Downward facing Alien

Genau so muss sich ein Alien fühlen. Oder der Englishman in New York. Keine fünf Minuten nach Beginn der Yogastunde weiß ich, dass ich die Einzige in der Runde bin, die weder „in der 33,256ten Schwangerschaftswoche“ ist, noch „schwanger mit Zwillingen“ oder „glücklich mit drei Kindern, die „alle mit Yoga während der Schwangerschaft“ auf die Welt gekommen sind.

Ich hätte es wissen müssen. Einen Basis-Yogakurs buchen, der in den Räumlichkeiten einer Kita stattfindet … Noch dazu im Neubaugebiet meines Heimatdorfes, dort, wo die Parktaschen extragroß sind damit Latte Macchiato Mamis bequem ihre SUVs reinschieben können.

Im Kursraum herrscht eine Totenstille, die ich nur aus den Stunden von Vokabeltests bei Herrn Böhme damals kenne. Niemand traut sich zu atmen oder zu rascheln, dabei denke ich bei Yoga immer als erstes an die „Darth Vader“-Tiefenatmung, die ich in einer meiner zahlreichen früheren Yoga-Schnupper-Erfahrungen üben musste. Nachdem wir einzeln zwecks Bezahlung der Kursgebühr und Eintrag ins Klassenbuch … äh…Kursliste nach vorne getippelt sind und uns dann reihum vorgestellt und über unseren Bauchinhalt upgedatet haben (glaube mein Kommentar „Nicht schwanger, habe nur gut gegessen“ kommt nicht gut) geht es endlich los. Naja. Das Licht geht aus.

Geil. Jetzt lieg ich hier im Dunkeln, nach einem langen Arbeitstag. Wenn ich da mal nicht einschlafe. Die Hochschwangere neben mir gibt keinen Mucks von sich. Dafür blubbert mein Magen fröhlich vor sich hin. Merken: Soja-Cappucino am Nachmittag vor der Yogastunde besser weglassen. Als das Licht wieder angeht, blinzeln wir uns an. Eine Decke „zum Einkuscheln“ hatten wir mitbringen sollen. Die Dame vor mir thront auf einem gemusterten Exemplar mit Fransen. Sieht aus, als flöge sie gleich mit einem Dschinn davon.

Ein paar nach unten schauende Hunde, Seitbeugen nach hier und dort und Füße kreisen, sind wir auch schon fertig.

Ich hätte nie gedacht, dass mir dieser Satz mal über die Lippen kommt, aber das war mir eindeutig zu wenig Bewegung. Positive Bilanz der Stunde: Ich habe kein bisschen geschwitzt und muss nicht wie nach dem Lauftraining abends duschen. Es war außerdem eine Weltidee, meine eigene Matte mitzubringen, sonst hätte ich mir vermutlich sämtliche Viren, Bakterien, Läuse eingefangen, die in so Kinderläden rumkreuchen.

Ohoh, I’m an Alien…Bis nächste Woche. Namaste, ihr Muttis.

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