienstreisen heimlich trifft. Sein „Ich liebe dich“ am Telefon glaubst du nur zu gerne. Willst es nicht in Frage stellen. Denn wenn man geliebt wird, ist das doch schön.

Es gibt auch andere Menschen, die benutzen die drei Worte sehr selten und wenn, dann eher zögerlich. Sein „Ich glaube, ich liebe dich“ lässt dich ratlos zurück. Kann er es nicht richtig und laut und deutlich sagen? Ist es vielleicht gar nicht wahr?
Aber seine selbstlosen Taten, eine mit Liebe gebastelte und gemalte Karte, sein ehrliches Interesse, seine Fürsorge, all die Sprüchebilder mit dem Esel die du so magst und die ehrliche Freude, wenn man sich wieder sieht – all das gibt dir die Kraft, die blöden Zweifel weg zu stecken und den Dingen ihre Zeit zu lassen.
Denn wann man wirklich geliebt wird, ist das noch viel schöner.

zaubere

Manchmal reicht es nicht aus, zaubern zu können.
Nicht, weil Menschen zu kaputt sind, um geheilt zu werden, sondern weil sie nicht heile werden möchten. Seelen, die schon so lange in ihrem Kokon sind. Bis sie sich selber auffressen.
Scheinbar nichts vermag ihnen ans wärmende Licht zu verhelfen, das ihre Flügel trocknet, bis sie als die schönen Schmetterlinge fliegen können, die sie wirklich sind.
Mitleid vermag nicht zu heilen. Rache wird nicht heilen. Kein Reichtum der Welt kann heilen.
Nur die Liebe kann das.
Liebe zulassen.
Liebe geben.
Sei Liebe und flieg so weit die Flügel dich tragen …