Trigger Warning

Das ganze Leben versuchst du mit dem, was dir vor die Füße geworfen wird, zurecht zu kommen. Trotz aller Um- und Widerstände glücklich zu werden in der eigenen Existenz. Spoiler: Manchmal klappt es nicht. Gut, dass niemand in den Kopf eines anderen schauen kann. Niemand kann sehen, welche Worte und Taten du dir zurecht gelegt hast für den Fall, dass du einmal den Punkt erreichst, an dem der Schmerz zu groß wird, um ihn weiter aushalten zu können.
Einsamkeit ist das schlimmste. Das Gefühl, dass alle anderen haben, was dir fehlt. Alle anderen – so scheint es dir – haben eine Orientierung. Sitzen gut gebettet und kommen zurecht. Nur du bist außen vor. Hast nichts geschafft von deinen großen Träumen für dich selbst, deine Ideale unerreicht und das schlimmste: Keine Leitplanken, die dich führen.

Bist immer noch zuhause. Hast keine Kinder, die zwangsläufig dir das Gefühl geben, dass da jemand ohne dich nicht leben kann.
Alles verloren und nichts neu errichtet.
Ich schaue auf die Bilderrahmen an der Wand. Die aus unserer alten Wohnung. Das einzige, was davon übrig ist. Ich habe sie mit neuem Leben gefüllt, mit den Gesichtern derer, die noch Bedeutung für mich haben.
Da ist meine älteste Freundin an ihrem Hochzeitstag. Da sind mein Papa und ich an Karneval (an einem denkwürdigen Tag rückblickend betrachtet, an dem uns jemand zum ersten Mal seine dunkle Seite offenbarte; trotzdem lachen wir herzlich). Da sind zwei Mädels auf eine Urlaubsfoto, mit denen ich noch viel noch der Welt sehen will. Meine Großeltern und mein Bruder am Tag der Saisoneröffnung. Die Babys von Freunden – sie wecken Hoffnung und den Wunsch, auch in Zukunft Teil ihrer Leben zu sein. Da sind mehrere Fotos meiner Kochfreunde, weil sie mir mehr bedeuten als sie ahnen. Da bin ich mit meiner Cousine am Tag ihres Schulabschlusses, so stolz auf sie.

Das sind die Gesichter, die mir Mut geben. Die einen Platz an meiner Wand in meinem Zimmer haben.
Ich frage mich manchmal, ob sie überhaupt wissen, dass es diesen Platz gibt.

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