as time goes by

Wie die Zeit vergeht…
Vor etwas mehr als einem Jahr bin ich von Köln nach Hamburg umgezogen. In die einzige Stadt, in die mich zehn Pferde hätten hin kriegen können. Und die einzige Stadt, in der sich mir nach Studium und erfolgloser Suche nach einem Volontariat endlich eine Stelle bot. Vom Elternhaus ans Tor zur Welt. Vom „warmen“ Westen in den kühlen Norden. Von Rievkooche zu Fischbrötchen. Der Abschied zu den Klängen von Do bes Kölle an Weiberfastnacht war mir schwergefallen, unter Tränen verabschiedete ich Freunde und Verwandte und versprach, nächstes Jahr wieder da zu sein.

Der Beginn war schlimm: Der Park gegenüber gruselig, die Stadt einfach beängstigend groß, die Nachbarn feierten Technoparties und in der ganzen Stadt niemand, den ich kannte. In der Zwischenzeit ist eine Menge passiert. Bald werde ich wieder umziehen, denn der Job ist befristet. Wieder Bewerbungen schreiben, wieder Koffer packen, wieder ein neuer Abschnitt. So viele Koffer sind es gar nicht. Denn: Ich habe die Möbel der Vormieterin größtenteils übernommen. Die meisten Sachen daheim gelassen. Ich habe immer noch Kisten unausgepackt hier stehen. Ein Jahr lang Leben wie auf der Durchreise, immer einmal wieder nach Hause fahren, wenn die Sehnsucht zu groß wird. Doch mit der Zeit wird auch eine fremde Stadt ein Stückchen Zuhause. Man gewöhnt sich schnell an den Zauber von Hamburg: Den blauen Himmel, die Nähe zum Meer. Die gar nicht so kühlen Nordlichter und ihr „Moin“ und „Tschüß“ sind mir ans Herz gewachsen. Ich habe neben schlechten auch sehr schöne Tage erlebt hier. Einen tollen Mann kennengelernt. Sogar an die Nachbarn gewöhnt man sich mit der Zeit und im Park gegenüber kenne ich jedes Eichhörnchen. Manchmal ist es sogar schön, weiter weg zu wohnen: Wenn ich nach Hause komme, ist es etwas Besonderes. Ich freue mich wie verrückt auf Weihnachten mit meiner Familie. Manche Dinge, die einen früher gestört haben, sind nicht mehr so wichtig. Der Papa gibt sich viel Mühe und besorgt Berge von Lebensmitteln, wir trinken zusammen Wein und reden, die Oma bezieht das Bett mit der alten Pferdebettwäsche. Freunde treffen ist zwar nicht mehr so einfach, aber intensiver: Du nimmst dir bewusst Zeit – und siehst anhand der Besuche, wem du wirklich etwas bedeutest.

Sonnenuntergang an der Schlei

Bald heißt es also wieder Koffer packen und weiter gehen. Nur in welche Richtung? Ist zurück ein Rückschritt und wäre Bleiben ein Neubeginn? Wenn ich hier eher einen Job bekommen kann, warum nicht hier bleiben? Und was ist mit Köln? Do bes doch Kölle und nicht Fischkopp, oder? Wie die Zeit vergeht…