Zum Welt-Vegantag

Ich kann mich glücklich schätzen, in einer toleranten Umgebung aufgewachsen zu sein. Frei nach dem Motto „jede Jeck es anders“ gab und gibt es in meinem sozialen Umfeld für so ziemlich alles und jeden Verständnis und Support. Außer, wenn’s ums Essen geht. Da akzeptieren viele, wie ich in den letzten vier Jahren veganer Ernährung erkennen musste, keine Abweichung von der Norm. Als würde ich die Menschen persönlich in ihrer Ehre kränken mit meiner persönlichen Entscheidung, was ich essen mag und was nicht.

Gedankenspiel

Dieses Verhalten kann ich mir nicht erklären, aber zum besseren Verständnis für alle Nicht-Veganer: stellen wir uns kurz einmal vor, du hättest eine Allergie gegen – sagen wir mal – Kartoffeln! Du gehst also mit deiner Familie oder Bekanntenkreis in ein Restaurant. Schon vorher wird lange per WhatsApp diskutiert, ob es da denn wohl „auch was für dich“ gibt. Du sagst hey, es gibt überall was ohne Kartoffeln, lasst uns einfach gehen, zur Not gibt’s immer noch Nudeln. Im Restaurant scannt jeder zweite erstmal die Speisekarte auf Kartoffelgerichte durch – und liest sie dir laut vor mit dem Kommentar „Ach, das KANNST DU JA NICH“. Der Kellner kommt, du hast dir stillschweigend ein Nudelgericht rausgesucht, doch wie immer Jemand kommt dir zuvor: „HAMSE AUCH WAS OHNE KARTOFFELN? DER DA HAT NÄMLICH ALLERGIE!“ Alle am Tisch und auch an den benachbarten Tischen gucken dich jetzt an, als wäre das was ansteckendes. Der Keller gibt sich Mühe, die paar kartoffelfreien Gerichte aufzuzählen, er vergisst dabei, dass auch Wodka und Kartoffeldressing immer noch Kartoffel enthalten… aber wir wollen nicht kleinlich sein. Als er endlich fertig ist und du deine Bestellung aufgibst, gibt es erleichtertes Nicken am Tisch, so als hätten sie gerade die Kubakrise abgewendet. Dein Essen kommt und alle Augenpaare sind auf deinen Teller gerichtet. Es hagelt Kommentare wie „Oooh, das schaut aber fein aus, oder?“ (als wärst du 3 Jahre alt) „Oooh, das hätt‘ ich nicht gedacht, dass ein Essen ohne Kartoffeln hinkriegt!“ (Hallo? Das sind Köche!) manchmal auch „Wirst du denn davon satt, so ganz ohne Kartoffeln?“. Du isst einen Happen – was wenig Spaß macht, wenn alle zugucken – und wappnest dich für das, was danach ganz sicher kommt: Die Diskussion um den Nährwert von Kartoffeln und was du alles verpasst und dass du wahrscheinlich bald krank werden und vom Fleisch (haha) fallen wirst ohne Kartoffeln in deiner Ernährung – denn plötzlich sind alle am Tisch ganz große Ernährungswissenschaftler und Mediziner und kennen sich unheimlich gut damit aus, was der Organismus dringend für ein gesundes Leben benötigt. Dazu bestellen sie sich noch ne Cola, zum Nachtisch einen Ouzo und dann geht’s erstmal raus vor die Türe, eine Kippe rauchen…

Nachbars‘ Teller ist immer grüner

Woher dieses Bevormunden von Menschen, die sich bewusst anders ernähren möchten als es „gelernt“ oder „immer schon so“ war? Ist es ein unterbewusstes Verteidigungsgebaren, weil sie sich moralisch unterlegen fühlen? Was bringt halbwegs intelligente Menschen dazu, Witze auf Höhlenbewohner-Niveau auszupacken, weil jemand das Töten von Lebewesen für den eigenen Konsum ablehnt? Wahrscheinlich das gleiche Phänomen, das Medien dazu bringt, darüber zu berichten, dass ein Discounter „jetzt auch in Curvy-Mode macht“. Etwas ist anders als vorher? Oh-oh, nicht, dass da am Weltbild gerüttelt wird!

Keine Ahnung. Ich bin ein erwachsener, mündiger Mensch und natürlich weiß ich gut genug, was ich in welchen Mengen zu mir nehmen sollte. Mein regelmäßiger Check beim Arzt bestätigt, dass es mir in keiner Weise schadet, meine Blutwerte tipptopp sind und meine Schilddrüse zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt richtig funktioniert. Warum also Postkarte_Veganseindieses sich abgrenzende belehrende Verhalten, welches Spinat-Verächter, Raucher oder Alkoholkonsumierende sich in dieser Form nicht anhören müssen?

Ich betrachte mich eigentlich nicht als Missionarin für den Veganismus. Zumindest rede anderen nicht ihr Essen schlecht. Ich diskutiere – auch wenn ich das durchaus könnte – von mir aus in der Regel nicht beim Essen darüber, warum ich das, was auf den Tellern der anderen liegt, nicht essen würde. Da bin ich ganz einfach der Meinung, dass es bei den Personen selber „Klick“ machen muss im Kopf und ich mit Ekelgeschichten und drastischen Bildern à la PETA nur die Leute gegen mich aufbringe und die Schauklappen hochgehen. Wie es ein Mädel mal so schön beim gemeinsamen Abendbrot im Urlaub ausgedrückt hat: „Ich will gar nicht wissen, was in der Wurst drin ist, sonst krieg ich die nicht mehr runter.“

Vegan sein ist (m)eine Entscheidung

Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden, nachdem ich seit dem 13. Lebensjahr vegetarisch gelebt und immer mehr gelesen und gesehen habe. Der gedankliche Weg von dem leckeren Frischkäse mit der grünen Wiese drauf und der Kuh irgendwo im Stall, die um ihr Kälbchen trauert, ist für die meisten Menschen zu weit her, zu abstrakt. Dem Konsumenten wird eine heile Marketing-Welt mit guter Weidemilch und Bergwiesen und dem Metzger um die Ecke vorgegaukelt, die man zu gerne glauben möchte, um weiter unbeschwert genießen zu können und das unbequeme Umdenken und nach anderen Produkten im Regal greifen müssen, zu vermeiden.
Verstehe ich, denn ich war lange Zeit genau so. Hab mich gegen Pelzmode ausgesprochen, bin gegen Tierversuche demonstrieren gegangen und trotzdem weiter Kuchen mit Ei und mein Käsebrötchen gefuttert. Das waren für mich lange zwei Paar Schuhe – schließlich müssen für Käse ja keine Tiere sterben. Dachte ich.

Irgendwann kam der Punkt (spätestens nach Bettina Hennings Buch „Ich bin dann mal vegan“), seitdem sind die Augen geöffnet und mir war klar – die Ausbeutung von Tieren für Milch und Käse, das kann und will ich nicht mehr unterstützen. Kein Teil  dieser Kette sein, in der Kühe nunmal nicht auf Bergwiesen weiden dürfen – und sorry, lieber Endverbraucher, so funktioniert das im Discounter nunmal nicht. Ich musste mir keine der Dokumentationen wie „Earthlings“ oder „Cowspiracy“ anschauen. Ich war nie in einem Schlachthof. Mir reichen Beschreibungen in Büchern, damit mir wochenlang die Bilder nicht aus dem Kopf gehen und mir beim ansehen einer Packung H-Milch schlecht wird. Meine Augen sind offen und trotzdem macht man Fehler – ertappt sich bei Inkonsequenzen, wenn ich mir Laufschuhe kaufe ohne vorher zu checken, ob alle Teile mit veganem Kleber verklebt sind.

Aufklärung und Respekt

Kein perfekter Veganer bin ich, kein Missionar für die Sache und kein Prediger – ich beantworte gerne Fragen und versuche, durch positives Beispiel mein Umfeld mitzunehmen. Ich koche sehr viel und gerne und mit Genuss denke ich, kann man Genussmenschen überzeugen. Gerne bin ich behilflich, wenn jemand eine vegane oder umweltfreundlichere Alternative sucht. Das Internet ist unendlich – man muss nur wissen, wo man sucht und als jemand, der sich mit diesen Themen bereits beschäftigt hat, fällt es leichter, durchzublicken. Unwissenheit kann man mit drastischen Mitteln versuchen, aufzuklären. Ich bezweifel‘ allerdings, dass mein Umfeld oder meine Kollegen sich zu einem Videoabend mit „Earthlings“ bereit erklären würden. Ich kenne sogar Menschen, die haben das gesehen und können trotzdem weiter Fleisch essen. (Auch wenn mir die ganz ehrlich sehr suspekt sind …)

„Ist dieses Vegansein nicht total teuer?“ Weiß nicht, wie oft ich diese Frage geduldig beantwortet habe. Nein, ist es nicht. Es sei denn du gehst in ein Reformhaus und willst 1:1 alle Lebensmittel, die du vorher genutzt hast, austauschen. Du wirst enttäuscht sein und viel Geld ausgeben. Lerne Lebensmittel kennen und wie man sie zu etwas verarbeitet, was dir schmeckt. Es geht um einen selbst. Es nützt mir nichts, mir vegane Kochbücher zu kaufen, wo jemand mit Kombucha und Fenchelsamen und ganz viel Spitzkohl Süppchen kocht – das mag ich einfach nicht. Ich mag Gebäck. Ich mag es würzig. Und ich mag viel essen! Sich er-nähren macht Spaß und gibt dem Körper mehr als fertige Pakete, die mit viel Chemie haltbar gemacht im Regal auf einen Käufer warten. Eigentlich logisch. Es ist auch nicht „voll zeitaufwändig“. Es gibt unglaublich viele Seiten und YouTube-Kanäle (Tipp: Cheap Lazy Vegan!) mit Tipps.
Warum sollte Kochen ohne Milchprodukte und Fleisch länger dauern als mit? Und warum sollte es teuer sein, etwas wegzulassen?

Du bist, was du isst

Abgedroschen, aber wahr. Teile von toten Tieren in sich reinstopfen mag sozial völlig akzeptiert sein, ist aber weder eine attraktive Vorstellung noch leuchtet es ein, dass das mehr für den Körper tut als eine Schüssel verschiedenster lecker zubereiteter Gemüsesorten. Ich freue mich auf eine Zeit, in der es akzeptiert wird, dass man sich lieber pflanzlich ernährt. Es me at white pig vegan b&b and animal sanctuaryist kein bemitleidenswerter Zustand des Mangels, sondern ein Lebensweg voller Freude, guter Dinge und dem guten Gefühl, dass für mich nach Möglichkeit kein Tier leiden muss. Das ist mir wichtig, darum gehe ich diesen Weg.

Wer sich davon anstecken lassen mag, dem helfe ich gerne.
Alles wird leicht, wenn man weiß, wofür man es tut!

Happy World Vegan Day, liebe Pflanzenfreunde.

Trigger Warning

Das ganze Leben versuchst du mit dem, was dir vor die Füße geworfen wird, zurecht zu kommen. Trotz aller Um- und Widerstände glücklich zu werden in der eigenen Existenz. Spoiler: Manchmal klappt es nicht. Gut, dass niemand in den Kopf eines anderen schauen kann. Niemand kann sehen, welche Worte und Taten du dir zurecht gelegt hast für den Fall, dass du einmal den Punkt erreichst, an dem der Schmerz zu groß wird, um ihn weiter aushalten zu können.
Einsamkeit ist das schlimmste. Das Gefühl, dass alle anderen haben, was dir fehlt. Alle anderen – so scheint es dir – haben eine Orientierung. Sitzen gut gebettet und kommen zurecht. Nur du bist außen vor. Hast nichts geschafft von deinen großen Träumen für dich selbst, deine Ideale unerreicht und das schlimmste: Keine Leitplanken, die dich führen.

Bist immer noch zuhause. Hast keine Kinder, die zwangsläufig dir das Gefühl geben, dass da jemand ohne dich nicht leben kann.
Alles verloren und nichts neu errichtet.
Ich schaue auf die Bilderrahmen an der Wand. Die aus unserer alten Wohnung. Das einzige, was davon übrig ist. Ich habe sie mit neuem Leben gefüllt, mit den Gesichtern derer, die noch Bedeutung für mich haben.
Da ist meine älteste Freundin an ihrem Hochzeitstag. Da sind mein Papa und ich an Karneval (an einem denkwürdigen Tag rückblickend betrachtet, an dem uns jemand zum ersten Mal seine dunkle Seite offenbarte; trotzdem lachen wir herzlich). Da sind zwei Mädels auf eine Urlaubsfoto, mit denen ich noch viel noch der Welt sehen will. Meine Großeltern und mein Bruder am Tag der Saisoneröffnung. Die Babys von Freunden – sie wecken Hoffnung und den Wunsch, auch in Zukunft Teil ihrer Leben zu sein. Da sind mehrere Fotos meiner Kochfreunde, weil sie mir mehr bedeuten als sie ahnen. Da bin ich mit meiner Cousine am Tag ihres Schulabschlusses, so stolz auf sie.

Das sind die Gesichter, die mir Mut geben. Die einen Platz an meiner Wand in meinem Zimmer haben.
Ich frage mich manchmal, ob sie überhaupt wissen, dass es diesen Platz gibt.

Entspannung und Anspannung

Endlich habe ich mal wieder ein Wochenende für mich gehabt. Nichts gegen meinen Schatz und unsere quasi Fern-Beziehung, aber zwischen all den Wochenenden, an denen irgendwelche Laufevents, Geburtstagseinladungen oder eben er-hier oder ich-in-Koblenz waren, blieb kaum Zeit für wirkliches Nichtstun.
Nachdem ich den Samstag dann erst mit der Oma einkaufen war, die wiederum – obwohl selbst den Fuß kaputt – wiederum für eine Nachbarin mit einkaufte und ich danach noch eine flotte Runde durch den Wald gelaufen war, konnte ich mich am Nachmittag dann endlich einmal in den Liegestuhl und die Füße auf meinen neuen Hocker legen. Letzteren hatte der Papa netterweise schon zusammengeschraubt. Irgendwie leidet die ganze Familie anscheinend an einem Helfersyndrom…
Und dann lieg ich da, schaue auf die Tomaten, höre die Vögel, trinke einen Kaffee und überlege, ob ich erst die Zeitung oder ein Buch lesen soll. Wahnsinn…wie lange ich dieses schöne Gefühl, einfach GAR NICHTS zu müssen, nicht mehr hatte…
Selbst schuld.
Heute habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und damit einen Punkt auf meiner Liste-mit-Dingen-die-ich-einmal-machen-will abgehakt: Ich war beim Bogenschießen!
Eigentlich hatte ich den Kurs für zwei gebucht, aber im Stress der letzten Wochen kam ich nicht mehr dazu, meine Begleitung daran zu erinnern…und wurde vergessen.
Heute morgen fiel es mir echt schwer, mich aufzuraffen. Kann ich nicht einfach schwänzen und im Bett bleiben? Es wäre so einfach. Ich hätte zwar Geld in den Wind geschossen, so what… Hin- und her und her und hin überlegt…Schweinehund hat fleißig gebellt. Wie ungern ich fremde Orte und Personen treffe, wie viel einfacher es wäre, mir zuhause einen schönen Tag zu machen…sechs Stunden sind auch ganz schön lang, wo doch die lange Arbeitswoche mit der blöden Messe bevorsteht…
Dann habe ich mich, während die Entscheidung in mir immer noch schwankte, schonmal angezogen, was zu essen und eine Flasche in den Rucksack gepackt und bin langsam zu dem Hof gefahren, wo das ganze stattfand. Zu meinem (Un)glück stand direkt am Parkplatz auch schon die Gruppe, so dass ich dann auch nicht mehr wirklich zurück konnte.
Eigentlich war es ein Einführungskurs, aber natürlich war ich die einzige, die a) alleine da war und die b) noch nie so ein Bogendings in der Hand gehabt hatte – HILFE! Peinlich! Muss ich jetzt etwa da nach vorne??! Wie früher im Sportunterricht, furchtbar – und alle gucken zu!!
Tief durchgeatmet und los, einfach mal machen., hilft ja nix. Nach den ersten paar Malen – wenn man einmal raus hat, wie diese laaangen fummeligen Pfeile da mit nur drei Fingern reinzufriemeln sind, ohne dass man das ganze Gedöns fallenlässt – klappte es dann doch recht gut. Der Bewegungsablauf ist eigentlich leicht und fühlte sich, einmal mit dem Bogengriff vertraut, sehr natürlich an. Besonders gut gefielen mir die 40 Minuten schweigendes Schießen. Ein Gong – Position einnehmen, Pfeil einlegen, spannen, schießen, Ein Klatschen – Pfeile von den Strohplatten einsammeln oder eben selbige auf der knöchelhohen Wiese mit alle Mann suchen.
Das tolle ist: Beim intuitiven Bogenschießen denkst du an gar nichts anderes als an deine Muskeln, den Atem, die offene Dehnung in den Schultern, fühlst den Bogen und wann er gespannt ist und dann …LOSLASSEN. Vor allem in der Stille gar nicht so einfach.
Eine tolle Erfahrung, die ich nicht gemacht hätte, wenn ich heute im Bett geblieben wäre.
Wieder einmal stellt sich die Frage: Warum sabotieren wir uns so oft selbst? Wenn ich doch weiß, dass mich etwas interessiert oder begeistern könnte, warum wartet man damit und versucht es nicht einfach? Das schlimmste was passieren kann, ist dass man feststellt „Hab’s ausprobiert, war nichts für mich“ und vielleicht ein paar Euro Lehrgeld. Ich jedenfalls habe gelernt, dass an der Legende, dass das Kriegervolk der Amazonen sich die Brüste amputiert haben sollen, um besser schießen zu können, was dran sein könnte. Autschi 🙂

kleine Flamme

Es gibt Zeiten, da sind wir viel zu beschäftigt damit, uns etwas anderes zu wünschen, so dass wir ganz vergessen, dass das JETZT das einzige ist, was wirklich uns gehört.
Wir wünschen uns den Feierabend herbei, das Wochenende. Wünschen uns zurück an diesen Bergsee in der Sonne, zurück in die Kindheit, in Tage, an denen Lachen leicht fiel oder in jene Zeit zurück als der Kummer der das Herz einmal ereilen wird, noch nicht zu erahnen war.
Wünschen uns, dass irgendwann immer noch diese eine Tag kommt, in dem einen Zuhause, mit dem Menschen, da ankommen wo der Wege des Lebens die ganze Zeit hinführen wollte. Die Zeit, in der einmal alles gut sein wird, die sich richtig anfühlt.
Immer sind wir anderswo mit unserer ganzen Kraft – und bewirken dabei nichts. Wonach wir die ganze Zeit streben, ist unerreichbar.
Das Wochenende kommt nicht schneller und ist es dann da, geht es vorbei. Tempus fugit. Einmal vergangen kehrt nie wieder zurück.
Halte Inne und spüre die Leere.
Wissen, dass man unvollständig ist und es die ganze Zeit war. Höre in die Stille hinein. Nur hören, nicht bewerten.
Sei einen Moment lang einfach nur da.
Keiner will dir was, keiner tut dir weh.
Einfach da.
Leere will gefüllt werden, aber das kann nur im Jetzt geschehen. Nur jetzt kann man einen Augenblick verweilen, alle Sinne gleichzeitig benutzen und genau jetzt – in diesem kurzen Augenblick – ist alles denkbar. In der Stille entsteht eine wärmende kleine Flamme, da wo deine Leere war. Das Licht erhellt dich von innen. Dein Moment.
Sei glücklich.
Alles könnte schlimmer sein.
Ist es aber nicht.
Sei dankbar.
Nimm deine kleine Flamme, dein inneres Licht und teile es weiter.

Manchmal braucht es Löwentatzen

Heute ist #MentalHeathAwarenessDay, der internationale Tag der seelischen Gesundheit, der auf psychische Erkrankungen aufmerksam machen soll. Irgendwie finde ich, dass ich dazu etwas schreiben sollte. Andererseits bin ich gerade genau das beste Beispiel, wie man nicht gut auf sich acht gibt. Vielleicht sollte ich es gerade deswegen aufschreiben.

Angefangen hat alles nach dem Urlaub. Wunderschön war der – so ausgeschlafen, entspannt und guter Dinge war ich lange nicht. Die 4 Monate von der Arbeitsagentur geförderte Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen, ein neuer Arbeitsvertrag (zumindest für ein halbes Jahr) in der Tasche, dank meiner Verwandtschaft eine schöne und sehr günstige Ferienwohnung im Allgäu gefunden – herrlich.

Am liebsten wäre ich dort geblieben.

Ich habe mir in der Zeit, in der ich mein Handy nur zum fotografieren benutzt habe – ein paar Notizen gemacht. „Vorhaben, die man im Urlaub denkt und viel zu schnell wieder vergisst: Man sollte öfters mal wieder abends Radio hören, statt online zu sein. Mein Lebenstraum ist es, da zu leben, wo die Welt noch in Ordnung ist. In der der Natur bin ich am glücklichsten, ich sollte mehr Zeit in der Natur verbringen. Ich weiß, dass ich mir das nach jedem Besuch an der Nordsee und nach jedem Tag wandern draußen sage, aber irgendwie muss es doch gehen, dass in den Alltag mitzunehmen, nicht aus den Augen zu verlieren und daran zu arbeiten?“

Was soll ich sagen: ich bin wieder einmal gnadenlos an dem Vorhaben gescheitert, mir die Gelassenheit im Alltag und damit einhergehend meine Gesundheit zu bewahren.  Ich liege seit drei Tagen flach. Wochenlang habe ich das Gefühl mit mir herumgeschleppt, dass da was im Anmarsch ist, aber habe es ignoriert. Keine Zeit dafür. Jeden Morgen sehr früh zum neuen Job gehetzt, völlig außer Puste, dann mindestens 10 Stunden gearbeitet, kaum Pause gemacht und bloß nicht das Gebäude mal für etwas Tageslicht verlassen – bin ja schließlich neu und will einen guten Eindruck machen. Hab es nicht regelmäßig zum Sport geschafft, nach einem langen Tag im Büro war ich zum einen total abgekämpft, zum anderen fühlte ich mich kränklich und zweimal war schlicht keine Zeit, weil zu Trainingsbeginn noch nicht an Feierabend zu denken war. Dazu setzt die dunkle Jahreszeit ein und mein Schweinehund hat Angst im Dunkeln. Kurzum: Kein Ausgleich, dumm gelaufen – nämlich wochenlang gar nicht. Die volle Wasserflasche stand auf meinem Schreibtisch, seit dem Morgen nicht angetastet. Bravo. Dazu tausend Anfragen von Leuten. Ehrenamt. Kannst du dies für mich erledigen? Na klar, her damit! Freunde. Kannst du hierbei irgendwie helfen? Ja sicher, kann ich! Permanent schlechtes Gewissen, weil ich Freunde vernachlässige, mit denen ich längst abgemacht hatte, mal wieder zu telefonieren. Jeder Blick auf mein Handy ein „Oh scheiße, da müsstest Du dich dringend mal melden“. Hinzu kam, dass ich nach der ersten Woche plötzlich noch ziemlich alleingelassen im Job war. Meine Vorgängerin in Mutterschutz, ein Kollege weg, ein Kollege im Urlaub, ein anderer wurde Papa. Kurzum: Ich stand da mit einem Haufen Fragen, vielen Aufgaben und dem doofen Gefühl, meinen neuen Chef mit meinen Fragen auf die Nerven zu fallen, weil so Vieles neu war, das ich nicht alleine entscheiden konnte. Bildlich gesprochen: Ich hatte „viel um die Ohren“ und das hat sich manifestiert: Seit Sonntag habe ich das Gefühl, es stochert jemand mit einem spitzen Kuli in meinem Trommelfell herum. Wenn die Schmerzmittel wirken, dann höre ich in meinem sonst tauben Ohr das Blut rasen.

Ich muss dringend wieder runterkommen, mich entspannen, endlich ankommen und durchatmen. Es ist alles gut. Du hast nen Job fürs erste. Niemand will dir was. Neue Kollegin hat angefangen. Keiner hetzt dich. Alle sind doch nett zu dir. Und sag verdammt nochmal einfach mal NEIN wenn es zu viel wird!

Warum passiert das immer wieder, dass ich in diesen Kreislauf gerate. Ich weiß doch inzwischen, wie ich ticke und was mir wichtig ist. Man startet voller guter Vorsätze: Ja, man will sein Bestes geben und die Chance auf eine mögliche Übernahme nutzen, sich gut präsentieren, aber zeitgleich besser auf die Balance achten. Nicht mehr vergessen, was mir wichtig ist: Klar will ich wieder auf eigenen Beinen stehen – wer ist schon gerne ohne Job – aber noch wichtiger: Meine Familie. Zeit. Lebensqualität. Mein Freund. Wir hatten eine fantastische Zeit im Urlaub. Nach einem sehr schweren Sommer und einem Schicksalsschlag, der uns zusammengeschweißt hat, weiß ich endlich wo lang es gehen soll. Dann mein Lauftraining, weil es mir so gut tut und ich mir Ziele gesteckt habe. Waldlauf im Oktober, Nikolauslauf, Halbmarathon im Frühjahr. Laufen hat mich schon so oft gerettet – warum bin ich so dumm und lasse es als erstes wieder hintenüber fallen?

Die Bilder vom Urlaub – ich hatte so lange vor, sie zu sichten, zu bearbeiten, ein Album zu machen. Meiner Tante und meinem Onkel wollte ich welche schicken – als Dankeschön für die schöne Zeit – hatte so fest vor, sie anzurufen. Und schon ist ein Monat verstrichen. Zeit, in der sich alles wieder gedreht hat. Aus meinem grundentspannten Urlaubs-Selbst, ganz bei mir, ist ein gehetztes Etwas geworden. Der Körper schreit nach Ruhe. Ich habe im Krankenbett jede Nacht 12 Stunden und tagsüber weitere Male geschlafen. Ich kann das nicht, den Stress, das Vollgas geben und dabei lächeln. Ja klar, gib nur her, ich kümmer mich! Wenn ich in meinen Kalender schaue, wird mir schlecht, weil kaum ein Wochenende wirklich frei ist zum ausspannen. Und schuld daran bin nur ich. Ich ganz alleine muss das lernen. Ein bisschen erinnert mich all das an meinen Zusammenbruch damals, als ich noch in der Agentur gearbeitet habe und mein Körper von heute auf morgen den Dienst quittiert hat. Es wiederholt sich wohl alles, bis man endlich die Lektion kapiert hat.

Morgen früh werde ich wieder zur Arbeit gehen. Jedem anderen Menschen würde ich abraten. Hat man mir den bisherigen Einsatz und die Überstunden gedankt? Nein. Trotzdem kann ich nicht aus meiner Haut. Ich bin neu, ich habe das Gefühl, mich beweisen zu müssen und Teil des Teams werden zu wollen. Ich hoffe, dass ich übernommen werde und dass die Existenzsorgen des letzten Jahres dann endlich einmal ruhen können. Ich sollte weiter das Bett hüten, bis ich wieder ganz gesund bin, aber ich bin zu unruhig dafür.

Ich muss das packen, meine Balance wiederfinden. Muss wieder laufen gehen. Meditieren. Das Rauschen im Ohr muss wieder zu einem ruhigen, gleichmäßigen Herzschlag werden. Keine Panik. Du schaffst das. Keiner tut dir was. An meiner Wand hängt ein Bild eingerahmt, das mein Schatz mir geschenkt hat, als es mir einmal sehr schlecht ging. Ich lese es immer und immer wieder.

Es gibt mir Kraft. Ich kann das schaffen. Ich zieh mich da wieder raus. Ich komme wieder zurück zu mir:

 

 

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Zitat

„I pleaded with God,

I asked and begged and bargained, but God did not bargain.

God was stubborn and deaf and oblivious.

And she died and I lived and a hole opened up,

dark and bottomless, and I fell down

and kept falling for centuries.“

(from Matt Haig, „How to stop time“)

 

 

Kein Tag vergangen ohne Erinnerung an Dich.
Als ich eine Blume niederlegte an Deinem Grab frage ich mich, wie es wohl heute wäre, wenn nicht gekommen wäre, was kam. Wären wir alle ein bisschen weniger kaputt? Ein bisschen weicher und wärmer? Weniger wütend auf die Welt?
Ich weiß es nicht. Alles was ich weiß ist, dass man Situationen und Personen überstehen kann, die man für lebenswichtig erachtet hat, weltbewegend und essentiell. Dann stellt man fest, dass man sehr gut ohne kann. Du wächst an den Schmerzen, an den Lektionen, am Stress, der Enttäuschung durch andere Menschen. Nachdem man das durchgestanden hat, geht es besser und was mich vor einem Jahr beschäftigt hat, ist vergessen und ruht in der Mottenkiste, bis es zu Staub der Zeit zerfällt. Und dann wiederum geschehen solche Sachen, die alles für immer verändern. Die einen so nachhaltig auseinander reißen und für immer das Leben trüben. Wie der Abschied von Dir. Dennoch existiert man weiter, verstreicht die Zeit, sind wir Zurückgelassenen weiter auf dieser Seite des Vorhangs. Warten auf den Tag des Wiedersehens.

Fragen uns, was Du geraten hättest.
Erinnern uns, wie Du gelacht hast.
Wünschen uns die Zeit zurück.
Dein Fehlen ist so allumfassend.

In 17 Jahren hat sich die Umwelt verändert. Ich mache Fehler, treffe falsche Entscheidungen, muss mich Aufgaben stellen, die ich mir selbst eingebrockt habe. Ich verliere, stehe auf und mache weiter. Mit der Zeit bin ich routinierter, aber auch dessen müder geworden. Die Welt geht mir auf den Geist mit all ihrem Druck, der Selbstdarstellung, dem Wettkampf, der Respektlosigkeit, Gewalt, Zerstörung und Wut, überall ist so viel Wut. Oft möchte ich mit all dem nichts mehr zu tun haben und die Waffen einfach fallen lassen.

Warum muss man das Leben meistern? Reicht es denn nicht, dass ich es nicht aufgebe?

Dann sehe ich, wie die Sonnenstrahlen durch eine Baumkrone brechen und auf der Friedhofsmauer tanzen. Ein kleiner Baumsprössling wächst aus einer Ritze zwischen den Steinen empor. Er hat es schwer, keinen Boden zum Wurzelschlagen, aber er lässt sich nicht abbringen, will ein großer Baum werden, hinauf ins Licht.
Egal ob er (oder ich) das jemals schaffen können, wir werden es versuchen. So lange es die Sonnenstrahlen gibt und das feine Geäst von Blättern im Gegenlicht, den Duft von Heckenrosen, Feldbrombeeren, das Schnurren einer Katze oder das warme Gefühl, wenn jemand den Du magst Dich berührt. So lange ich noch merke, dass ich mehr gemeinsam habe mit einem Kind, das die Welt erkundet und alles Natürliche darin liebt und die Göttlichkeit darin erkennt, als mit einem Erwachsenen, für den alles was zählt, Status und Regeln sind – So lange bist Du in mir.
Bei uns.
In der Welt.
Für immer unvergessen.

Wie passend – wenn auch nicht von mir

Mitten im Leben.
So viel zerbrochen.
So viel verloren.
So viel versucht.
So viel gekämpft.
Deine Masken
passen nicht mehr.
Nichts ist mehr,
wie es war.
Und nun?
Du darfst beginnen.
Du darfst neu beginnen.
Welche Freude.
Das Haus ist abgebrannt.
Nichts ist mehr da.
Nichts außer Dir.
Nichts außer Deinem Mut.
Nichts außer Deiner Liebe.
Was war, gibt es nicht mehr.
Alles wird neu.
Du fühlst wieder.
Du fühlst Deine Wahrheit.
Du fühlst wer Du bist.
Du fühlst Deine Schönheit.
Du fühlst Deine göttliche
Einmaligkeit.
Du fühlst Dein Herz.
Du fühlst das Leben.
Mitten im Leben.
Welche tiefe Freude.
Du weißt,
was durch Dich in diese Welt will.
Du kennst Deine Gaben.
Dein Gefäß läuft über.
Du weißt,
mit Wem Du das leben willst.
Mit Wem Du Dich leben willst.
Dein Liebster lebt.
Du bist klar.
Nie warst Du so klar.
Nie lag der Plan so offen
vor Dir.
Dein göttlicher Plan.
Tu. Tu es.
Tu was Du fühlst.
Spring.
Lebe. Dich.
Zeig Dich. Fang an.
Deine Fülle zu verschenken,
macht, dass Du beschenkt wirst.
Mit der Fülle dieser Welt.
Alles findet Dich.
Deine Wahrheit ordnet sich.
Alles ordnet sich.
Wenn Du Deine Wahrheit lebst.
Dein Mut
ist das Anagramm
Deines Glücks.
Du willst Niemand mehr sein.
Du bist.
Gottes einmaliges Wunder.
Lebe.
Alles wird neu.
Mitten im Leben.
Sei.

Quelle:
Martin Uhlemann – „DU“

#notjustsad

„Manchmal sagst du, dass nichts ist. Aber eigentlich ist zu viel los. #notjustsad“

Nur einer von vielen Sätzen, die Menschen unter dem Schlagwort #notjustsad in den letzten Tagen geschrieben haben und die mir direkt aus der Seele sprechen. Viele davon heute, zum Weltgesundheitstag unter dem Motto „Depression – Lasst uns darüber sprechen“.

Betroffene, Angehörige von Betroffenen, das wird immer gefordert, sollen sich mehr Gehör verschaffen – aber genau hier liegt doch das Problem. Wer krank ist, macht sich nicht auf die Art und Weise bemerkbar, die von anderen verstanden wird. Tut er es, wird es oft herunter gespielt, missverstanden: wer nicht reden will, dem ist halt nicht zu helfen, nicht wahr?
So viele Worte, in denen ich mich wieder finde. So sehr ähneln sich die Empfindungen, das Leiden, das nicht-aus-seiner-Haut-können, dass es zum aus-der-Haut-fahren ist. Trotzdem wird das Verständnis für depressive Störungen nicht besser. Weil Depressionen nicht „passen“ ins angepasste Leben, nicht in eine Gesellschaft, die falschen Positivismus, Selbstoptimierung und -darstellung in sozialen Netzwerken kultiviert hat.
Traurige Säcke passen halt nicht in ein Leben, das bitteschön aussehen soll wie ein gechillter Becks-Werbespot.

Es ging mir lange gut. Nein…es geht mir oft gut. Manchmal aber eben nicht. Es ist besser geworden in den letzten Jahren, dank Therapie, Gesprächen und Lebenserfahrung und dem Schreiben. Aber es kein Schnupfen, der irgendwann ausgeheilt ist, das vergisst man so leicht. Ich habe zur Zeit keine Arbeit, bin den ganzen Tag zuhause. Was völlig okay wäre, alles unter Kontrolle, Bewerbungen laufen, demnächst Weiterbildung, alles wird gut und so. Wenn ich arbeiten gehen müsste, würde ich aus dem Fenster starren und mir freie Zeit wünschen. Aber ich kann es nicht genießen. Am Anfang war es noch Urlaub, auf Dauer zieht es mich extrem runter. Langeweile, sich nutzlos fühlen, gepaart mit Existenzsorgen im Nacken. Keine gute Mischung.

„Den ganzen Tag beschäftigt sein und sich doch unterfordert fühlen. #notjustsad“

Ich schlage nur Zeit tot und liege anderen auf der Tasche – ekelhaft, wie überflüssig man sich fühlen kann. Ich habe diese Woche zur Beschäftigung eine Serie geschaut, #13ReasonsWhy. Eine Serie, in der ein Mädchen kurz vor ihrem Suizid 13 Kassetten aufnimmt, eine für jede Person und jedes Ereignis, das letztlich zu ihrem Entschluss geführt hat, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Auch das: Keine besonders kluge Wahl, es hängt mir noch lange nach. Weniger als die Ereignisse selbst – dramaturgisch natürlich so gewählt, dass auch der dümmste Fernsehzuschauer kapiert: „Dieses Mädchen hatte es schlimm!“ – bedrückt mich die Grundstimmung. Und die ist genau das, was viele Betroffene nachempfinden können, wenn ich so die Stimmen zur Serie nachlese: Das Mädchen ist hübsch, eine Poetin, gar nicht mal unbeliebt, verliebt, hat liebe Eltern und intelligenten Witz. Nach außen hin ein ganz normales Mädel. Niemand rechnet mit ihrer Entscheidung. Natürlich nicht. Weil das, was man von außen wahrnimmt, rein gar nichts über eine Seele verrät.

„Was man nicht kennt, erkennt man nicht. #notjustsad“

„Es war nicht genug“, sagt sie in der letzten Folge. Es ist genau das, nicht die dargestellten Erlebnisse, was einem ans Herz geht. Das ist es doch, das Grundgefühl: Ich weiß, es sollte mir besser gehen. Ich habe einen funktionierenden Körper. Menschen, die sagen, dass es sie kümmert. Aber es ist einfach nicht genug! Man fühlt es nicht genug. Man selbst ist nicht genug.
Zum Glück entscheiden unzählige Betroffene für das Leben – jeden Tag aufs neue. Oder lassen es eben geschehen, dass immer wieder ein neuer Tag anbricht.

„“Diese scheiss Zeitumstellung. Fällt dir das Aufstehen jetzt auch so schwer?“ Jedes Mal Aufstehen fällt mir schwer. #notjustsad“

„Warum bist Du denn traurig?“
Weiß ich selber nicht. Wegen allem und gleichzeitig aber wegen nichts, woran man es so festmachen könnte, dass du es begreifen kannst.
„Am Wochenende soll das Wetter wieder schöner werden!“
Das kann schon sein. Macht aber keinen Unterschied.
„Hast Du dein Vitamin D genommen?“
Not going to dignify that with a response.
„Mach doch was schönes mit Freunden?“
Freunde. Gerade habe ich das Gefühl, ich habe niemanden. Ich versuche es, denke ich jedenfalls. Melde mich bei Personen, die ich als Freunde bezeichne. Sie haben andere Dinge zu tun, wichtige Dinge, sie haben Jobs und Kinder und Verabredungen. Wenn wir uns treffen, kann ich nicht mitreden, bin einfach nicht mehr Teil dieser Welt. Und ich möchte nicht die sein, die klammert. Schaut Euch meine Chatverläufe an bei WhatsApp, wie oft ich Leute antippe, nach Treffen frage, mich erkundige, wie es denn so geht, versuche, mit ihren Pläne zu schmieden oder einfach nur den Kontakt zu erhalten um das Gefühl zu haben, dass da noch wer ist.

„Depression ist auch, sich tagtäglich aufs neue schuldig zu fühlen, weil man eine Last für die seinen ist. #notjustsad“

„Willst Du darüber reden?“
JA! Nein.

„Mein Tagebuch ist der einzige Ort, an dem ich allen Gedanken & Gefühlen freien Lauf lassen kann #notjustsad“

Öffnet eure Ohren, falls ihr jemanden kennt, der nicht einfach nur traurig ist. Öffnet die Herzen und breitet die Arme weit aus und dann sagt einfach mal…nichts. Keine Worte können diese Leere füllen. Nur da sein. Das Gefühl geben, dass es eben nicht egal ist. Dass er oder sie einen Platz in eurem Leben hat. Verlangt auch keine Worte, denn es gibt keine Erklärung für das Gefühl, eine Last zu sein, für die Unerträglichkeit des Lebens, für Einsamkeit, die tief aus dem Inneren kommt.

„Wenn ich nur wüsste, wo ich mich verloren habe… #notjustsad“

Allen, die selbst diese Momente haben – bleibt stark. Für jede Momente, in denen sich die Wolken verziehen, in denen wir etwas spüren, in denen wir Freude haben und Stunden mit Menschen in unserem Leben, für die wir dankbar sind. Es macht sehr wohl einen Unterschied. Ihr macht einen Unterschied.

We’re #notjustsad
We #wontgiveup
#wematter
#fuckdepression.